Ein neuer Sheriff ist in der Stadt, und mit dem ist nicht gut Kirschen essen. Sieben Outlaws will Rango (Johnny Depp) mit nur einer einzigen Kugel aus seinem Colt zur Strecke gebracht haben, und wie die Echse mit einem gefährlichen Raubvogel umgesprungen ist, konnten die tierischen Bewohner des heruntergekommenen Westernstädtchens Dirt gerade mit eigenen Augen sehen.
In Wahrheit... aber nun ja, wer wird es denn mit der Wahrheit so genau nehmen. Denn eigentlich ist die prahlerische, durchaus wortgewandte Echse ein Haustier, das rein zufällig und äußerst unfreiwillig in der Mojave-Wüste gestrandet ist. Eben noch hatte Rango in seinem Terrarium eines seiner Stücke geprobt, mit ihm selbst in der Hauptrolle und allen seinen Freunden – ein einarmiger Barbiepuppentorso, eine Plastikpalme und ein aufziehbarer Fisch aus dem selben Material – in den Nebenrollen. Jetzt muss er sich auf einer neuen Bühne zurechtfinden, einer unerbittlich heißen, trockenen, durch und durch lebensfeindlichen. Und weil dieses gottverlassene Kaff, in dem er gelandet ist, ganz offensichtlich das ein oder andere Problem hat, was läge da näher, als sich selbst als den großen Helden zu inszenieren, der er schon immer sein wollte?
Dumm nur, dass die Probleme, mit denen die Bewohner von Dirt zu kämpfen haben, ganz real sind: eine schlimme Dürre plagt die Stadt, in der Wüste verschwindet auf unerklärliche Weise Wasser, und dann ist da noch Klapperschlangen-Jake (Bill Nighy), der fieseste, gemeinste, bösartigste Schurke, den man sich vorstellen kann. Nichts, womit eine Echse vom Schlag eines Rango nicht fertig werden würde – oder?
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| FILMKRITIK
Johnny Depp ist Rango – und Rango ist Johnny Depp. Allein das ist Grund genug, sich den neuen Film von Gore Verbinski anzuschauen. In seinem ersten Animationsfilm überhaupt lässt der „Fluch der Karibik“-Regisseur seinem Lieblingsschauspieler jede Menge Freiraum, den Johnny Depp gekonnt nutzt, um der Hauptfigur seinen unverwechselbaren Stempel aufzudrücken. Diese Echse ist saukomisch! Es ist herrlich mitanzusehen, wie Rango sich nervös plappernd aus einer brenzligen Situation herauszureden versucht und dabei nur immer weiter in seinem Lügengestrick verheddert. Wie er sich als Held geriert, immer knapp davor, durch einen unsicheren Blick oder eine unbeholfene Geste entlarvt zu werden. Und wie er schließlich in Momenten, in denen er sich von seinem Publikum unbeobachtet weiß, dann doch die Fasson verliert und die Panik von ihm Besitz ergreift.
Um das Maximum an Emotionen aus seinen animierten Figuren herauszukitzeln, ging Verbinski einen unüblichen Weg bei der Produktion des Films. „Da wir keine Ahnung von den traditionellen Gesetzen der Animation hatten, mussten wir uns auch nicht daran halten“, erklärt Drehbuchautor John Logan. Also beschlossen die Macher, alle gängigen Regeln für Darsteller in einem Animationsfilm über den Haufen zu werfen. Sie versammelten ihr Ensemble aus hochkarätigen Schauspielern – darunter neben Johnny Depp und Bill Nighy auch Isla Fisher (als Beans), Alfred Molina (als Roadkill), Ray Winstone (als Bad Bill) oder „Little Miss Sunshine“ Abigail Breslin (als Priscilla) – an einem ganz realen Set und drehten „Rango“ zunächst als Live-Action-Film, mit Requisiten, Kostümen und allem, was dazugehört. Statt Motion Capture entwickelten sich die 24-tägigen Dreharbeiten zu einem Prozess, den Verbinski kurzerhand „Emotion Capture“ nannte.
Das so entstandene Material diente als Vorlage für die Tricktechniker von ILM, die die Welt von „Rango“ auf dem Computer entwarfen. Eine Welt, wie man sie aus zahlreichen Western kennt, gespickt mit den obligatorischen Motiven: die dreckige Frontier-Stadt, der Ritt in den Sonnenuntergang, die weite Prärie – zahlreiche Bilder aus „Rango“ könnten auf den ersten Blick aus einem John-Ford-Film stammen. Auf den zweiten Blick ist die Westernstadt dann allerdings mit sprechenden Tieren in Cowboykostümen bevölkert, und statt auf Pferden findet der Ausritt auf Federvieh statt.
Auch der Plot des Films ist eigentlich ein typischer Western-Plot: da gibt es die Szene, in der ein Fremder den Saloon betritt und plötzlich Totenstille herrscht, da werden wir Zeugen eines Banküberfalls, und selbstverständlich kommt es pünktlich um zwölf Uhr mittags zum Duell. Weniger typisch ist dagegen, dass der tollpatschige Sheriff den Bankräubern auch noch eine Bergbaulizenz ausstellt, als er sie auf frischer Tat ertappt, oder dass dem einen Duellanten der Pistolengürtel von den viel zu schmalen Hüften rutscht.
„Rango“ überzeugt aber nicht nur durch Slapstick und Situationskomik. Ganz subtil schleichen sich auch immer wieder nachdenkliche Momente ein, und die animierten Protagonisten legen zutiefst menschliche Züge an den Tag – ein Verdienst der hervorragenden Tricktechnik ebenso wie der guten schauspielerischen Leistungen, die unter den Texturen erkennbar bleiben. Genau diese Mischung dürfte den Film interessant für ein breites Publikum machen.
| FAZIT
Hervorragende Animationen, gute Schauspieler, die mehr sind als bloße Sprecher, und ein Western-Plot, der sich gekonnt zwischen Hommage und Persiflage bewegt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung