Montag | 28. Mai 2012 | 16:16 Uhr
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  • FILM REVIEW | Hangover 2
  • Hangover 2

    Abenteuer, Komödie | USA 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Diesmal heiratet Stu. Und er will keinen Junggesellenabschied, zu traumatisch waren die Ereignisse in Vegas, die der erste „Hangover“-Film dokumentierte. Nein: einfach eine gesittete Feier – allerdings in Thailand, von da stammt seine Frau. Aber natürlich mit seinen Freunden, mit Doug – der im ersten Teil geheiratet hatte –, mit Phil und ja: auch mit dem durchgeknallten Alan. Kein Besäufnis diesmal, lautet Stus Devise – naja: ein kleines Bierchen am Strand vielleicht. Und das ist der Fehler.

    Denn es passiert wieder. Stu, Phil und Alan erwachen in einem schäbigen Hotelzimmer mitten in Bangkok, haben keine Ahnung, wie sie dahin gekommen sind, wo sie sind, wie sie zurückkommen, woher dieses Äffchen kommt – und vor allem: wo Teddy, der sechzehnjährige Bruder der Braut, ist, von dem sie nur einen abgeschnittenen Finger finden… Oh: Mr. Chow, der absolut irre internationale Gangster, ist auch da, mit einer Nase voll Kokain und einigen Geheimnissen. Die Freunde müssen unbedingt Teddy finden, dazu müssen sie die Ereignisse der vergangenen Nacht rekonstruieren. Was nicht einfach ist, und was Dinge ans Licht bringt, die jeder lieber im Dunkeln gelassen hätte…
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      • | FILMKRITIK

      • „Hangover 2“ spielt den erste Teil eins zu eins nach, diesmal nicht in Vegas, sondern in Bangkok, diesmal nicht anlässlich von Dougs, sondern von Stus Hochzeit; aber mit demselben Personal in derselben Situation mit denselben Problemen. Stu, der weiche, zurückhaltende Zahnarzt, bei dem im selbstverlorenen Rausch des Junggesellenabschieds die inneren Dämonen durchgehen; Alan, der kindliche, geistig arme Soziopath, der als einziger der Bande tatsächlich klinisch gesehen irre ist; Phil, der Macher, der nichts zustandebringt mit seinen verzweifelten Lösungsversuchen: diese drei ohne Gedächtnis in einer fremden Stadt, unter dem Zeitdruck der Hochzeit am nächsten Tag, unter dem Zwang, die eigene (Selbst)Zerstörungsorgie der vergangenen Nacht zu rekonstruieren. Ob sie dabei wider Willen ein Baby am Hals haben oder einen Affen bzw. einen alten Schweigemönch im Rollstuhl; ob Stu mit einer Zahnlücke oder mit einem Tattoo im Gesicht aufwacht; ob er eine Las-Vegas-Hure heiratet oder mit [SPOILER] [ZENSIERT] - das ist im Endeffekt egal, weil nur andere Variablenbezeichnungen in die Formel eingesetzt wurden, der Kurvenverlauf und das Ergebnis aber im ersten wie im zweiten Teil dieselben sind.

        Auch den Handlungsaufbau von „Hangover“ versucht Regisseur Todd Philips nachzuahmen, das langsame Anfangen und dann der Absprung, wenn nach dem Filmriss für die drei nichts mehr so ist wie es war… Nach 25 Minuten Vorspiel mit lustigen Einsprengseln stoßen die Freunde in „Hangover 2“ mit Bierflaschen an, das ist der Point of no return, da geht’s so richtig los – und doch, obwohl die Steigerung ganz ähnlich wie im ersten „Hangover“-Film ist, ist sie doch ganz anders, weil der Zuschauer darauf wartet, dass etwas passiert. Doch das Unerwartete ist erwartbar geworden, und unerwartet ist nur, dass „Hangover 2“ gegenüber dem ersten Teil fast schon zahm geworden ist.

        Denn der erste Teil ging noch viel mehr ins Wahnwitzige, ins Rigorose hinein – einmal, weil keine Erwartungen auf der Handlung, auf den Charakteren lagen und so das Überraschende den ahnungslosen Zuschauer aus dem Nichts erwischen konnte. Andererseits, weil „Hangover 2“ tatsächlich nicht so weit geht wie der Vorgänger, der sich in ungeahnte Höhen der Komik hinaufschraubte gerade wegen seiner immer wieder aufflammenden Drastik, die dann wieder abflaute, um später umso heftiger zu explodieren, wie im Wechsel zwischen Düsenantrieb und Segelflug. „Hangover 2“ dagegen hat den Höhenmesser stets im Blick, vermeidet jede Turbulenz, jedes Risiko eines Absturzes, fliegt die vorgegebenen Kurven: ein Abenteuer ist das nicht. Immer wieder wird in sicherem Terrain Halt gemacht: der Affe ist beispielsweise einer dieser Sicherheitsgurte, auf ihn wird immer wieder zurückgegriffen. Da liest er dann lustig Zeitung oder hat beim Motorradfahren ein lustiges Helmchen auf: Das ist die Trigema- oder „Unser Charly“-Taktik, aber halt doch was anderes als ein Tiger im Bad.

        Die langen Passagen des Schweigens beim grundsätzlich lachbereiten Publikum der Pressevorführung – beileibe nicht nur Kritiker, sondern auch als Coup des Verleihs „zivile“ Begleitpersonen – sind durchaus beredt. Und bezeichnend, dass ich erst am Ende, bei den Fotos während des Abspanns, die wie schon im ersten Teil das wirkliche Geschehen der grausigen Nacht vorführen, so richtig herzlich gelacht habe: Da erst fand ich den freien, ungebändigten Witz, der den gesamten ersten Teil geprägt hatte.
      • | FAZIT

      • The same procedure as two years ago – doch denselben Witz nochmal zu erzählen, ist nicht mehr lustig.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 6.6/10 (16 votes)

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