Montag | 28. Mai 2012 | 16:17 Uhr
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  • FILM REVIEW | Klitschko
  • Klitschko

    Sport, Biografie, Dokumentation | Deutschland 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Die Brüder Klitschko sind beide gleichzeitig Box-Weltmeister im Schwergewicht. Vitali, der am 19. Juli 2011 seinen 40. Geburtstag feiern wird, trägt derzeit den WM-Titel des Box-Verbandes WBC, sein 35-jähriger Bruder Wladimir ist zum Zeitpunkt des Kinostarts dieses Dokumentarfilms Weltmeister der Verbände WBO, IBF und IBO. „Klitschko“ blickt den ukrainischen Brüdern, die sich neben Kiew mittlerweile auch in Hamburg beheimatet fühlen, über die Schulter, lässt ihre Trainer und Eltern zu Wort kommen, ebenso einige ihrer Gegner im Ring. Dabei geht es um Fragen der Herkunft und Erziehung, um das besondere Verhältnis der Brüder zueinander und um ihre Einstellung zum Boxsport.
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      • | FILMKRITIK

      • Der deutsche Dokumentarfilmer Sebastian Dehnhardt porträtiert in seinem Kinodebüt die berühmten ukrainischen Brüder des Boxsports. Seit Beginn ihrer Profikarriere begleiten sie sich gegenseitig zu ihren Kämpfen, stehen gemeinsam Höhen und Tiefen durch und haben auch schon mal gegen denselben WM-Gegner geboxt. Nur eines mussten sie ihrer Mutter versprechen, wie sie im Film erzählt: dass sie nie gegeneinander antreten. Dehnhardts Dokumentation führt zu den wichtigsten Stationen dieser einmaligen Karriere und forscht nach der dahinterstehenden Mentalität, nach Erfolgsrezepten und besonderen Schwierigkeiten.

        Auf ihre bekannt sympathische Weise erzählen die Brüder, wie sie in der früheren Sowjetunion aufwuchsen und steuern kleine Anekdoten aus ihrer Kindheit bei. Darin geht es zum Beispiel um eine Mine, die Vitali als Junge draußen fand und unter dem Bett seines Vaters versteckte oder, besonders aufschlussreich, um den Ursprung ihres engen brüderlichen Verhältnisses: Bereits als sechsjähriger Junge musste Vitali auf den einjährigen Bruder aufpassen, während seine Mutter arbeiten ging. Er sollte, wie im Film nicht nur er, sondern auch beispielsweise Wladimirs Trainer Emanuel Steward sagt, die Rolle des großen und fürsorglichen Bruders stets behalten.

        Die Eltern Klitschko schildern ein wenig von der Mentalität, die sie ihren Söhnen mitgaben. Der Vater, ein Offizier der Sowjetarmee, vermittelte Werte wie Disziplin und Pflichtbewusstsein, die die Brüder auch im Boxtraining gut gebrauchen konnten. Aus den Zeiten der wirtschaftlichen Kargheit im Kommunismus bewahrten sich die Brüder Bescheidenheit, wie sie in Vitalis humorvoller Erzählung seiner ersten Reise nach Amerika und dem Besuch in einem dortigen Einkaufszentrum aufscheint. Über den Bildungsweg der Brüder, die von manchen als die intelligentesten Profiboxer bezeichnet werden, erfährt man kaum etwas und auch ihr heutiges Privatleben - Vitali ist verheiratet und hat Kinder – wird weitgehend ausgespart, vermutlich ganz im Interesse der Klitschkos. Dass die Brüder beim Schachspielen gezeigt werden, hat dann nicht viel mehr Aussagekraft als einer dieser Werbespots, in dem sie sich entspannt und häuslich inszenieren.

        Dehnhardt wartet nicht mit den großen Enthüllungen auf und bietet wenig Überraschendes, auch scheint immer wieder mal ein wenig durch, dass er den Brüdern nur bis zu einem gewissen Grad auf die Pelle rücken durfte. Streckenweise erhält das Produkt den braven Charakter eines Imagefilms. Aber die sportliche Laufbahn erscheint mit ihren Höhe- und Tiefpunkten aufschlussreich nachgezeichnet. Eine Rolle spielt auch die zeitweilige Entfremdung der Brüder im Jahr 2004, als Wladimirs Karriere vor dem Aus zu stehen schien.

        Die Aussagen von Trainern und Sportlern wie Lennox Lewis und Chris Byrd sorgen im Zusammenspiel mit Szenen aus dem Ring dafür, dass die Härte des Boxsports ebenfalls zum Thema wird. Die um die zwei Meter großen Schwergewichtler Klitschko sind, wie dabei auch deutlich wird, im Ring nicht die netten, gutmütigen Jungs von nebenan. In vielen Szenen aus dem Training oder den Wettkämpfen wird die Dokumentation zum Männerfilm, der die Faszination des Boxens ergründen will. Dem Trainer von Vitali, Fritz Sdunek, gehört einer der eindrucksvollsten Momente, wenn er erzählt, wie er dafür sorgte, dass sein verletzter Schützling im Kampf gegen Chris Byrd im Jahr 2000 aufgab. Das kostete Vitali Klitschko zwar den WM-Titel der WBO, ersparte ihm aber wahrscheinlich eine irreparable Verletzung.
      • | FAZIT

      • Die Dokumentation sucht nach dem Erfolgsrezept der Brüder und Boxweltmeister aus der Ukraine und kommt ihnen ein Stück weit näher.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 6.8/10 (4 votes)

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