Als Wien durch eine Mordserie unter den Gewinnern eines obskuren Millionenspiels erschüttert wird, ruft der cholerische Polizeipräsident Heribert Pilch (Udo Samel) den gefeuerten Major Kottan (Lukas Resetarits) in den Polizeidienst zurück. Kottans überforderte Ex-Kollegen Schremser (Johannes Krisch) und Schrammel (Robert Stadlober) entdeckten neben den ersten drei Opfern eine Spielkarte mit sieben Namen, worunter sich auch Pilchs Name findet. Nachdem eine Leiche sogar auf sein Autodach fällt, entschließt sich der längst dem Beamtenstand entsagte Kottan, die Ermittlungen selbst wieder aufzunehmen, die in höchste Polizei- und Bankenkreise führen.
WERBUNG
| FILMKRITIK
27 Jahre nach Einstellung der umstrittenen Komödienserie „Kottan ermittelt“, nach dem Tod des Autors Helmut Zenker und vieler Darsteller legt Regisseur Peter Patzak seinen einstigen Hit in einem zweiten Spielfilm wieder auf. Angesichts des schwachen Ergebnisses wirkt dies als eine zu späte und im Grunde überflüssige Entscheidung. Schon 1982, nach Einstellung der Kultreihe aufgrund schwacher Einschaltquoten und steter Zuschauerproteste, wurde ein Kinofilm mit Gaststar Eddie Constantine angekündigt, doch das Projekt kam damals nicht zustande. Stattdessen drehte die „Kottan“-Crew die Kinosatire „Tiger – Frühling in Wien“, die außer dem witzigen Running Gag mit Constantine auf verzweifelter Suche nach neuen Filmangeboten nur Klamauk und aufgesetzte Zitate zu bieten hatte. Ähnlich trostlos wirkt der Neuaufguss von 2010, wo Patzak, mehr noch als bei „Tiger“, das Gespür für einen dramaturgischen Aufbau gänzlich vermissen lässt.
Dabei standen sozialkritische Milieustudien und satirische Plots früher noch stärker im Zentrum. Der erste „Kottan“-Roman aus den Siebzigern, wo der Ermittler eher als Nebenfigur fungierte, ist ein gradliniger Politthriller um einen US-Killer, der ungehindert von österreichischen Behörden seinem blutigen Treiben unter Wiener Wirtschaftskriminellen nachgeht. Dessen Kinoverfilmung „Den Tüchtigen gehört die Welt“, im Gegensatz zum Roman mit mehr ironischen Momenten verhaftet, stellt den Übergang von „Kottan“-Darsteller Nummer zwei, Franz Buchrieser, und „Kottan“ Nummer drei, Lukas Resetarits (hier einer der Gangster), dar. In der nie realisierten letzten Staffel sollten beide Akteure aufeinander treffen und sich um die Titelrolle streiten. (Erst durch das neu erweckte Interesse aufgrund der DVD-Edition konnten diese Drehbücher mit manchen der Originalschauspieler als Hörspiel realisiert werden.)
Alle bewährten Elemente findet man im neuen Kinofilm – chaotische Gags, die das Genre stets auf die Schippe nehmen, selbstreferenzieller Meta-Humor, wenn Darsteller aus ihren Rollen fallen, Dialoge zwischen Wiener Schmäh und derben Unverschämtheiten, Playback-Musiknummern, Tanzeinlagen sowie bissige Spitzen auf Klüngel und Korruption zwischen Staat und Wirtschaft. Das Drehbuch von Helmut Zenkers Sohn Jan basiert auf einem Roman aus der „Mini Mann“-Serie - jener unkonventionellen Detektivin, die Zenker nach der „Kottan“-Ära kreierte.
Neben Kabarettist Lukas Resetarits als Kottan und Bibiana Zeller als seine eigenwillige Gattin Ilse trifft man aus der Altbesetzung noch Ernie Mangold, Franz Suhrada als trotteliger Polizist Schreyvogel, TV-Sprecherin Chris Lohner als sie selbst und Kabarettistenkollege Ernst Konarek als Kottans Erzfeind, der ständig die Falschen erschießt. Gast Hanno Pöschl übernimmt jetzt den Part des Leichen findenden Penners Drballa. Dessen einstiger Leinwandpartner Johannes Krisch („Revanche“) ersetzt Walter Davy als einbeiniger (jetzt gehbehinderter) Polizist Schremser und verleiht ihm den Look eines abgeklärten Althippies, was anfangs gewöhnungsbedürftig erscheint, während Robert Stadlober als unfähig-schießwütiger Schrammel schlicht fehlbesetzt wirkt.
Eine treffliche Wahl stellt dagegen Udo Samel als ordnungsfanatischer Polizeipräsident Pilch dar, der mühelos in Kurt Weinzierls Fußstapfen tritt. Doch die bemühten Gags mit Pilchs Kampf gegen eine Trickfilmkakerlake und gegen selbstherrliche Polizeiroboter eigener Bauart fielen alles andere als komisch aus. Wie so viele Einlagen hemmen sie nur den Erzählfluss. Trotz der gewohnten Mischung aus absurden Morden, bissigen Dialogen und respektlosen Gags wirkt die Neuauflage wie ein billig-bemühtes Homevideo einer Laienspieltruppe. Im Grunde enthält „Rien ne va plus“ das Potential für eine gelungene TV-Folge, doch durch zuviel überflüssiges Beiwerk wurde der schrägen Plot um das tödliche Pyramidenspiel auf knapp zwei zähe Stunden gestreckt. So sehr man sich über das Wiedersehen mit den alten Bekannten freuen mag, wirkt die schwerfällige Angelegenheit lediglich für echte Fans einigermaßen erträglich.
| FAZIT
Enttäuschende Wiederbelebung einer legendären Krimiparodie ohne Sinn für echtes Komödientiming.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung