Montag | 28. Mai 2012 | 15:54 Uhr
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  • FILM REVIEW | Engel des Bösen - Die Geschichte eines Staatsfeindes
  • Engel des Bösen - Die Geschichte eines Staatsfeindes

    Thriller, Drama | Frankreich / Italien 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Renato Vallanzasca ist einer der bekanntesten Verbrecher in Italien. Im Jahr 1950 geboren, beherrschte er mit seiner Gang in den siebziger Jahren die Mailänder Unterwelt. Unzählige Banküberfälle, aber auch ein paar Entführungen und sogar Morde gingen auf das Konto der Bande. Dem Gangster mit dem Spitznamen „Der schöne René“ gelangen später auch Gefängnisausbrüche.

    Mittlerweile hat sich der reale Vallanzasca mit seiner Haft bis ans Lebensende abgefunden und geht seit einem Jahr sogar tagsüber einer geregelten Arbeit außerhalb der Gefängnismauern nach. Der Spielfilm porträtiert in Anlehnung an die wichtigsten Fakten aus dieser ungewöhnlichen Biografie einen notorischen Gesetzesbrecher, dem einst Frauen aus dem ganzen Land Liebesbriefe ins Gefängnis schickten.
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      • | FILMKRITIK

      • Der deutsche Titel „Engel des Bösen – Die Geschichte eines Staatsfeindes“ lässt nicht sofort erkennen, dass dieser Film von einem gewöhnlichen Kriminellen handelt, nicht von einem Terroristen und auch nicht von einem Psychopathen. Als Engel, den die Dunkelheit anzieht, wird sich hier der entflohene Häftling Renato Vallanzasca in einem Radiointerview einmal selbst bezeichnen, aber nur um sich über die Hörer, die so etwas glauben wollen, lustig zu machen. Regisseur Michele Placido porträtiert diesen Gangster, der in den siebziger Jahren Mailand in Atem hielt, nicht immer frei von Heldenverehrung.

        Über die Kindheit Vallanzascas erfährt man im wesentlichen nur, und auch das mit einem Augenzwinkern, dass er bereits mit neun Jahren auf die schiefe Bahn geriet, indem er Tiere aus einem Zirkus befreite. Bald schon führt die Handlung in die von Parties und Aufbruchstimmung berauschten siebziger Jahre. Man sieht den attraktiven, vom italienischen Darsteller Kim Rossi Stuart gespielten Renato Vallanzasca in einer Disco eine Frau erobern – wobei es dem Charakter, auch wegen seiner zuschauenden Freunde, tatsächlich um Machtgehabe geht.

        Die Zeit der vielen Banküberfälle schneidet Placido in kleinen Szenen wie Postkartenmotive aneinander. Der tollkühne junge Mann trägt dabei keine Maske und als es irgendwann zu blutigen Zwischenfällen kommt, gehen sie auf das Konto durchgedrehter Bandenmitglieder. Später, nicht unähnlich anderen Gangsterepen wie Michael Manns „Public Enemies“ von 2009, spricht der von der Polizei gejagte Verbrecher ahnungslose Ordnungshüter an, beweist spöttische Kaltblütigkeit und smarte Überlegenheit. Im Gefängnis lässt er sich ebenfalls keine Schikanen gefallen und fügt sich sogar selbst Verletzungen zu, um zu entkommen.

        Die Beziehungen des Gangsters zu Frauen bleiben in diesem Film ziemlich emotionslos. Paz Vega spielt Vallanzascas Kindheitsfreundin Antonella, die ihm auch während seiner Partnerschaften mit anderen Frauen helfend und beratend verbunden bleibt. Wichtiger als die Frauengeschichten sind dem Egomanen Erfolg und Ruhm im Milieu. Lange sucht er die Anerkennung des rivalisierenden und sich überlegen fühlenden Mailänder Gangsters Francis Turalello. Dieser ist noch mehr ein Schönling, wobei sein gepflegtes Äußeres in scharfem Kontrast zu seiner Brutalität steht.

        Von Michele Placido, der einst als Darsteller in den TV-Filmen „Allein gegen die Mafia“ in Deutschland bekannt wurde, erwartet man hier aber vergebens tiefere Einblicke in mafiöse Strukturen. Vallanzasca ist im Grunde ein getriebener Einzelgänger, der nichts anderes kann und will, als sich Geld mit Waffengewalt zu holen. Die Unterhaltungen, die er mit seinen Kumpanen führt – auch Moritz Bleibtreu spielt in einer Nebenrolle – sind ermüdend gespickt mit stereotypen Flüchen und obszönen Ausdrücken. Vor lauter Konzentration auf die Schurkenstücke verzichtet Placido auf psychologische Erforschung und der Film bleibt trotz seiner Überlänge merkwürdig oberflächlich.
      • | FAZIT

      • Michele Placidos Porträt der italienischen Gangsterlegende Renato Vallanzasca schwankt recht oberflächlich zwischen Bewunderung und krudem Realismus.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 5.0/10 (3 votes)

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