Montag | 28. Mai 2012 | 15:36 Uhr
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  • FILM REVIEW | Im Alter von Ellen
  • Im Alter von Ellen

    Drama | Deutschland / Frankreich 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Die Nachricht, ihr Lebensgefährte Florian (Georg Friedrich) erwarte ein Kind mit einer anderen Frau, verändert die gesamte Zukunftsplanung der schon zuvor desillusionierten Stewardess Ellen (Jeanne Balibar). Spontan verlässt sie direkt vor einem anstehenden Start ihren Arbeitsplatz, worauf hin die Fluggesellschaft ihr die Kündigung ausspricht. Als Ellen nach dem Streit mit einem Taxifahrer in dessen Wagen ihr Gepäck vergisst, nimmt sie mit einer zufällig heran nahenden Tierschützergruppe die Verfolgung auf. Allmählich reift in der Aussteigerin der Entschluss, sich den radikalen Aktivisten anzuschließen, wobei sie im jüngeren Karl (Stefan Stern) ihren Bezugspunkt sieht. Doch bald stellt sich die Frage, ob Ellen auf lange Sicht eine Bindung mit ihm einzugehen bereit ist.
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      • | FILMKRITIK

      • Pia Marais zweite Regiearbeit reiht sich ein in Ausstiegsstudien wie „Eat Pray Love“ oder „Villa Amalia“ über Frauen vor radikalem Neuanfang, die aufgrund eines plötzlichen Entschlusses oder tief sitzender Kränkungen mit ihrem bisherigem Leben hadern und alle Bahnen hinter sich abbrechen. Bei Flugbegleiterin Ellen weisen die Ursachen in beide Richtungen, da neben der Enttäuschung durch ihren untreuen Freund Florian sie das unablässige Gefühl beschleicht, nicht den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Das unterschwellige Bedürfnis nach einschneidendem Wandel kulminiert in der plötzlichen Flucht ihres Arbeitsplatzes, woraufhin sie entlassen wird.

        Bis hierhin liefert Pia Marais einen atmosphärisch Blick in den geregelten Alltag der Protagonistin mit langsam einsetzenden Dissonanzen. Bei einer Flugverzögerung in Afrika kommt es zur Begegnung mit einem eingefangenen und betäubten Gepard, in dem sich Ellen zu erkennen scheint, wodurch sich allmählich Risse in ihrer festgefügten Existenzgrundlage bilden. Für ein Gefühl von Unsicherheit und der Notwendigkeit eines Ausbruchs spricht die somnambulen Stimmung, ohne dass das Drehbuch viele Worte darüber verlieren müsste. Wenn Ellen mit ihrem Koffer als letzte Habe allerdings an eine Gruppe kompromissloser Tierschützer gerät, ändert sich der Tonfall wesentlich. Durch die Konfrontation mit einem befreiten Affen fließt etwa etwas Humor in die offen entwickelte Charakterstudie.

        An anderen Stellen wirkt die Komik allerdings eher unfreiwillig, wenn Gruppendiskussionen oder interne Differenzen wie eine Parodie auf linke Phrasendrescherei oder Julia Hummer mit struppiger Mähne wie eine Karikatur auf die Spontiszene erscheinen. An dieser Stelle glaubt man sich in Marais Debüt „Die Unerzogenen“ über Generationskonflikte in einer Hippie-Kommune versetzt. Offensichtlich zogen hier ebenso autobiografische Elemente ins filmische Schaffen der Regisseurin ein wie Reminiszenzen auf ihre Kindheit in Südafrika. Diese Sequenzen bilden gewissermaßen die Klammer von Ellens unsteter Sinnsuche, nachdem sie in der (Schein-)Beziehung zu einem wesentlich jüngeren Partner und dessen radikalem Aktionismus keine echte Zukunft sieht.

        Eine weitere Affinität scheint Marais zum französischen Kino zu besitzen. Während in ihrem Debüt die derzeit unterbeschäftigte Französin Joana Preiss in einer Nebenrolle auftrat, trifft man dieses Mal im Titelpart den Star Jeanne Balibar, die ihre Dialoge komplett auf deutsch spricht – immerhin akzentfrei, aber mitunter ohne rechte Betonung. Balibars darstellerische Fähigkeiten vermögen allerdings nicht durchweg die Leerstellen in Ellens Verhalten zu füllen, selbst wenn nicht jede Handlungsweise ihrer Odyssee psychologisch erläutert werden soll. Das in Köln und Frankfurt von der dort ansässigen Pandora Film produzierte Werk wartet neben vertrauten Gesichtern des deutschen Kinos wie Julia Hummer, Eva Löbau oder Alexander Scheer mit einen Gastauftritt von Comedian Johann König als Ellens Barbekanntschaft auf. Dazu unterstützt die verhalten, aber stimmig eingesetzte Musik von Coautor Horst Markgraf das bemerkenswerte, aber letztlich unentschiedene Psychogramm einer Entfremdung.
      • | FAZIT

      • Hervorragend gespielte, doch psychologisch sprunghafte Chronik einer diffizilen Selbstfindung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 3.3/10 (3 votes)

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