Obwohl mich der Trailer mal so überhaupt nicht angesprochen hatte, mußte ich mir nach "My Life Without Me" einfach trotzdem die zweite Zusammenarbeit zwischen Regisseurin Isabel Coixet und der kanadischen Schauspielerin Sarah Polley ansehen - und nach etwa 20 Minuten war ich ebenso tief drin in diesem zwar recht schlichten und unaufwändig produzierten, dafür aber auch sehr dicht-intensiven und vollkommen großartig gespielten Film. Hier stehen in der Tat die Worte im Vordergrund - Worte, die erst nach und nach langsam aus der Hauptfigur Hanna herauskommen, welche sich zunächst sehr distanziert und einsilbig verhält und grundsätzlich am liebsten in Ruhe gelassen werden möchte. Das sich dennoch langsam entwickelnde Näherkommen zwischen Sarah Polley und Tim Robbins weiß emotional mitzureißen und auch sämtliche Nebenfiguren sind einfach nur hervorragend und detaillreich gezeichnet. Ein wahrhaft wunderbarer kleiner Film, den ich nur jedem ans Herz legen kann!
Er (Tim Robbins) wurde schwer verletzt, als er in einem heldenhaften Einsatz einen Kollegen zu retten versuchte. Sie (Sarah-Dontcomeknocking-Polley)pflegt ihn auf der Bohrinsel. Beide sind traumatisiert. Aber als sie ihm vom Drama ihres kurzen Lebens erzählt, kann er sie nur –trotz seiner Brandwunden- stumm in den Arm nehmen. Es passierte im schon vergessenen Serbienkrieg. Gut, dass man davon keine Bilder sehen muss. Sarahs Schilderung von Qualen und Massenvergewaltigungen gehen auch so unter die Haut. Der Schlüssel liegt in den Worten von Julie Christie: “Die Scham, die diejenigen empfinden, denen es gelungen ist zu überleben, ist größer als der Schmerz und kann ein Leben lang andauern:“ Der Schlussdialog zwischen Tim und Sarah greift bildhaft eine frühere Aussage auf und ist wohl die ungewöhnlichste Liebeserklärung, die man sich vorstellen kann. Und so gibt es auch ein herbes, eher emotionsloses Happyend, das dem erlebten Geschehen angepasst ist, und uns stumm aber beeindruckt zurücklässt.