Montag | 28. Mai 2012 | 16:30 Uhr
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  • FILM REVIEW | Wir schaffen das schon
  • Wir schaffen das schon

    Komödie | Italien 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Anfang der Achtziger wird der aufmüpfige Gewerkschaftler Nello (Claudio Bissio) von seinen Vorgesetzten mit der Aufgabe betraut, eine Gruppe ehemaliger Psychiatrieinsassen zu betreuen, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben. Die nicht immer einfach zu kontrollierenden Kranken stehen unter der strengen Aufsicht eines Arztes (Giorgio Colangeli), der sie mit Medikamenten ruhig stellt und ihnen stereotype Arbeiten wie das Frankieren von Briefsendungen zuteilt. Überzeugt davon, dass eine sinnvolle Beschäftigung den Patienten mehr Selbstbewusstsein verleihen würde, lässt Nello gegen alle Widerstände die Sedative absetzen. Als Parkettbödenverleger sollen die Ex-Patienten ihre Dienste in der Arbeitswelt anbieten und sich damit bewähren. Doch bevor er sein Ziel erreichen kann, stehen ihm sowohl die Eigenarten der Kooperative, die ablehnende Haltung der Ärzteschaft sowie sein eigenes Ego im Wege.
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      • | FILMKRITIK

      • Gulio Manfredonias dritter Spielfilm wirkt wie eine italienische Variante von „Einer flog über das Kuckucksnest“, wobei Psychiatriezustände schon häufiger Stoff für Tragikomödien über Menschenwürde und Selbstbestimmung lieferten. Als Ausgangssituation stand sowohl das „Gesetz 180“, eine Reform zur Auflösung aller psychiatrischen Anstalten Anfang der Achtziger, als auch die wahre Begebenheit einer Sozialkooperative in Pordenone durch einen Gewerkschaftler. Dadurch entwickelt die filmische Versuchsanordnung trotz aller komödiantischer Verwicklungen und der utopischen Ausgangssituation einen realistischen Unterton.

        Beabsichtigt war es, dem Zuschauer das Misstrauen vor den verschrobenen Außenseitern mit ihren Macken und Eigenheiten zu nehmen. Erst, wenn die Betreuer auf deren eigenwilliges Verhalten eingehen, anstatt lediglich auf Medikamente zu setzen, können die seelisch Kranken ihr durchaus vorhandenes Potential ausschöpfen. Manfredonia stellt die Frage, was überhaupt „normal“, was „verrückt“ und wo die Grenze zwischen beidem Verhalten zu ziehen sei.

        Jedoch verheimlicht seine Tragikomödie nicht, dass das Experiment leicht misslingen kann und stets eine Gradwanderung darstellt. Doch Protagonist Nello meistert die unbequeme Aufgabe, indem er die Charakteristika jedes Mitgliedes der unkonventionellen Kooperative individuell nutzt. Mitbestimmung steht für den engagierten Linken an erster Stelle. Trotz aller Schwierigkeiten hält er an seiner Überzeugung fest, womit es ihm gelingt, eine Gemeinschaft unter der mitunter zerstrittenen Behinderten zu bilden. Dies fällt ihm leichter, als sein eigenes Privatleben zu koordinieren.

        Dank zahlreicher Recherchen gelang es Manfredonia in der Regel, Figuren jenseits aller Stereotypen zu entwerfen, zumal ihre Entwicklung mit Witz und Einfühlungsvermögen gezeichnet wird, wozu auch die überzeugenden Darsteller beitragen. Mit seinen Arbeiten legt er den Finger auf Wunden im italienischen Sozialsystem, was ebenfalls auf sein aktuelles Werk „Qualunquemente“ zutrifft, das ähnliche Erfolge feierte wie drei Jahre zuvor „Wir schaffen das schon“. Jenseits der vorhersehbaren Story versteht es der Künstler aus Luigi Comencinis weit verzweigter Filmfamilie, mit Situationskomik, tragischen Zwischentönen und emotional eindrucksvollen Momenten einen Appell für mehr Menschlichkeit zu setzen. Bei der deutschen „Cinema Italia“-Tour 2009 erhielt sein Werk den Publikumspreis, weshalb „Wir schaffen das schon“ unsere Kinos mit knapp dreijähriger Verspätung in untertitelter Version erreicht.
      • | FAZIT

      • Tragikomische Chronik einer Revolution im italienischen Psychiatriewesen mit einem Appell für Selbstbestimmung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 1.0/10 (2 votes)

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