Montag | 28. Mai 2012 | 10:51 Uhr
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  • FILM REVIEW | Unknown Identity
  • Unknown Identity

    Thriller, Action | Deutschland / USA 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Als Dr. Martin Harris (Liam Neeson) mit seiner Frau Gina (January Jones) in Berlin zu einer wissenschaftlichen Tagung eintrifft, stellt er beim Einchecken im Hotel Adlon fest, dass ein Koffer am Flughafen vergessen wurde. Seine Taxifahrt zurück zum Airport endet jedoch fatal, da der Wagen bei einem Unfall von einer Brücke abgedrängt wird und in der Spree landet. In letzter Minute gelingt es Taxifahrerin Gina (Diane Kruger), ihren bewusstlosen Passagier aus den Fluten zu ziehen. Nachdem er im Krankenhaus aus dem Koma erwachte, muss Harris feststellen, offenbar Teile seiner Erinnerung verloren zu haben. Zudem streitet seine Frau im Hotel rigoros ab, ihn überhaupt zu kennen. Überdies tritt ein anderer Mann (Aidan Quinn) an seine Stelle, der auf dem Kongress unter Harris Namen den Vortrag halten will. Bald stellen für den verwirrten Wissenschaftler die couragierte Taxifahrerin und ihr Vertrauter Ernst Jürgen (Bruno Ganz), ein ehemaliger Stasiagent, die einzigen Verbündeten bei der Wahrheitssuche dar.
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      • | FILMKRITIK

      • Seit jeher gehören Gedächtnisverlust und Identitätskrise zu den beliebtesten Sujets des Detektiv- und Agentengenres, denn beim Entschleiern einer bedrohlichen Vergangenheit treten regelmäßig unangenehme Geheimnisse ans Tageslicht, die besser im Dunkeln geblieben wären. Von Noir-Klassikern wie „Der Herr der Unterwelt“, „Street of Chance“ nach Cornell Woolrich oder „Dangerous Crossing“ bis zu den Adaptionen des ersten „Bourne“-Romans („Agent ohne Erinnerung“) reicht die Palette der cineastischen Wahrheitsrecherche. Nun plagt die rätselhafte Umordnung der eigenen Vita ebenfalls einen Wissenschaftler in Berlin, der fassungslos Bruchstücke seiner Biografie zusammen klauben muss, um seine Situation innerhalb einer weitreichenden Verschwörung entschlüsseln zu können. Ein von allen Seiten Gejagter, der zunächst niemanden trauten kann und anhand von Puzzelteilen versucht, ein disparates Gesamtbild zusammen zu setzen, bietet eine viel versprechende Ausgangssituation. Doch bei Jaume Collet-Serras Actionthriller nach einem Roman von Didier van Cauwelaert handelt es sich im Grunde nur um ein aufwändig produziertes, wenn auch nicht unspannendes B-Picture.

        Offensichtlich fand der amerikanische Actionproduzent Joel Silver Gefallen am Drehort Babelsberg, so dass er nach „V for Vendetta“ und „Ninja Assassin“ jetzt für „Unknown“ nach Berlin zurückkehrte, obgleich die Vorlage ursprünglich in Paris spielt. Allerdings besitzt Jaume Collet-Sera nicht James McTeigues Talent, der die beiden Berlin-Vorläufer inszenierte. Dass sich der Spanier vom grottigen „House of Wax“ zum akzeptablen „Orphan – Das Waisenkind“ steigerte, ist gleichfalls auf das Drehbuch zurück zu führen. Gegen die rasanten Actioneinlagen der vergleichbaren „Bourne“-Reihe oder „Ninja Assassin“ bietet „Unkonwn“ lediglich vertraute Genremuster. Immerhin hält die nur anfangs mysteriöse Story den Betrachter stets im Atem und verzichtet auf Längen.

        Zudem kommen die Berliner Locations bestens zur Geltung, bis am Ende das Hotel Adlon in Teilen digital in die Luft gejagt wird. Bei der Berlinale-Pressekonferenz, wo „Unknown“ außer Konkurrenz im Wettbewerb seine Weltpremiere feierte, machte sich ein ausländischer Journalist schon Gedanken, welche berühmten Sehenswürdigkeiten man im eventuellen Sequel filmisch zerstören könnte. Da das Babelsberg-Studio als Co-Produzent beteiligt war, besetzte man die Nebenrollen mit deutschsprachiger Prominenz wie Sebastian Koch als Dr. Harris Kollege, Karl Markovics und Eva Löbau als Krankenhauspersonal oder Stipe Erceg als Killer, der mit weiteren Finsterlingen unvermittelt Jagd auf den ahnungs- und orientierungslosen Gelehrten macht.

        Als resolute osteuropäische Taxifahrerin wirkt Diane Kruger zu glamourös und eher fehlbesetzt, obwohl sie ihre Rolle ansatzweise mit Tiefe ausstattet. Für Bruno Ganz als Ex-Stasiagent hält das Drehbuch einige bissige Dialoge bereit, doch sein Part als versoffener Privatdetektiv, der erfolglos gegen die Schatten seiner Vergangenheit ankämpft, wirkt zu stereotyp, als dass sich der Schweizer Altstar gegen die Plotklischees behaupten könnte. Übrig bleibt eine dynamische Autoverfolgungsjagd durch die Friedrichstraße und manche bedrohliche Situation für den Protagonisten auf der Kippe ins Jenseits, aber letztlich bieten die Plottwists nichts, was man nicht schon bestens aus früheren Varianten der Ausgangssituation kennt.
      • | FAZIT

      • Wie Liam Neeson seiner Identität durch ein feindliches Berlin hinterher hetzt, so laufen die Macher dieses routinierten Actionthrillers den großen Vorbildern hinterher.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 7.2/10 (16 votes)

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