Montag | 28. Mai 2012 | 15:57 Uhr
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  • FILM REVIEW | Winter´s Bone
  • Winter´s Bone

    Drama | USA 2010
  • | INHALTSANGABE

  • In den Wäldern von Ozark muss die 17-jährige Ree Dolly (Jennifer Lawrence) ihren zwölfjährigen Bruder Sonny (Isaiah Stone) und die sechsjährige Schwester Ashlee (Ashlee Thompson) allein aufziehen, da mit ihrer psychisch kranken Mutter nicht mehr zu rechnen ist und der auf Kaution frei gelassene Vater Jessup spurlos verschwand. Eines Morgens kündigt Sheriff Baskin (Garret Dillahunt) an, dass ihr verpfändetes Heim verkauft werden müsste, wenn Jessup nicht innerhalb von sieben Tagen auftaucht. Um nicht die komplette Lebensbasis zu verlieren, setzt die resolute Ree alles daran, das verschollene Familienoberhaupt wieder aufzutreiben. Doch ihre weit verzweigte Sippschaft, die den Lebensunterhalt mit kriminellen Machenschaften bestreitet, zeigt kein Interesse an der Aufdeckung der Wahrheit. Nicht nur gegen den weit verbreiteten Schweigekodex, sondern zunehmend auch gegen die Bedrohung des eigenen Lebens muss sich der Teenager bald behaupten.
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      • | FILMKRITIK

      • Zu selten gelangen US-Independentfilme bei uns noch ins Kino, doch angesichts zahlreicher Auszeichnungen, wie dem großen Jury-Preis des Sundance-Festivals, und vier Oscar-Nominierungen entschied sich die Schweizer DVD-Firma Ascot/Elite für eine Kinoauswertung von Debra Graniks zweiter Regiearbeit. Derzeit zählt die Adaption von Daniel Woodrells Roman „Winters Knochen“ zu den bemerkenswertesten Charakterstudien unseres Filmangebots. Ihre Stärke verdankt die Literaturverfilmung neben der stilsicheren, unaufdringlichen Inszenierung, die ein illusionsloses Bild der verschworen-kriminellen Bevölkerung aus den Ozark Mountains zeichnet, noch der eindringlichen Darstellerleistung der jungen Jennifer Lawrence. Als bedrängte, hartnäckige Protagonistin, die sich in der ungewöhnlichen Rolle des Familienoberhaupts wiederfindet, schwankt sie zwischen kindlicher Neugier und dem Durchsetzungsvermögen einer energischen jungen Frau.

        Angesichts der Bürde auf den Schultern des pubertierenden Mädchens bleibt für ausgelassene Teenageraktivitäten kaum Zeit. Lediglich in einer Szene vergnügt sich Ree im Zimmer ihrer etwa gleichaltrigen Cousine Megan (Casey MacLarem), die sie später bei den Recherchen nach dem verschollenen Vater begleiten wird. Stärker muss sich Ree mit ausufernden Konflikten wie der drohenden Pfändung des Familienheims, der Erziehung ihrer jüngeren Geschwister, dem ökologischen Druck oder dem eigenen Werdegang herum schlagen. Einen Ausweg sieht sie in einer möglichen Army-Rekrutierung, zumal dies mit einer hohen Prämie verbunden wäre, doch schließlich muss Ree einsehen, dass sie ihre Familie in dieser Situation nicht allein lassen kann.

        Bei der Zeichnung von Rees Drogen produzierender Sippschaft und den zunehmenden Gefahren während der Nachforschungen zum Verbleib des Vaters verzichtet Granik weitgehend auf Klischees und setzt auf amibivalent gezeichnete Charaktere. Während ihr süchtiger, krimineller Onkel Teardrop zunächst stark feindselig reagiert, schlägt er sich angesichts von Rees Hartnäckigkeit irgendwann doch auf die Seite seiner Enkelin. Letztlich sind es jedoch die nicht weniger bedrohlichen Frauen des Klans, welche die Sache in ihre Hand nehmen. Selbst im finsteren südlichen Missouri bestimmen sie zunehmend die Marschrichtung, wobei von weiblicher Solidarität kaum die Rede sein kann.

        Bei den Ermittlungen erinnert Ree an einen Detektiv, der Bruchstücke an Indizien zusammen trägt, von einem Hinweis zur nächsten Spur gelangt und sich weder von physischen noch psychischen Risiken abschrecken lässt. Allmählich entwickelt Graniks ruhige Inszenierung eine soghafte Wirkung, was ebenfalls auf die realistische Zeichnung der desolaten Atmosphäre und die glaubwürdigen Darsteller zurück zu führen ist. Hierbei spiegelt sich die dunkle Stimmung der Einöde in den Seelen der Charaktere wieder. Außer Sheryl Lee ("Twin Peaks") als Jessups Ex-Freundin und Garret Dillahunt ("Terminator"-Serie) als Ordnungshüter setzt Granik auf unbekannte Akteure, was der Authentizität zugute kommt. Bei der Oscar-Vergabe unterlag die talentierte Jennifer Lawrence zwar Natalie Portman, doch sicherlich wird von ihr noch zu hören sein.
      • | FAZIT

      • Dicht entwickelte, glaubwürdige Charakterstudie eines energischen Mädchens auf Wahrheitssuche, angereichert mit Thriller-Elementen.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 7.5/10 (11 votes)

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