Komödie,
Romanze
| Deutschland / Großbritannien / Österreich 2011
| INHALTSANGABE
Kims Kindheit war klasse, oder besser gesagt: ihre Wunderkindheit. Sie galt als eines der größten Skateboarding-Talente Englands, zierte die Titelblätter diverser Szene-Magazine und gewann nationale Meisterschaften. Doch der Tod ihrer Mutter änderte alles: ausgerechnet auf der fröhlichen Heimfahrt von einem dieser Events kam es zu einem schweren Autounfall. Seitdem stand Kim (Felicity Jones) nie wieder auf einem Board.
Jahre später jobbt die junge Frau in einem schlecht besuchten Fastfood-Laden und verdient gerade genug, um sich und ihren arbeitslosen Vater zu finanzieren. Über eine Arbeitsvermittlung bewirbt Kim sich um eine Stelle als „Chalet Girl“: als Haushälterin soll sie sich für vier Monate um das luxuriöse Feriendomizil der Unternehmerfamilie Madsen im österreichischen Nobelskiort St. Anton kümmern – und um die Familie selbst, wenn sie mal wieder zu einem Wochenendtrip einfliegt. Auch wenn Kim angesichts der anderen Bewerberinnen sofort merkt, dass sie gar nicht zum Klientel der Arbeitsvermittlung passen will, bekommt sie den Job.
In Österreich angekommen, fühlt Kim sich, als wäre sie auf einem anderen Stern gelandet. Oder – wie sie es selbst auf einer vornehmen Dinnerparty ihrer Dienstherren formuliert – in einem Paralleluniversum, in dem die Leute alle zehn Minuten Champagner im Gegenwert ihres Monatsgehalts trinken. Auch mit ihrer Kollegin Georgie (Tamsin Egerton) kommt Kim anfangs nicht gerade gut klar, die Blondine fühlt sich pudelwohl im Dunstkreis der High Society und verhält sich Kim gegenüber furchtbar herablassend.
Als Kim schon darüber nachdenkt, den Job wieder aufzugeben, trifft sie Mikki (Ken Duken), einen finnischen Snowboarder, der sich in St. Anton auf einen Wettkampf vorbereitet. Er überredet Kim, selbst einmal aufs Board zu steigen, und mehr: weil er sie für ausgesprochen talentiert hält, soll sie gleich an dem anstehenden Wettbewerb teilnehmen. Nach kurzem Zögern ist Kims Ehrgeiz geweckt, und bald gibt es noch einen weiteren Grund für sie, Österreich doch noch nicht den Rücken zu kehren: sie lernt Jonny Madsen (Ed Westwick) kennen, den Sohn aus gutem Hause. Zwischen den beiden funkt es sofort.
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| FILMKRITIK
„Powder Girl“ ist eine britisch-österreichische Koproduktion – beste Voraussetzungen also für eine gute Komödie. Der Humor ist zwar nicht so schwarz, wie man es angesichts zahlreicher Filme aus diesen beiden Ländern erwarten könnte, aber oft genug kann vor allem Kim sich einen sarkastischen Kommentar oder eine spitze Bemerkung nicht verkneifen. Der neue Streifen von Regisseur Phil Traill glänzt mit gut geschriebenen, witzigen Dialogen und markanten Charakteren. Es macht sehr viel Spaß, diese Figuren kennenzulernen, die stets mehr sind als stereotype Abziehbilder.
Bestes Beispiel dafür ist Bill Nighy als schwerreicher Unternehmer Richard Madsen. Der ist entgegen alle Erwartungen ein richtig netter Kerl, und wenn er immer wieder den Namen seiner neuen Bediensteten vergisst, liegt das nicht an einer snobistischen Arroganz, die viele Filmemacher so einer Figur zuschreiben würden, sondern an seiner sehr sympathischen Schusseligkeit.
Auch die Hauptdarstellerin kann punkten: Felicity Jones verleiht Kim mit ihrem ausdrucksstarken Gesicht und einer guten Stimme Persönlichkeit, und an ihrer Seite hat Ken Duken als Mikki immer einen lässigen Spruch auf den Lippen. In nicht ganz perfektem Englisch erklärt er Kim beispielsweise, dass Snow- und Skateboarden sehr ähnlich sind – „same same, but different.“ Und als er sich bei einem schweren Sturz am Arm verletzt, hören wir einen glücklich wirkenden Mikki mit breitem Grinsen verkünden: „Morphine rules!“ Auf der entgegengesetzten Seite des Sympathiespektrums steht der österreichische Schauspieler Gregor Bloeb, Bruder von „Kommissar Rex“-Herrchen Tobias Moretti, der den privaten Skilehrer der Familie Madsen wunderbar widerwärtig spielt.
Die Figuren und Figurenkonstellationen sorgen dafür, dass „Powder Girl“ mehr ist als die Geschichte vom bettelarmen Mädchen, das sich in den schönen Prinz verliebt. Sie machen den Film zu einer leichten – aber keineswegs seichten – Komödie, unbeschwert selbst in Augenblicken, die zu Pathos verleiten könnten. Das Verhältnis zwischen Kim und ihrem Vater (Bill Bailey) etwa könnte so viel tragischer inszeniert sein, ein arbeitsloser Witwer, der seine Tochter an die High Society verliert – stattdessen gehen die beiden liebevoll und freundschaftlich miteinander und sehr selbstbewusst mit der Situattion um.
Der einzige Vorwurf, den man dem Film vielleicht machen könnte, sind ein paar Längen zum Ende hin. Als Zuschauer will man wissen, wie sich die Geschichte zwischen Kim und ihrem Dad weiterentwickelt, ob sie ihren Prinzen bekommt und ob – oder wohl besser: wie – sie den Snowboard-Wettbewerb gewinnt. Bis es soweit ist, präsentiert uns „Powder Girl“ aber dann doch nochmal eine Szene, in der Kim mit ihren neuen Freunden Party feiert, und noch eine Zeitraffer-Sequenz, die Kim beim Snowboarden zeigt.
Immerhin kommt dabei die wunderschöne Landschaft der österreichischen Alpen zur Geltung, und auch die Musik passt – wobei ein bisschen mehr Punk Rock dem Soundtrack gut getan hätte. Wie überhaupt dem ganzen Film. Nur ein bisschen...
| FAZIT
Überraschend unterhaltsame Komödie mit witzigen Dialogen und gut gezeichneten Charakteren.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung