Montag | 28. Mai 2012 | 16:29 Uhr
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  • FILM REVIEW | Brautalarm
  • Brautalarm

    Komödie | USA 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Annie aus Milwaukee ist schon über 30, hat aber keinen festen Freund, nur Ted. Und der will, dass sie nach dem Sex stets ohne zu übernachten aus seiner Wohnung verschwindet. Annie hat auch ihre kleine Konditorei nicht mehr und darf nur dank der Beziehungen ihrer Mutter in einem Juwelierladen als Verkäuferin arbeiten. Und sie muss sich ihre Wohnung mit einem seltsamen Geschwisterpaar teilen, aus finanziellen Gründen. Annie hat eine beste Freundin seit der Kindheit, Lillian. Aber die zeigt ihr stolz ihren Verlobungsring. Annie soll Trauzeugin sein und die Hochzeit organisieren, samt den vielen Vorfeiern, die in Amerika dazu gehören.

    Auf der Verlobungsparty lernt Annie die anderen Brautjungfern kennen: die dreifache Mutter Rita, die frisch verheiratete Becca, die burschikose Megan und die wunderschöne, reiche Helen, die mit dem Chef des Bräutigams verheiratet ist. Helen gibt sich als beste Freundin Lillians aus, was Annie nicht unwidersprochen lassen kann. Die Rivalität von Annie und Helen überschattet bald alle Treffen der Frauen, und Helen zieht die Vorbereitungen der Hochzeit immer mehr an sich. Auch Annies neue Bekanntschaft, ein Streifenpolizist, lindert ihren Stress nicht wirklich.
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      • | FILMKRITIK

      • Wenn die Braut ihr Hochzeitskleid mit den Worten „Es ist so ein Albtraum!“ präsentiert und man ihr als Zuschauer beipflichten muss, handelt es sich nicht um eine gewöhnliche romantische Komödie. Zu „Brautalarm“ hat auch Produzent Judd Apatow einschlägigen Humor dazugegeben, aber das Drehbuch stammt von zwei Frauen, der Hauptdarstellerin Kristen Wiig und Annie Mumolo. Wie viele der Schauspieler sind sie in der amerikanischen Fernseh- und Bühnencomedy beheimatet und legen Wert auf eine Geschichte jenseits der Bilderbuchklischees. Wenn Annie, Lillian und die Brautjungfern ausschwärmen, um die Festgarderobe auszusuchen oder die Junggesellinnen-Party zu feiern, ist die Stimmung nur am Anfang heiter. Unter der Regie von Paul Feig aber macht die deftig-realistische Komödie durchgehend gute Laune.

        Es ist ein Film fast nur über Frauen. Der Bräutigam steht ungefähr zweimal still im Bild, mehr hat er nicht zu melden. Das heißt aber nicht, dass es keine Männerrollen gibt, denn es geht außer um die Organisationstreffen für Lillians Hochzeit vor allem um Annies Leben. Und darin gibt es, neben allerlei Dauerbaustellen rund um Beruf, Heim und Auto, auch Ted und Officer Rhodes. Ted fährt Porsche, hat Sex mit Annie und sagt dann Sachen wie: „Es ist schon spät. Du solltest besser gehen. Ich vermiss dich schon, Baby.“ Der Streifenpolizist Rhodes, gespielt von Chris O´Dowd, interessiert sich anfangs nur für die defekten Bremslichter an Annies Auto, doch der Mann hat bald jede Menge Emotionen.

        Kristen Wiig als Annie und Maya Rudolph als Lillian sind weder ausgesprochene Schönheiten, noch sind sie blutjung. Sie wirken für die Inszenierung einer Traumhochzeit stets ein wenig zu normal, zu angefasst vom Leben. Das gilt auch für die frustrierte Mutter Rita und für die handfeste Megan. Umso mehr kann man mit der Braut und ihren Jungfern mitfiebern, wenn sie zum Beispiel ins Flugzeug steigen, zur Junggesellinnen-Party nach Las Vegas. Oder wenn im Garten von Helen die pompöse „bridal shower“ abläuft, mit lebendigen Schwänen, die an einer Schokoladenfontäne vorbeispazieren. Die von Rose Byrne gespielte Helen scheut keine Kosten, um sich in den Mittelpunkt der Frauengruppe zu stellen, zumal sie weiß, dass Annie finanziell nicht mithalten kann.

        Der Hang zur Übertreibung bei Hochzeitsfeiern wird mittels solcher deutlicher Übertreibungen ironisiert. Der Luxus, den Helen fabriziert, gerät in Kontrast zu den unschlüssigen Charakteren. Für solchen Kontrast sorgen auch Ritas Berichte über das wahre Wesen von Ehe und Mutterschaft. Ein steter Quell für Komik ist allein schon die Tatsache, dass die fünf Brautjungfern, die sich vorher nicht kannten, nun für eine Weile zusammen auskommen und Spaß haben müssen, weil es die Tradition so will.

        Der Film leistet sich einige deftige Geschmacklosigkeiten, deren schockierende Wirkung aber weniger witzlos erscheint als in anderen Komödien, in denen besoffene Männer Verdauungsprobleme bekommen. Es geht dabei hauptsächlich um die provokante Demontage des Traums in Weiß, dem Spiel mit schier unvorstellbaren Pannen. Der beste Witz aber stammt aus den realitätsnahen Kapiteln, in denen Kristen Wiigs ungeschminkte Natürlichkeit triumphiert. Ihre Annie bleibt glaubwürdig, wenn sie, getrieben von Eifersucht auf Helen, mehr als einmal zum Partyschreck wird und gesellschaftliche Benimm-Tabus zum Einstürzen bringt.
      • | FAZIT

      • Die romantische Hochzeitskomödie wird hier von einem geerdeten Frauenensemble gründlich gegen den Strich gebürstet.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 4.5/10 (15 votes)

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