Benno (Fabian Krüger)ist ein waschechter Unsympath und hält sich selbst für den Klügsten und Attraktivsten, der es nicht nötig hat, nett zu sein. Sandra (Irene Brügger), die direkt unter Bennos Wohnung ein Café betreibt, bekommt seine Unverschämtheiten am Stärksten zu spüren. Die junge Frau träumt von einer Karriere als Ein-Frau-Orchester, allerdings lässt Benno keine Gelegenheit aus, ihr absolute Talentfreiheit zu attestieren und beleidigt sie auch sonst, wo er kann.
Eines Morgens findet Benno Sand in seinem Bett und als auch bei der Arbeit im Briefmarkenantiquariat Sandhäufchen auftauchen, stellt er verdattert fest, dass ER selbst den Sand verliert! Wie kann das sein? Offenbar verschlimmert es sich, wenn er schläft oder die Unwahrheit spricht. Wenn er nicht vollständig versanden will, muss er dringend eine Lösung finden. Zu allem Übel träumt er jetzt auch noch jede Nacht von Sandra – ob ausgerechnet sie ihm helfen kann?
WERBUNG
| FILMKRITIK
Im Zeitalter von Special Effects und 3D kommt „Ein Sommersandtraum“ erfrischend anders daher. Keine ausgeflippten Kameramoves, keine Schnitttechnik, die schwindliger macht als jedes Musikvideo sondern einfach „nur“ eine bezaubernde Geschichte, die ganz von ihrer Handlung lebt und vor allem durch ihre Figuren und die Spielkunst ihrer Darsteller zu einem filmischen Genuss wird. Der Schweizer Regisseur Peter Luisi erzählt ein modernes Märchen und bleibt dabei bis zum Schluss konsequent: Als Benno zum Beispiel mit seiner Freundin telefoniert und ihr dabei das Blaue vom Himmel runterlügt und deshalb immer mehr Sand verliert, ist sein Arm irgendwann einfach weg – komplett (unblutig) abgerieselt – und das Handy fällt zu Boden.
Der Psychiater, den Benno aufsucht, hält die „Versandung“ für eine wunderschöne Metapher für das eigentliche Problem. Obwohl er damit innerhalb der Filmhandlung natürlich komplett falsch liegt, trifft er damit außerhalb den Nagel auf den Kopf: Sand zu verlieren steht hier als Metapher für unterschiedliche Dinge. Für die Zeit, die (in einer Sanduhr) davon rinnt, für die innere Leere, für Träume, Lügenkonstrukte, die wir erfinden und manchmal auch für das ganze Leben – eben für alles, was mitunter dummerweise nur auf Sand gebaut ist. Und – auch wenn es möglicherweise etwas weit hergeholt klingt – schön, dass die Person, von der sich Benno am Ende Rettung erhofft, mit dem Wort „Sand“ schon durch ihren Namen verbunden ist.
Exakt diese metaphorische Doppelbödigkeit verleiht „Ein Sommersandtraum“ die nötige Tiefe, um vor lauter Komik nicht belanglos zu sein. Denn komisch ist dieses Märchen auf jeden Fall, und zwar nicht nur, was den Grundplot betrifft. Die skurrilen Nebenfiguren, wie Bennos Chef und Arbeitskollege, beanspruchen die Lachmuskeln des Zuschauers genauso wie die grandiosen Wortgefechte zwischen Benno und Sandra. Und ja, zugegeben, das Schwyzerdütsch tut für jeden Nichtschweizer sein Übriges. Sandra wird übrigens gespielt von Irene Brügger. Deren Künstlername ist „Frölein Da Capo“ und sie hat tatsächlich in der Schweiz bereits eine Karriere als Sängerin und „Einfrauorchester“ gemacht. Sandras Gesangsdarbietungen sind also ein wahrer Ohrenschmaus. Auch Fabian Krüger überzeugt in der Rolle des snobistischen Dandys, der sein arrogantes unsoziales Verhalten offenbar grundlegend ändern muss, wenn er sich nicht vollständig in Sand auflösen will.
| FAZIT
Eine schweizer Komödie mit bitterbösen Wortgefechten, viel Gefühl und vor allem Verstand – trotz des absurden märchenhaften Grundplots. Ein Muss für jeden, der sich nicht scheut, im Kino laut aufzulachen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung