FILM REVIEW | Kusswechsel - Kein Vorspiel ohne Nachspiel
Kusswechsel - Kein Vorspiel ohne Nachspiel
Komödie
| Italien 2010
| INHALTSANGABE
Vier italienische Männer bemühen sich, das Beste aus ihrem Alltag herauszuholen, aber die Frauen haben immer andere Prioritäten. Annas fußballvernarrter und untreuer Ehemann Piero erleidet bei einem Unfall einen Gedächtnisverlust und sie macht ihm weis, dass er Fußball hasst, französische Literatur liebt und den ganzen Haushalt selbst erledigt. Der Chirurg Marcello wohnt längst nicht mehr bei seiner Frau Paola und den beiden Kindern. Da äußert die ahnungslose Mutter den Wunsch, ihre letzten Tage bei Marcello und seiner Familie zu verbringen.
Rocco und Michele kennen seit ihrer Jugend kein schöneres Hobby, als in einer Band zu spielen, die die Beatles imitiert. Michele verheimlicht diese Tatsache vor seiner Frau Diana, die dafür kein Verständnis hätte. Sie hält auch nichts von Rocco, aber der quartiert sich bei ihr und Michele ein, weil ihn seine Freundin Valentina vor die Tür gesetzt hat.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Was brauchen italienische Männer zum Glücklichsein? Kumpel, mit denen sie ein Hobby teilen, außerehelichen Sex, eine Frau, die gut kocht, eine Mutter, die nicht klagt. Zumindest für Piero, Marcello, Rocco und Michele passt diese Aufzählung. Auch wenn der Tankstellenarbeiter, der Chirurg oder der Hausmeister nicht viel gemeinsam haben, in einem gleichen sich ihre Probleme: Es sind die Frauen an ihrer Seite, die so eifersüchtig und besitzergreifend auftreten, dass ohne Lügen nichts mehr geht. Die Komödie von Regisseur Fausto Brizzi serviert spritzige Dialoge und turbulente Verwicklungen rund um die prinzipielle Unverträglichkeit der Geschlechter.
Das Grundsatzthema wurde auch schon in Deutschland komödiantisch abgehandelt, zum Beispiel unter dem Titel „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Neue Enthüllungen zur Geschlechterdifferenz hat diese italienische Komödie nicht zu bieten, eher altbekannte Klischees. Brizzis erster Film zum Thema stammt aus dem vorigen Jahr und heißt „Maschi contro femmine“. Der Nachfolger „Femmine contro maschi“ dürfte auch in Deutschland ein Publikum finden. Denn die Dialoge sind temperamentvoll, sie schonen die Gefühle nicht und offenbaren Konflikte, die die Beteiligten ständig in Bewegung halten. Überall sind Anpassungen nötig, zumindest in Form von Lippenbekenntnissen, und wenn ein Anliegen nicht auf Verständnis stößt, so muss eben besser argumentiert werden.
Die episodischen Geschichten werden häppchenweise wie Sketche erzählt. Die Figuren sind sympathisch, weil sie sich selbst für unschuldig halten. Auch besitzen sie die Tollpatschigkeit, die ihren Handlungen die Schärfe nimmt. Es ist höchst vergnüglich, wenn zum Beispiel Rocco und Michele einem Schuljungen dabei helfen, einen Liebesbrief an ein Mädchen zu schreiben und ihm die eigene Verbitterung diktieren: „Ihr Mädchen versteht nichts von Fußball, Musik.“ Oder wenn Marcellos herzkranke Mutter sich darauf freut, die Urlaubsvideos der Familie aus Bora Bora und Ägypten zu sehen, und diese – noch - gar nicht existieren.
Der Unterhaltungsfaktor der verbalen Auseinandersetzungen trägt die Geschichte über einige Schwächen hinweg. Der mäandernde Erzählstil lässt keine Verwicklung aus und am Ende stellt sich heraus, dass eher der Weg das Ziel war. So ganz hat diese Komödie den Gedanken der Emanzipation allerdings nicht akzeptiert, denn sie zeigt mehr Verständnis für die Wünsche und Bedürfnisse der Männer als für die Spaßbremserinnen an ihrer Seite. Besonders ärgerlich wird das, wenn sogar Annas Freundinnen ihr Vorwürfe machen, dass sie ihren Piero nach dessen Gedächtnisverlust zu einem besseren Ehemann formt, anstatt den alten mit seinen Fehlern zurückhaben zu wollen.
| FAZIT
Dialoge voller Temperament sorgen in dieser Komödie über Geschlechterdifferenzen für Vergnügen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung