Rund zehn Jahre lang zählte der Brasilianer Ayrton Senna zur Weltspitze der Formel 1-Fahrer, seitdem er 1984 bei einem spektakulären Rennen um den Grand Prix von Monaco als Erster die Ziellinie überquerte, sein Sieg aber dem Zweitplatzierten Alain Prost zugesprochen wurde. Damit begann nicht nur Sennas Siegeszug im Rennsport, sondern auch sein langjähriger Zwist mit dem späteren McLarem-Teamkollegen Prost sowie der FIA-Leitung. Trotzdem gelang es dem beliebten, oft auf Risiko setzenden Rennprofi, dreimal den Weltmeistertitel zu gewinnen. Besonders in seiner Heimat Brasilien schwang sich der bescheidene, religiöse junge Mann zu absolutem Superstar-Status auf. Doch an einem schwarzen Wochenende der Renngeschichte verunglückte nicht nur der Österreicher Ronald Ratzenberger bereits im Qualifying, sondern auch Senna erlang bei einem Unfall seinen Verletzungen, nachdem er in einer Kurve die Kontrolle über seine Maschine verlor.
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| FILMKRITIK
Als einer der weltbesten Formel 1-Piloten bleibt der 1994 mit 34 Jahren verunglückte Brasilianer Ayrton Senna in Erinnerung, dem Regisseur Asif Kapadia ein durchaus kritisches Denkmal setzt. Dabei konnte er auf die Unterstützung von Sennas Familie bauen, die nicht nur ihr Einverständnis für die Recherche gab, sondern auch unbekannte Dokumentaraufnahmen wie grobkörnige Amateurbilder aus frühen Tagen beisteuerte. Von TV-Schnippelparaden mit eintönigen „Taking Heads“ vor zappelndem Background setzt sich der Brite ab, indem er nur durchaus erhellendes Archivmaterial verwendet, während Freunde, Rennexperten und Ayrtons Schwester aus dem Off erläuternde Informationen liefern. Zwar differiert die Qualität des verwendeten Footage mitunter deutlich, denn es kommen neben TV-Berichten sowohl Super 8- als auch YouTube-Szenen zum Einsatz. Damit erhält man allerdings interessante Einblicke in Fahrerbesprechungen, die ansonsten nie das Licht der Öffentlichkeit erblickten.
Schon allein die jahrelange Konkurrenzsituation zwischen dem jungen, aufstrebenden Star und seinem McLarem-Kollegen Alain Prost liefert dem Rückblick auf die Motorsportszene der Achtziger einen packenden Hintergrund. Dieser Konflikt schälte sich schon relativ bald heraus, nachdem der als „Professor“ oder „Techniker" der Rennstrecke verschrieene Prost und Draufgänger Senna, der gerade bei schlechter Witterung zu Höchstleistungen aufschwang, in verschiedenen Teams aufeinander trafen. Während beide als McLarem-Teammitglieder fuhren, verschärfte sich der Streit zwischen den eigensinnigen Rennstars. Es spricht allerdings für Prosts Professionalität, dass er nun als Co-Kommentator mitwirkt. Ein weiterer langjähriger Konflikt entfachte zwischen Senna und dem FIA-Leiter Jean-Marie Balestre, der mehrfach zweifelhafte Entscheidungen zugunsten seines Landsmannes Prost fällte und Senna 1989 den Weltmeistertitel aberkannte.
Somit entwickelt Asif Kapadia eine fesselnde Biografie, die in den Bann zu ziehen vermag, obwohl man den tragischen Ausgang längst kennt. Am dramaturgischen Aufbau zeichnet sich das Talent des Spielfilmregisseurs ab, wobei sein einziger, bei uns im Kino kurz gezeigter Film, der Mystery-Thriller „The Return“, dagegen konzeptionelle Schwächen aufwies. An Sennas Privatleben zeigt sich Kapadia wenig interessiert – amouröse Beziehungen werden nur beiläufig gestreift. Vielmehr versucht er anhand von Interviews und TV-Ausschnitten, etwa aus einer brasilianischen TV-Silvestershow, Einblicke in die menschliche Seite des aus wohlhabenden Verhältnissen stammenden jungen Mannes zu geben. Es kommt sowohl der selbstbewusste, ehrgeizige Champion als auch das karitativ wirkende Idol zum Vorschein, der sich letztlich nie unterkriegen ließ.
Einige atemberaubende Cockpit-Aufnahmen geben ein Gespür für den Geschwindigkeitsrausch und das notwendige Reaktionsvermögen des hartnäckigen Weltmeisters. Nebenbei glückt Kapadia ein erhellendes Zeitporträt der Formel 1-Ära zwischen Niki Lauda und Michael Schumacher, das sich weder an reiner Faktenreihung noch am bloßen Glamouraspekt verliert.
| FAZIT
Mitreißende Verbindung aus kritischem Starporträt und demaskierendem Einblick in den Formel 1-Rennzirkus.
| BEWERTUNG
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