Betty Anne Waters ist eine reale Person aus dem US-Bundesstaat Massachusetts. Ihr Bruder Kenny Waters wurde in den achtziger Jahren des Mordes an einer Frau für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Betty Anne war vor seiner Unschuld überzeugt und versprach ihm, Jura zu studieren und als Anwältin seinen Fall neu aufzurollen. Als Gegenleistung verlangte sie, dass er sich in der Haft nicht das Leben zu nehmen versuchte. In den neuen Möglichkeiten, die damals sichergestellten Blutspuren des Täters nachträglich einem DNA-Test zu unterziehen, sah Betty Anne die Chance, die Unschuld ihres Bruders doch noch zu beweisen.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Hilary Swank und Sam Rockwell spielen ein innig verbundenes und dennoch ungleiches Geschwisterpaar in dem Justizdrama „Betty Anne Waters“, das auf einem wahren Fall basiert. Die Kellnerin aus Massachusetts kämpfte 18 Jahre lang um die Freilassung ihres wegen Mordes verurteilten Bruders, indem sie ihren Schulabschluss nachholte, Jura studierte und Anwältin wurde. Regisseur Tony Goldwyn verfilmte diese unglaubliche Geschichte realitätsnah und trotz seiner guten Schauspieler emotional eher zurückhaltend.
Der Film pendelt zwischen drei zeitlichen Ebenen, springt manchmal ohne große Ankündigung in die Kindheit von Betty Anne und Kenny Waters, dann zeigt er die erwachsenen Geschwister Anfang der achtziger Jahre, zum großen Teil aber verfolgt er Betty Annes Leben in den neunziger Jahren. So erlebt der Zuschauer mit gemischten Gefühlen, aus welchen verschiedenen, mal alarmierenden, mal Vertrauen erweckenden Puzzleteilen sich das Gesamtbild zusammenfügt. Es gab einen bestialischen Mord und der Kenny, der im gleichen Jahr in einer Kneipe mit einer Schlägerei und einem Striptease auffällt, ist eine zwielichtige Figur, ein Hitzkopf. Wenn später seine Ex-Freundinnen vor Gericht gegen ihn aussagen, hält man ihn auch dieses Mordes für fähig. Nur seine Schwester tut das nicht.
Betty Anne Waters wirkt wie ein Fremdkörper aus einer zivilisierteren Welt in der Nähe ihres Bruders, und es bedarf einiger Rückblenden in die Kindheit der beiden, um diese starke Verbindung zu erklären. Die Geschwister wuchsen verwahrlost auf und wurden schließlich in verschiedenen Pflegefamilien untergebracht, aber in den Jahren davor hatten sie sich gegenseitig Halt gegeben. Dieses Band bildet Betty Annes ganze Gewissheit, was die Unschuld ihres Bruders betrifft, während sie sich durch ein spätes Jurastudium quält und ihr Familienleben den Bach runtergeht.
Der Film zeigt ein sozial benachteiligtes Milieu und verfolgt eher nüchtern die kleinen Mechanismen der Ausgrenzung auch im Rechtssystem. Sam Rockwell spielt den unberechenbaren Kenny nicht gerade als Sympathieträger. Aber an dieser Figur wird auch ihre Hilflosigkeit deutlich, nachdem sie in die Mühlen des ungeheuerlichen Verdachts gerät. Dank der technischen Fortschritte, die die DNA-Analyse auch bei vor langer Zeit gesammelten Beweismitteln ermöglichen, sind in den USA inzwischen 258 Menschen nachträglich freigesprochen worden.
Hilary Swank, die eine Affinität für Figuren am Rande der Gesellschaft hat und in einem Trailerpark aufwuchs, spielt Betty Anne Waters als verkörperte Garantie für Kennys Integrität. Sie steht für das Vertrauen in das Gute im Menschen und seine Fähigkeit, trotz schwierigster Bedingungen erfolgreich zu sein. Der Film verschenkt wahrscheinlich einige Möglichkeiten, indem er sich entscheidet, auf die inneren Konflikte dieser Person und die Dramen in ihrer Familie nicht näher einzugehen, sondern eher handlungsorientiert zu erzählen. Swanks zurückhaltender Darstellung kommt das zwar entgegen, aber insgesamt haben die Schauspieler nicht viel Raum, verblassen beinahe hinter den realen Schicksalen, denen sie nachspüren.
| FAZIT
Hilary Swank und Sam Rockwell spielen ein Geschwisterpaar, das in einer unglaublichen Odyssee gegen ein Gerichtsurteil kämpft.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung