Sabine Kuegler kommt als achtjähriges Mädchen in den Dschungel von West-Papua. Ihr Vater will die Sprache eines gerade entdeckten Eingeborenenstamms erforschen, und so bezieht die fünfköpfige Familie Kuegler ein Haus im Dorf der Fayu. Die Eingeborenen sind kaum bekleidete, mit Pfeil und Bogen bewaffnete Jäger, deren Sitten und Rituale auf die Kueglers oft verstörend wirken.
Die Familie ist im Dorf geduldet, solange sie sich nicht einmischt. Sabines Mutter Doris, die Krankenschwester ist, eilt dennoch nach kriegerischen oder individuellen Auseinandersetzungen den Verletzten zu Hilfe. Sabine genießt das freie Leben im Dschungel und lebt sich im Dorf trotz aller kulturellen Unterschiede gut ein, hat Freunde und Spielkameraden. Als Jugendliche verliebt sie sich in Auri, der bei ihrer Familie als Pflegekind aufwuchs.
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| FILMKRITIK
Sabine Kuegler hat als Tochter von Sprachforschern und Missionaren ihre Kindheit im Regenwald von West-Papua auf der Insel Neuguinea verbracht. Auf ihrer Autobiografie „Dschungelkind“ von 2005 basiert der gleichnamige Film von Regisseur Roland Suso Richter, der die unglaubliche Familienexpedition zu einem neu entdeckten Stamm von Urwaldbewohnern erzählt. Die aufgeweckte achtjährige Sabine geht ohne Scheu auf die Eingeborenen zu und erlebt glückliche Jahre voller Abenteuer in der Natur. Wie ihre Eltern, die den drei Kindern Geborgenheit schenken, gerät sie in einen intensiven kulturellen Austausch mit den Fayu.
Schon die erste Begegnung Sabines mit den Eingeborenen verläuft abenteuerlich und stimmt atmosphärisch auf die durchgehend spannende Geschichte ein. Klaus und Doris Kuegler sitzen mit ihren Kindern Judith, Sabine und Christian auf Gepäckstücken auf einer kleinen Lichtung im Dschungel. Sie schauen gebannt, wie sich aus dem Wald langsam mit Pfeil und Bogen bewaffnete Männer nähern. Klaus erklärt der Familie, was ihre Gesten bedeuten. Die blonde Sabine hat im Gegensatz zu ihrer Schwester keine Angst, als der Häuptling sie neugierig berührt und seine Stirn an ihrer reibt.
Während der Film hauptsächlich die jungenhafte Sabine begleitet, tastet er sich behutsam wie das Mädchen und die scheuen Einheimischen auf dem Weg des Kennenlernens vor. Knisternde Ambivalenz liegt in der Luft, wenn Sabine nicht weiß, wie die Jäger, die sie im Wald beobachtet, auf ihre Anwesenheit reagieren werden oder wenn die Fayu einen Moment lang unschlüssig sind, wie sie eine Annäherung von seiten der Kueglers deuten sollen. Die junge Darstellerin Stella Kunkat spielt die barfüßige Sabine mit den kurzen Hosen herrlich neugierig, staunend und nachdenklich. Mit aufrichtigem Interesse und mit kindlicher Sympathie saugt Sabine die neuen Eindrücke förmlich in sich auf. Gleichzeitig erlebt sie mit ihren Geschwistern auch die Probleme, vor die das Leben bei den Fayu ihre Eltern stellt.
Vater Klaus, gespielt von Thomas Kretschmann, ist anfangs eine Art kultureller Dolmetscher, der Frau und Kindern die Fayu erklärt und auch dafür sorgt, dass sich seine Familie angemessen zurückhält. Später wird dieser Mann als Beschützer seiner Kinder über sich hinauswachsen und einen befriedenden Einfluss auf die Fayu ausüben. Zunächst aber ist Mutter Doris, gespielt von Nadja Uhl, die Widersacherin des Vaters, die mit ihrem Behandlungskoffer aus dem Haus rennt, wenn es irgendwo einen Verletzten gibt. Damit irritiert sie die Fayu aufs Höchste, weil diese an die Macht der Flüche glauben.
Überschwemmungen, Insektenplagen und die Kriege der beiden Fayu-Unterstämme hindern besonders die Mutter also nicht daran, mit ihren Rezepten aus der Zivilisation das Leben im Dschungel ein wenig zu verändern. Die Kinder werden christlich-europäisch erzogen und an Weihnachten spielen sie ein Lied auf der Blockflöte. Im Dschungel von Malaysia gedreht, bietet der Film pittoreske, exotische Kulissen. Die sinnlichen Eindrücke stehen dabei weniger im Mittelpunkt, als die sehr spezielle Mischung aus Distanz und Aufgeschlossenheit, mit der diese deutsche Familie den Fayu begegnet. Mehr zwischen den Zeilen scheint auch die innere Zerrissenheit von Sabine auf, die als junge Frau nach Deutschland zurückkehrt. Die Kluft zwischen den beiden Welten in ihrem Inneren ist auch belastend.
| FAZIT
Spannende Verfilmung der Autobiografie von Sabine Kuegler, die im Dschungel von West-Papua aufwuchs.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung