Montag | 28. Mai 2012 | 16:04 Uhr
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  • FILM REVIEW | In einer besseren Welt
  • In einer besseren Welt

    Drama | Dänemark 2010
  • | INHALTSANGABE

  • In einem afrikanischen Flüchtlingslager sieht sich der schwedische Arzt Anton (Mikael Persbrandt) mit dem Wüten eines brutalen Warlords konfrontiert. Aus Wettlust und reinem Sadismus verstümmelt „Big Man“ regelmäßig schwangere Frauen, deren Leben der entsetzte Mediziner nicht immer mehr retten kann. Zuhause in Dänemark muss sein älterer Sohn Elias (Markus Rygaard) mit anderen Problemen kämpfen, denn der introvertierte Junge wird in der Schule häufig gehänselt. Den Druck gibt er später an den jüngeren Bruder und die Mutter (Trine Dyrholm) weiter. Erst Elias neuer Freund Christian (William Johnk Nielsen) greift bei einem besonders rabiaten Mobbingversuch helfend ein und greift verbotenerweise sogar zum Messer, um sich Respekt zu verschaffen.

    Mit aggressivem Verhalten versucht Christian, den Krebstod seiner Mutter zu bewältigen, für den er Vater Claus (Ulrich Thomsen) (mit)verantwortlich sieht. Als Elias Vater Anton, dessen Ehe längst auf der Kippe steht, zu Gast in Dänemark ist und von einem rüpelhaften Automechaniker (Kim Bodnia) vor den Jungen gedemütigt wird, richtet sich Christians Zorn zunehmend auf den bulligen Angreifer. Zurück in Afrika steht Anton erneut vor einer schweren Gewissensentscheidung, da ihn der verletzte „Big Man“ zur Behandlung einer Infektion zwingt.
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      • | FILMKRITIK

      • Wenn man die beiden Auslandsoscar-Nominierungen „Biutiful“ und „In einer besseren Welt“ nacheinander gesehen hat, meint man, alles Unglück dieser Erde zu kennen. Beide wirken wie Diskursanordnungen, wie eine Verknüpfung unterschiedlicher Problemstellungen, die nach der Bewältigung menschlichen Leids fragen. Im Vergleich wirkt Susanne Biers letztes Werk dabei überzeugender als ihr mexikanischer Kollege Alejandro Gonzáles Inárritu, der nicht ohne Längen und melodramatische Zuspitzungen auskommt, weshalb die dänische Regisseurin den Fremdsprachenoscar vielleicht eher verdient hat.

        Nach dem zu melodramatischen Hollywood-Zwischenspiel „Things we lost in the Fire“ kehrt Bier mit vertrautem Autor Anders Thomas Jensen zur bewährten Qualität zurück. Erneut versammeln sie die „Dogma“ geprüfte Stammriege aus schwedischen und dänischen Akteuren, um deren Charakteren zahlreiche dramatische Schicksalsschläge widerfahren zu lassen. Weitgehend verzichtet der talentierte Vielschreiber und Regisseur Jensen („Adams Äpfel“) auf seinen charakteristischen schwarzen Humor, um mit der wirkungsvollen Verknüpfung zweier Familienschicksale wichtige Grundsatzfragen nach Gewalt und Gegengewalt, Machtausübung, Rache und Vergebung zu stellen.

        Wie würde man selbst reagieren, wenn man Opfer oder Zeuge von Mobbing und Gewaltanwendung wäre? Wie antwortet man auf Beleidigungen und aggressives Verhalten? Würde man seine pazifistische Einstellung aufgeben, wenn man die Möglichkeit hätte, neue Verbrechen zu verhindern? Oder einen vertrauten Freund verraten, wenn man Kenntnis von dessen fatalen Plänen hätte? Stets muss man sich als Zuschauer mit der eigenen Reaktion auf die Leinwandgeschehnisse auseinander setzen. Bier und Jensen suchen keine einfachen Lösungen auf diese Fragen, wobei sie den fiktionalen Ereignissen wiederholt per Zufall nachhelfen und sie gleichzeitig zuspitzen.

        Mikael Persbrandt verkörpert einen friedliebenden Mediziner, der zuerst in einem afrikanischen Flüchtlingslager mit den Gräueln eines Bandenführers und zuhause im vermeintlichen Idyll neben seiner brüchigen Ehe mit gezielten Provokationen eines unangenehmen Zeitgenossen konfrontiert wird. Wenn Kim Bodnia („In China essen sie Hunde“) auftaucht, Dänemarks liebster Kinopsychopath, weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Einer anderen Herausforderung muss sich Ulrich Thomsen als reicher Witwer stellen, dessen verhärmter Sohn deutlich auf Distanz zu ihm geht und sich allmählich zur tickenden Zeitbombe entwickelt. Alle ungelösten Probleme kulminieren schließlich in weitaus größeren Konflikten. Stillschweigen führt letztlich zu nichts.

        An Bier/Jensens „Dogma“-Vergangenheit, die ihre vorletzte Zusammenarbeit „Brothers – Unter Brüdern“ noch stärker prägte, erinnert nur der gelegentliche Handkameraeinsatz. Ansonsten setzt die Regisseurin mit der Vorliebe für moralische Fragestellungen auf poetische Momentaufnahmen in Scopeformat als Kontrast zum harten Konfliktverlauf des Plots.
      • | FAZIT

      • Fesselnd inszenierte Parabel zur Gewaltspirale mit überzeugender Ensembleleistung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 7.1/10 (7 votes)

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