Der reiche Magnus (Timo Jacobs) und Kowalski (Denis Moschitto) aus der Unterschicht sind dank ihrer Fußball- und vor allem St.-Pauli-Leidenschaft dicke Freunde und werden dabei von Dokufilmer Arne (Fabian Busch) begleitet. Imbissbesitzer Baldu (Mario Adorf) bewirtet an seinem Büdchen die Pauli-Fans, wo neben dem Kiez-Klientel der Arzt Hennings (Claude-Oliver Rudolph), aber auch der gemeine Staatsanwalt Stiller (Dominique Horwitz), dem das Fussball-Treiben ein Dorn im Auge ist, Gast sind. Diverse Schlägereien mit (anderen) Hooligans und ein Feuerteufel spielen auch eine Rolle.
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| FILMKRITIK
Einen grobgemusterten erzählerischen Flickenteppich rund um Kiez, Krawall und den Kultverein St. Pauli hat Tarek Elail mit „Gegengerade“ gehäkelt, Kalauer und Schmuddelhumor plus dicke Klischees inklusive. Von Handlung mag man da gar nicht mehr sprechen, und eigentlich geht es dem Film, wie auch seiner eindrucksvollen Darstellerriege um das große diffuse Irgendwas dieses freilich mit Schmackes, Verve und (pardon!) dicken Eiern gefilmten Kolportage-Zettelkasten – nicht um die, nicht um eine (oder mehrere) Stories, sondern das Zelebrieren eines zusammenbaldowerten Kiez oder eher Kiezgefühls, bei dem die Begeisterung für den 1. FC St. Pauli alles ist und alles zusammenhält. Leider nutzt sich diese Beschwören des pathetischen Wir-Gefühls und die Verehrung des Fußballclubs, der als Symbol für Klassenlosigkeit, Projekt der Leidenschaft und Objekt des Lebenssinnes zu Schanden beschworen wird, schnell und zutiefst ab.
Auch den feinen Akteuren wie Mario Adorf, Claude-Oliver Rudolph, Dominique Horwitz, Fabian Bush, Denis Moschitto oder, in Klein- und Kleinstauftritten Moritz Bleibtreu und Wotan Wilke Möhring nebst Katy Karrenbauer bleibt wenig mehr übrig, als neben enervierendem Yeah!-Alter!-Cool!-Geil!-Bier-AufdieFresse-Kicker-Overkill nur ein verlorenes Ad-hoc-Stereotypen- und Possenspiel aufzuführen – was sie freilich gut aufgelegt und mit frohem Sinn an der Sinnlosigkeit absolvieren, wie Kinder, die, allein gelassen, jetzt mal einfach nur ganz viel Quatsch machen dürfen.
Ohne tatsächliche Fußball-Szenen als konstruierte Drumrum-Melange aus linken Fanschlägern, die sich gern und ausgiebig mit „Rechten“ prügeln, penetrantem Machismo, aufgesetzter Sentimentalitäten und Themeneinsprengseln wie Gentrifizierung: Echte St. Pauli Fans dürften mit „Gegengerade“ wenig Freude haben oder zumindest wenig St. Pauli oder noch weniger: glaubwürdigen Flair rund um den FC wiederfinden. Derweil „Nichteingeweihte“ schnell gar nichts mit der herumgewitternden Bilderrevue anzufangen wissen dürften – außer sie als überlagen Videoclip zu nehmen.
Wenn dann schließlich „Gegengerade“ in einer heillos – immerhin famos überzogenen, fast opernhaft inszenierten – Gewaltorgie endet, mit der sich der fiese kleine Staatsanwalt mit brutalstem Polizei-Terror (für den Hamburg ja so wahnsinnig bekannt ist) für … ja, irgendwas rächt, dann geht es nicht nur in Zeitlupe dem bös norddeutschelnden Mario Adorf ans Leder: Irgendwie ist plötzlich all das Dahinerzählte ohne Auflösung drangegeben. Was nicht so schlimm wäre – wenn bloß dieser unechte Selbstbespaßungsfilm mit seinem Imponiergehabe vorher ein klein wenig mehr Spaß gemacht und vielleicht die eine oder andere Figur ernst genommen hätte. Oder gleich völlig sich dem dumpfen Bilderrausch ergeben hätte, dem sich "Gegengerade" dann auch nicht zu ergeben traut.
| FAZIT
Wüste Kolportage, mit Wumms, großer Geste und tollen Darstellern, aber allzu krude, mit zu wenig Witz und Story und zu viel Selbstgefälligkeit – und auch an der aufgesetzten zelebrierenden St.-Pauli-(Club)-Authentizität ist zu (ver-)zweifeln
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung