Sofia Schleier wird von Berlin nach Wuppertal gerufen, zu ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter. Das Seniorenheim, in dem Marga Baumanis wohnte, will sie nicht mehr beherbergen. Sofia, die kein gutes Verhältnis zur Mutter hat, fährt nur widerwillig hin. Doch obwohl Marga Baumanis ihre Tochter gar nicht erkennt, nimmt Sofia sie zu sich nach Berlin. Marga lebt in Erinnerungen, die nach Lettland in den 1930er und 1940er Jahren führen. Nach und nach erkennt Sofia, dass die Mutter ein bitteres Geheimnis herumschleppt, welches mit ihrem verstorbenen Vater zu tun hat. Also fährt sie mit Marga nach Lettland, wo gerade die baltische Revolution des Jahres 1991 stattfindet.
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| FILMKRITIK
Ein großes Liebesdrama vor dem Hintergrund der bewegten Geschichte Lettlands hat Regisseur Hans Steinbichler inszeniert, welches bereits mit dem Bayerischen Filmpreis für die beste Produktion 2010 ausgezeichnet wurde. Die Geschichte von Marga Baumanis wird abwechselnd in den dreißiger bis vierziger Jahren in Lettland und dann wieder Anfang der neunziger Jahre erzählt. Hannelore Elsner spielt die an Alzheimer erkrankte Seniorin, die Marga, die sie in ihren Erinnerungen fünfzig Jahre früher ist, wird von Karoline Herfurth dargestellt.
Das Drehbuch von Josephin und Robert Thayenthal entführt in nostalgischen Retrospektiven in eine Sommervilla im lettischen Ostseeort Jürmala mit Blick aufs Meer und einem parkähnlichen Garten. Dort läuft die junge Marga barfuß an den Strand, gefolgt von ihrer großen Liebe Juris, den Niklas Kohrt darstellt. Das Paar heiratet bald stilvoll und schwebt in einem Heißluftballon davon, aber Juris hat nur Blicke für eine junge Frau unter den zuschauenden Hochzeitsgästen. Mit dieser Iewa betrügt Juris seine Frau, die er schließlich verlässt. Aber Marga kann sich innerlich nicht von ihm lösen und bleibt in seiner Nähe.
Fünfzig Jahre später findet die von Juliane Köhler gespielte Sofia ihre demente Mutter in einem sehr aufgewühlten Gemütszustand vor. Wie die Tochter scharfsichtig erkennt, plagt sich Marga innerlich mit den Erlebnissen aus jener Vergangenheit. Sie sagt allerdings immer nur kurze Sätze, in denen es meistens um Juris geht, und wenn Sofia nachfragt, antwortet Marga ausweichend, verwirrt mit einem Sprichwort oder einem Liedtext. Karoline Herfurth bezaubert als unsterblich verliebte junge Marga und verleiht ihrer Darstellung die gewohnte starke Präsenz, Hannelore Elsner spielt Marga als entrückte, in einer anderen, viel wichtigeren Welt lebende Person.
Die Männerrollen für Matthias Brandt, David Kross oder Rüdiger Vogler bleiben eher Beiwerk. Die Inszenierung legt wenig Wert auf einen glaubhaften Umgang der Figuren miteinander. Aus der kalt-abweisenden Sofia wird auf einmal die mitfühlende Begleiterin der Mutter, mit der sie zum Schlittschuhlaufen geht und nach Riga zur Zeit der Revolution fährt, als würde man solche Dinge mit Alzheimerkranken ohne weiteres tun.
Von der Geschichte Lettlands, das während des Zweiten Weltkriegs mal von Russen, mal von Deutschen okkupiert war, bekommt man nicht viel mit. Aber die Straßenszenen aus dem Riga des Unabhängigkeitsjahres 1991 wurden mit Hilfe lettischer Komparsen wirklichkeitsnah nachgestellt. Das Liebesdrama spielt jedoch weitgehend in einem poetisch abgeschlossenen Kosmos, für den Kamerafrau Bella Halben in Heiligendamm, wo die Szenen aus Jürmala gedreht wurden, wunderschöne Bilder findet. Auch die Interieurs sind geschmackvoll arrangiert. In ihrem beeindruckenden Wechselspiel schaffen es Herfurth und Elsner am Ende doch noch, Margas innere Schönheit aus dem Kerker ihres einsamen Leids herauszuholen und die Fäden der allzu ehrgeizigen Geschichte zusammenzuführen.
| FAZIT
Eine Deutsche fährt mit ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter nach Lettland, um ein altes Familiengeheimnis zu lüften: Hannelore Elsner und Karoline Herfurth verleihen diesem überambitionierten Drama von Hans Steinbichler Glanz.
| BEWERTUNG
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