Mike Flaherty hat in New Jersey ein Haus, eine Frau und zwei kleine Kinder. Er arbeitet als Anwalt, joggt morgens und trainiert in der Freizeit eine Wrestling-Mannschaft an der örtlichen Highschool. Aber seine Einkünfte sind in letzter Zeit nicht hoch genug, um den täglichen Finanzbedarf der Familie zu decken. Also wird Mike der gesetzliche Vormund seines betagten Klienten Leo Poplar, der Anzeichen von leichter Demenz hat. Damit sichert er sich ein monatliches Zusatzeinkommen und verspricht im Gegenzug vor Gericht, dafür zu sorgen, dass der alte Mann nicht ins Heim muss.
Aber Mike fährt Leo sofort in ein Heim. Wenig später trifft der Anwalt einen Jugendlichen vor der Tür von Leos Haus, der ihm sagt, er sei der Enkel aus Ohio und wolle fortan bei seinem Großvater wohnen. Mike nimmt den 16jährigen Kyle erst einmal zu sich nach Hause. Aber weil seine Mutter in einer Entzugsklinik ist, wird aus dem Besuch ein etwas längerer Aufenthalt. Zu Mikes Überraschung ist Kyle ein talentierter Wrestler, der das gesamte Schulteam aus der sportlichen Versenkung holt. Gerade als der Junge sich bei den Flahertys eingelebt hat, taucht seine Mutter auf und will Kyle und Leo mit nach Ohio nehmen.
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| FILMKRITIK
„Win Win“ von Regisseur Tom McCarthy ist ein Film, der etwas erzählen will und der nicht als kommerziell ausgerichtetes Produkt konzipiert wurde. Er ist eine Independent-Produktion wie schon McCarthys „The Visitor“ aus dem Jahr 2007, in dem ein einsamer Universitätsprofessor Freundschaft mit einem illegalen Immigranten und dessen Mutter schließt. Hier geht es in ähnlich unscheinbarem Realismus, aber auch mit humorvollen Tönen um einen durchschnittlichen Mann, der sich aus finanziellen Sorgen zu einer moralisch fragwürdigen Trickserei verleiten lässt. Doch erst als ein Jugendlicher in sein Leben tritt, geraten die Dinge für den Familienvater richtig in Bewegung.
Zunächst widmet sich die Geschichte dem normalen, eher etwas trüben Alltag von Mike. Er hat nicht genug Klienten, um fällige Reparaturen zuhause und im Büro zu bezahlen. Wenn er von der Arbeit heimkehrt, kümmert er sich um die verstopfte Toilette und andere Haushaltspflichten. Die Schülermannschaft im Wrestling, die er trainiert, ist eine Katastrophe, und auch Mike und sein Co-Trainer sind ziemliche Amateure, wenn auch engagierte. Beim morgendlichen Joggen mit seinem alten Freund Terry bekommt Mike einen Panikanfall mit Atemnot, wie öfters in letzter Zeit.
Paul Giamatti ist für die Rolle dieses unauffälligen, nicht gerade attraktiven Mannes eine ideale Besetzung. Aus seiner Mimik und seinen Gesten spricht Gutmütigkeit, Pflicht- , aber auch ein wenig Schuldbewusstsein nach dem Trick mit der Vormundschaft für Leo Poplar, von dem seine Frau Jackie nichts erfährt. Kyle, der schweigsame Junge mit den gefärbten Haaren, der zum Entsetzen von Jackie raucht, macht zunächst keinen besonders guten Eindruck auf die Flahertys. Aber so gerne sie ihren Gast wieder los wären, seine Mutter meldet sich nicht und Kyle will nicht zurück nach Ohio. In der patenten Jackie, gespielt von Amy Ryan, erwachen mütterliche Instinkte. Mike adoptiert ihn innerlich erst, als er ihn beim Training sieht. Es gehört zu den komischen Höhepunkten, wie Mike und seine Co-Trainer es jeweils kaum fassen können, dass Kyle seine Gegner im Ringen dermaßen schnell niederzwingt.
Für die Rolle des Kyle wählte McCarthy den echten Highschool-Wrestler Alex Shaffer, der hier sein Filmdebüt gibt. Dass Shaffer kein routinierter Schauspieler ist, passt zu seiner wortkargen, scheuen Figur. Das Leben mit dem Jugendlichen wird für die Flahertys zu einer interessanten Erfahrung, denn sie dürfen an Kyles vielversprechender Entwicklung teilhaben und müssen sich auch den Konflikten mit ihm stellen. Der Jugendliche bringt neuen Schwung in die Familie und profitiert selbst – eine Win-Win-Situation, wie sie der Titel verspricht.
Dieses dynamische Miteinander der Hauptfiguren anzuschauen, ist bewegend und ergreifend, gerade weil es so differenziert geschildert wird. Die Begegnung von Mike und Kyle erscheint als eine dieser wundersamen Fügungen, die das Leben plötzlich erfrischen und mit Glanz erfüllen können. Auch Nebenrollen wie die des Großvaters Leo, den der aus vielen Filmen bekannte Burt Young verkörpert, oder von Kyles neuem Freund Stemler, einer komischen Wrestling-Niete, die von David Thompson dargestellt wird, sind markant charakterisiert und gut gespielt.
| FAZIT
Beeindruckender, in seiner Realitätsnähe unscheinbar gestalteter Film über einen Jugendlichen, der frischen Wind in den Alltag eines Durchschnittsamerikaners bringt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung