Inmitten der blutigen Konflikte, die das Ende der Apartheid in Südafrika Anfang der Neunziger Jahre begleiteten, versucht sich ein junger Fotograf zu profilieren. Greg Marinovich (Ryan Phillippe) fährt nach Soweto, in die äußeren Bezirke von Johannesburg, in der sich die meisten Kämpfe abspielen. Dort angekommen, gerät er direkt in eine Situation, in der einige Zulu einen vermeintlichen Anhänger Mandelas töten. Greg trifft dort auf die etablierten Fotografen Kevin Carter (Taylor Kitsch), Ken Ooosterbroek (Frank Rautenbach) und João Silva (Neels van Jaarsveld), die sich gerade im Aufbruch befinden.
Greg ist sich unsicher, er weiß nicht nach welchen Motiven er suchen soll. Kevin gibt ihm den Rat immer nah am Geschehen zu sein, nie Teleobjektive zu verwenden. Die drei Fotografen verlassen den Ort des Geschehens, wo nun Ruhe einzukehren scheint. Doch Greg ist nicht bereit zu gehen. Kurzentschlossen folgt er den Zulus in eine Wohnsiedlung. Erst nachdem er sich bereits zwischen den Hütten befindet, wird ihm langsam klar, wie gefährlich dies für ihn, als Weißen, ist. Doch obwohl Greg knapp am Tod vorbeischrammt, kann er einige erschreckende, wenn auch sehr plakative Motive ablichten.
Diese Kühnheit, immer auf dem schmalen Grad zwischen Mut und Torheit, wird nun sein künftiges Leben bestimmen. Er wird in Johannesburg als freier Fotograf engagiert und bildet fortan mit Kevin, Ken und João ein Team, das schon bald Bang Bang Club genannt wird. Weil sie sich inmitten der Aufständischen bewegen, als gäbe es die Gefahr nicht.
Doch wie lange kann man sich am Abgrund bewegen, ohne hinein zu fallen? Bald sind die vier Fotografen keine objektiven Augenzeugen mehr, sondern stecken mitten in dem Konflikt fest. Auch wenn sie genau vor dieser Tatsache die Augen zu verschließen scheinen.
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| FILMKRITIK
Das Ende des weißen Apartheid Regimes in Südafrika war durch blutige Aufstände und grauenhafte Entgleisungen der Menschlichkeit begleitet. Während sich die politischen Kämpfe auf allen Ebenen abspielten, konzentriert sich The Bang Bang Club auf die Kämpfe zwischen farbigen Gruppierungen. Am Anfang des Filmes gibt es eine kurze Einführung durch eine Erzählerstimme, doch im Verlauf des Filmes, wird der Zuschauer mit seiner Interpretation der Geschehnisse alleine gelassen.
Es scheint für diesen Film nicht von großer Bedeutung zu sein, wer dort gerade wen abschlachtet, denn er konzentriert sich auf die vier Fotografen, die sich erstaunlich unpolitisch geben. Nicht einmal hört man von den vieren eine Aussage darüber, ob sie die politischen Hintergründe kennen, oder ob sie ihnen irgendetwas bedeuten.
Stattdessen lassen sie sich von ihrem Adrenalinkick leiten, gehen immer tiefer in das Geschehen hinein. Und alles was ihnen dabei als Schutz dient, sind ihre Fotoapparate und ein gelegentlich laut ausgerufenes „Press“. Der Zuschauer erfährt nicht, warum die Aufständischen sie in ihrer Mitte akzeptieren.
Dies kann man als erzählerisches Mittel akzeptieren. Greg und die anderen vermeiden es, emotional in die Geschehnisse verwickelt zu werden, die sich nur wenige Kilometer vor ihrer eigenen Haustür abspielen. Es geht darum die eine Einstellung zu finden, die den ganzen Horror in einem einzigen Bild erzählt. Greg sagt zu einem Zeitpunkt im Film, dass er glaubt, dass er durch ein Bild mehr ändern kann, als jeder politische Aktivist vor Ort.
Doch wie lange kann man unabhängiger Beobachter bleiben, wie lange dauert es, bis man emotional verwickelt ist? Der Film wirft diese Frage auf, und wird sie, so viel sei vorneweg genommen, nicht beantworten. Vielleicht, weil es keine Antwort gibt. Als Kevin ein Bild von einem verhungernden Mädchen im Sudan macht, wird er bei einer Pressekonferenz gefragt, was danach mit ihr passiert sei. Er kann es nicht beantworten. Und das ist der zentrale Konflikt des Filmes. Muss man seine Emotionen komplett ausschalten um ein guter Kriegsfotograf zu sein? Ist man überhaupt als Person vor Ort, oder nur ein Medium, das durch Fotografien übermittelt?
The Bang Bang Club hat seine besten Momente, wenn er auf diese Frage eingeht. Die vier Fotografen können noch so oft beteuern, dass sie unabhängig bleiben - ihre Blicke sprechen eine andere Sprache. Hier muss man dem Regisseur Steven Silver und den vier Hauptdarstellern ein Kompliment aussprechen - das ist großes Kino.
Doch leider versucht Silver einen Kontrast zwischen dem harschen Kriegsgeschehen und dem Privatleben der Jungs aufzubauen. Es finden Grillparties statt, Greg verliebt sich in seine Fotoeditorin, die Jungs gehen in Nachtclubs. Doch anstatt den Gegenpart aufzuwerten, bilden diese „leichten“ Momente nicht den gewünschten Kontereffekt, sondern ziehen den Film ins Belanglose. Malin Akerman als Gregs Freundin nervt, der komplette Handlungsstrang, der sich um das Privatleben spinnt, wirkt unauthentisch, obwohl er genau das Gegenteil bewirken soll.
Das ist bedauerlich. Steven Silver, der renommierte Dokumentarfilmer, hätte hier mit seinem ersten Spielfilm nämlich einen kontroversen und emotional tiefschürfenden Film erschaffen können. Doch stattdessen bleiben einem nur die, mit Pulitzer Preisen ausgezeichneten, Bilder von Greg Marinovich und Kevin Carter im Kopf hängen. Und die gab es bereits vor diesem Film.
| FAZIT
The Bang Bang Club stellt die richtigen Fragen, doch leider verliert er sich auf halben Weg in der Belanglosigkeit.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung