Montag | 28. Mai 2012 | 16:30 Uhr
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  • FILM REVIEW | Westwind
  • Westwind

    Abenteuer, Drama, Romanze | Deutschland 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Im Sommer 1988 fahren die 17-jährigen Zwillingsschwestern Isabel und Doreen aus der DDR an den ungarischen Balatonsee. Dort dürfen die Sportlerinnen in einem Pionierlager Ferien machen, in Verbindung mit täglichem Rudertraining. Isa und Doreen lernen auf dem Weg zum Zeltlager die beiden Freunde Arne und Nico aus Hamburg kennen, die sie in ihrem VW Käfer ein Stück mitnehmen. Arne und Nico kreuzen später im Zeltlager am See auf, aus dem sie jedoch Trainer Balisch sofort rausschmeißt, denn Westkontakte sind für die jungen Leute aus der DDR tabu.

    Doch Isa und Doreen klettern abends über den Zaun, um in der Disco Arne und seine Freunde zu treffen. Doreen und Arne verlieben sich und Isa muss sich Ausreden einfallen lassen, wenn Doreen zu spät zum Training kommt. Auf Dauer werden die heimlichen Ausflüge der Zwillinge wohl nicht unbemerkt bleiben. Arne drängt Doreen, in seinem Auto die Flucht in den Westen zu wagen. Doch die Zwillinge sind unzertrennlich.
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      • | FILMKRITIK

      • In seinem dritten Spielfilm inszeniert Regisseur Robert Thalheim eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte aus dem Jahr 1988. Im Sommer am ungarischen Balatonsee treffen Isabel und Doreen aus der DDR zwei junge Männer aus Hamburg. Doch der Eiserne Vorhang zieht sich auch hier im Ferienland durch diese Freundschaft, die den ostdeutschen Sportlerinnen verboten ist. Aber Isa und Doreen sind jung, sie mögen die gleiche Musik wie Arne und Nico und sie haben die Bevormundung durch ihren Trainer satt, also klettern sie nachts heimlich über den Zaun des Pionierlagers, um die Jungs aus Hamburg zu treffen. „Westwind“ basiert auf der Geschichte der Produzentin Susann Schimk und ihrer Zwillingsschwester. Susann Schimk zeichnet neben Ilja Haller auch für das Drehbuch verantwortlich.

        Der Anachronismus des Eisernen Vorhangs und die Aufbruchstimmung, die ein Jahr später dazu führen wird, dass Ungarn seinen Gästen aus der DDR die Grenzen zum Westen öffnet, bilden den Hintergrund für die zarte Liebesgeschichte. Thalheim wählt eines der sichersten Mittel, um die Absurdität politischer Unfreiheit zu zeigen: zwei Königskinder, die zueinander nicht kommen können wie in dem alten Volkslied, nämlich junge Verliebte, die stets ein besonders starkes Symbol für das menschliche Grundrecht auf Selbstbestimmung sind. Im Zusammenspiel mit Popmusik aus den achtziger Jahren – man könnte die Geschichte streckenweise auch andersherum auffassen, als filmische Interpretation des Liedes „Just Like Heaven“ von The Cure – entsteht eine atmosphärische Dichte, der sich vermutlich kaum jemand entziehen kann.

        Es gab schon mal einen ähnlichen filmischen Ansatz, in dem die DDR-Diktatur stilvoll zu Grabe getragen wurde: „Wie Feuer und Flamme“ aus dem Jahr 2001, von Regisseurin Connie Walter, erzählte sogar noch etwas leidenschaftlicher und intensiver von zwei Jugendlichen, deren Liebe Anfang der Achtziger gegen die Berliner Mauer keine Chance hatte. Auch in jenem Film überzeugte die Authentizität, die auf einer wahren Geschichte basierte. In „Westwind“ geht es nicht einmal so sehr um die beiden Liebenden, die männlichen Charaktere beispielsweise bleiben eher knapp skizziert, sondern vielmehr um die viel größere Geschichte einer Bewusstwerdung, die sich für die Schwestern aus der DDR im Hintergrund abzeichnet.

        Das Zwillingspaar wird von den Schauspielerinnen Luise Heyer und Friederike Becht dargestellt. Mit ihren oft nur still fragenden Gesichtern scheinen sie die Kluft zwischen Ost und West zu erspüren und gleichzeitig auch die wachsende Entfremdung von den Verboten, die ihnen die DDR zumutet. Der Film lässt sich viel Zeit für diesen Prozess, vom anfänglichen „Könnt ihr bitte wieder gehen?“ der Zwillinge, als die Hamburger Jungs im Pionierlager aufkreuzen, über Szenen der Neugier und Lebenslust in der ungarischen Disko mitsamt deutsch-deutschen Sprachunterschieden bis hin zum Rudertraining am See. Die Schwestern arbeiten beim Sport sichtlich ihren existenziellen Problemstau ab, denn mit jedem unbeschwerten Treffen mit Arne – gespielt von Franz Dinda - und Nico – gespielt von Volker Bruch - stellt sich die Frage dringender, warum diese Freundschaft nicht erlaubt sein soll.

        In diesem Film ist vom düster-bedrohlichen DDR-Alltag praktisch nichts zu sehen, in der sommerlichen Zeltlager-Atmosphäre am Balaton hallt das Echo der restriktiven Heimat schon aus einiger Entfernung. Der Trainer muss natürlich den einmal entdeckten Westkontakt seiner Schützlinge unterbinden. Ein junger Betreuer aus Ostdeutschland singt abends Lieder zur Gitarre, und die Zwillinge in ihren grünen Badeanzügen – „Muttis Geschenk“ - stecken konspirativ und unschuldig wie vermutlich schon immer die Köpfe zusammen, um die Rebellion, etwas Tollkühnes wie Würfeln um die Zukunft, zu beschließen.
      • | FAZIT

      • Zartfühlende deutsch-deutsche Liebesgeschichte in sommerlicher Atmosphäre am ungarischen Balatonsee, in der sich ein Jahr vor dem Fall der Mauer der Anachronismus des Ostblocks spiegelt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (3 votes)

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