Montag | 28. Mai 2012 | 10:54 Uhr
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  • FILM REVIEW | Alles, was wir geben mussten
  • Alles, was wir geben mussten

    Drama | Großbritannien / USA 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Kathy, Ruth und Tommy wachsen in dem englischen Internat Hailsham auf. Dort haben die Schüler keinen Kontakt zur Außenwelt. Eine mitleidige Lehrerin klärt sie schließlich über ihr Schicksal auf: Sie sind menschliche Klone, die zum Zweck der Organspenden geschaffen wurden. Sie werden zwei, drei oder vier Organe spenden, bevor sie 40 Jahre alt sind, und dann sterben. Kathy, Ruth und Tommy haben im Moment jedoch andere Sorgen: Tommy wird gehänselt, Kathy freundet sich mit ihm an und Ruth macht aus Eifersucht Tommy plötzlich schöne Augen.

    Als junge Erwachsene verlassen die Schüler das Internat und leben in einem abgelegenen Dorf, wo sie auf ihre erste Spende warten oder sich als Betreuer für die Organspender bewerben können. Tommy und Ruth sind jetzt ein Paar, und Kathy, die wirklich in Tommy verliebt ist, leidet schrecklich. Sie hören das Gerücht, dass ein Liebespaar einen Aufschub von drei Jahren beantragen kann, um vor den Organspenden noch ein wenig Zeit für das gemeinsame Glück zu haben. Es müsse aber beweisen können, dass die Liebe echt sei. Kathy verlässt das Dorf, um als Betreuerin zu arbeiten. Jahre später treffen sich die Freunde wieder.
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      • | FILMKRITIK

      • Das britisch-amerikanische Drama „Alles, was wir geben mussten“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des in London lebenden Schriftstellers Kazuo Ishiguro. Obwohl die Handlung in der jüngsten Vergangenheit spielt, ist sie in einer Art Science-Fiction-Welt angesiedelt, in der die Menschheit Klone züchtet, die ihr als Organspender dienen. Auf dem englischen Internat Hailsham wachsen solche Klonwesen auf, scheinbar wie ganz normale Menschen, die Sport treiben, von der Zukunft träumen, mit Freunden tuscheln. Aber sie dürfen niemals über den Zaun des Internats steigen, sie müssen Gesundheitspräparate einnehmen und ihre Anwesenheit wird mit einem Scanner kontrolliert.

        In dieser scheinbar so behüteten Welt gibt es im wesentlichen nur zwei Irritationen. Die erste besteht darin, dass Tommy, der Außenseiter, ziemlich leidet, ohne wirklich zu wissen, ob es an ihm oder an seiner Umgebung liegt. Die andere Irritation kommt an die Schule in Gestalt der jungen Lehrerin Miss Lucy, gespielt von Sally Hawkins. Sie erkennt, dass diese jungen Menschen, die so hoffnungsfroh aufwachsen, ihre wahre Bestimmung nicht wirklich begreifen. Miss Lucy hält eine Rede, und wird von der Schulleiterin, deren Rolle Charlotte Rampling spielt, gekündigt.

        Ruth und Kathy sind beste Freundinnen, wobei Ruth immer ein wenig klüger und erfolgreicher sein muss. So kommt es, dass sie eines Tages einfach Tommys Hand nimmt und sich fortan als seine Freundin ausgibt. Noch als junge Frau auf dem Dorf wird Kathy nicht mehr wirklich an Tommy herankommen, obwohl sie ihn liebt. Carey Mulligan spielt die erwachsene Kathy mit viel Herz, Keira Knightley ist gut besetzt in der Rolle der ehrgeizigen Ruth und Andrew Garfield stellt Tommy als äußerst sensiblen jungen Mann dar. Dass die Geschichte weit Schlimmeres beinhaltet als die Eifersucht und Intrigen von Ruth, deutet Regisseur Mark Romanek sehr dezent an. Es ist über weite Strecken nur die Musik von Rachel Portman, die mit ihren schmerzlich-traurigen Klängen das dunkle Geheimnis transportiert.

        Romanek, der außer mit Musikvideos auch mit dem Psychothriller „One Hour Photo“ bekannt wurde, in dem Robin Williams einen einsamen Stalker spielt, tut der Geschichte keinen Gefallen mit der zurückhaltenden Art, wie er die Situation erklärt oder vielmehr nur mit wenigen Strichen skizziert. Vielleicht liegt das auch am Drehbuch von Alex Garland, die Romanvorlage jedenfalls erhielt literarische Anerkennung. In diesem Film bleiben die offenen Fragen unangenehm irritierend. Man versteht nicht so recht, warum die Charaktere überhaupt in dieser Lage stecken und nicht entkommen können.

        Interessanterweise thematisiert ein weiterer aktueller Film, „Womb“ von Benedek Fliegauf, die Ausbeutung und Diskriminierung von geklonten Menschen durch andere, und auch er kleidet die albtraumhafte Problematik, dass technische Möglichkeiten auch Begehrlichkeiten wecken, die ethisch-moralisch gravierende Folgen haben könnten, in eine tieftraurige Endzeitatmosphäre. Ruth, Tommy und Kathy sind Menschen, die als junge Erwachsene zum ersten Mal in einem Café sitzen und hilflos-beschämt auf die Karte starren, weil sie inständig hoffen, sich nicht durch ihre Unwissenheit zu verraten und doch nur als Zaungäste des Lebens dazustehen.
      • | FAZIT

      • Das romantische Drama über geklonte Organspender hat gute Schauspieler, aber auch eine etwas rätselhafte und zurückhaltende Inszenierung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 4.5/10 (6 votes)

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