Montag | 28. Mai 2012 | 16:18 Uhr
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  • FILM REVIEW | Arschkalt
  • Arschkalt

    Drama, Komödie | Deutschland 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Rainer Berg arbeitet als Lieferant von Tiefkühlkost in Norddeutschland. Auch sein Gemütszustand ist eingefroren wie die Pangasiusfilets, die seine Kunden so schätzen. Seinem Vater finanziert er ein teures Altenheim und lässt ihn in dem Glauben, dass er seine Fabrik erfolgreich weiterführt, die in Wirklichkeit längst pleite gegangen ist. Die Tiefkühlkette bekommt eine neue Chefin, welche Unruhe in Bergs Lieferantenalltag bringt: Fortan begleitet ihn der junge Kollege Tobias Moerer, den er einarbeiten soll. Moerer hat einen ausgeprägten Hang zum Missgeschick, aber bei den Kunden kommt der Optimist besser an als Berg.
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      • | FILMKRITIK

      • Der zweite Spielfilm von Regisseur und Drehbuchautor André Erkau ist eine verhaltene Komödie über zwei Verlierer, später drei. Die Geschichte verknüpft auf eigenwillige Weise die Themen Tiefkühlkost, optimale Gefriertemperatur, Unterbrechung der Kühlkette mit dem seelischen Winterschlaf der Hauptperson Rainer Berg. Sobald es ans Auftauen geht, drohen die Dinge außer Kontrolle zu geraten, aber Berg entdeckt dabei auch den Wert der Freundschaft. Trotz guter Schauspieler und einiger hübscher Dialoge ist der Film eher was für einen Abend daheim auf der Couch, so saft- und kraftlos, wie er sich in konventionellem Fahrwasser bewegt.

        Herbert Knaup, meistens schlecht rasiert, spielt absolut nicht unterkühlt den emotional erstarrten Rainer Berg. Der Mann, den sein Arbeitgeber „Mr. Frost“ in einem weißen Anorak mit Fellkragen zur Auslieferung von Fischstäbchen in die norddeutsche Pampa schickt, ist nicht mehr der jüngste. Nachts schläft er schlecht, denn es verfolgen ihn unangenehme Kundenbegegnungen vom Tage. In seinem Lieferwagen denkt er über die Philosophie des Einfrierens nach, die er in Off-Monologen auch dem Kinopublikum vermittelt: „Schockfrosten ist die Lösung: kurz und schmerzlos.“

        Berg hat zwei Probleme. Zum einen ist da sein Vater im Altenheim, den er oft besucht und der so stolz auf ihn ist, weil er seine Fabrik erfolgreich weiterführt. Peter Franke stattet Berg Senior mit schalkhaft-schlauem Durchblick und energiereicher Präsenz aus. Der Vater will in wenigen Tagen seinen Geburtstag in der Fabrik feiern, die in Wirklichkeit längst stillgelegt ist, und verschickt schon Einladungen. Was soll der Sohn also tun, als schweigen und auf ein Wunder hoffen?

        Zum anderen sitzt neuerdings in Rainer Bergs Lieferwagen ein Beifahrer, der mit dummen Erzählungen nervt, der mit dem Gabelstapler Unfälle baut und nicht zu begreifen scheint, welche Kluft sich zwischen seiner Selbstsicherheit und seinen realen Möglichkeiten auftut. Johannes Allmayer spielt diesen Slapsticktypen, Tobias Moerer, dem die meisten witzigen Sprüche gehören und der für Berg einige Überraschungen auf Lager hat. Und dann ist da noch die von Elke Winkens gespielte holländische Chefin Lieke van der Stock, die die Firma auf Vordermann bringen will. Irgendwann landet sie jedoch mit Berg und Moerer auf dem aufblasbaren Iglu vor dem Lagerhaus, um auf das allgemeine Elend anzustoßen.

        Ganz neckisch wird das Tiefkühlunternehmen, das sich bald „Happy Eskimo“ nennt, als aufstrebendes Geschäft persifliert. Die neue Produktpalette mit Tunfischwürstchen, die Arbeitskleidung im frostigen Look und der forsche, dynamische Tonfall der Manager, das strahlt einiges an kühl kalkulierter Sinnfreiheit aus. Dass die Komödie jedoch nie ganz auftaut, liegt zum Beispiel an ihrem fehlenden Ehrgeiz, die Figuren glaubhaft und lebendig werden zu lassen. Sie bleiben mehr Dialoglieferanten und Ideentransporteure. Der Geschichte fehlt aber auch der Ehrgeiz, skurril oder nur schräg zu werden, sie scheint irgendwann nur noch anzustreben, dass sich alle die Hände reichen.
      • | FAZIT

      • Die sparsamen Abenteuer eines Tiefkühlkostlieferanten werden nur dank Hauptdarsteller Herbert Knaup sympathisch.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 1.7/10 (3 votes)

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