Sowohl der schwule Francis (Xavier Dolan) als auch seine beste Freundin Marie (Monia Choki) verlieben sich in den blond gelockten Nicolas (Niels Schneider), des eines Abends in ihrem Montrealer Freundeskreis auftaucht. Zu dritt starten sie zahlreiche Unternehmungen und verbringen häufig gemeinsame Nächte im Bett oder beim Zelten. Auf Dauer versuchen die beiden Freunde, den anderen in der Gunst des Schönlings auszustechen. Aufgrund Nics Begeisterung für Audrey Hepburn verschreibt sich Marie künftig einem Retro-Look, während Francis ihn mit Geschenken zu beeindrucken versucht. Letztlich können emotionale Verwirrungen und Konflikte nicht ausbleiben.
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| FILMKRITIK
Nachdem Xavier Dolan in seinem Debüt „I Killed My Mother“ schon der Nouvelle Vague im Wesentlichen und Francois Truffaut im Besonderen huldigte, begibt er sich mit dem Nachfolgeprojekt auf die Spuren von dessen Dreiecksklassiker „Jules und Jim“. Aber auch weitere cineastische Stilmittel wie von melancholischer Musik unterlegte Begegnungen in Extremzeitlupe á la Wong Kar-wai, ausgedehnte Travellings im Jim Jarmush-Stil oder in die Handlung eingeschnittene fiktive Interviews zwischen Handkamera, Zooms und Jump Cuts finden den Weg in die melancholische Studie zum Thema unerfüllte/enttäuschte Liebe.
Zudem dürfen Verweise auf cineastische Idole wie James Dean oder Audrey Hepburn und schwule Ikonen wie Jean Cocteau (in einer Partysequenz) nicht fehlen. Ähnlich zitatenreich und der jeweiligen Stimmung angepasst setzt Dolan musikalische Motive wie Dalidas italienische Version von „Bang Bang“ über Klassik bis zu modernem Pop und Hip Hop ein. Wie beim Vorgänger übernahm das frankokanadische Multitalent Regie, Drehbuch, Kostüme, Produktion sowie die Rolle des schwulen Francis, der sich unsterblich in den Schönling Nicolas verliebt und damit in Konkurrenz zu seiner besten Freundin Marie tritt..
Gelegentlich baut Dolan auf bewährte Elemente wie die (verhalten eingefügten) surreal-bunten Traumsequenzen, den Einsatz von Literaturzitaten oder den Auftritt seiner „Filmmutter“ Anne Dorval, die mit blauer Perücke dieses Mal Nics exaltierte Mutter, eine Ex-Tänzerin, verkörpert. Dabei bleibt der dünne Plot ebenso arm an äußerer Handlung wie reich an virtuosen stilistischen Erzählmethoden. Während die einfarbig kolorierten Liebesszenen, in denen die Kamera Körper abtastet, eine sinnliche Atmosphäre vermitteln, wirkt die nervös schwenkende Handkamera bei den Gesprächsszenen eher aufgesetzt.
Viele Diskussionen drehen sich natürlich ebenfalls um Liebe und Sex, aber auch um Mode, Kultur, existenzielle Probleme oder die Philosophie des Rauchens. Hierbei werden etwa sechs Unterschiede der menschlichen Sexualität oder die verschiedenen Phasen des Wartens auf den Liebhaber aufgestellt. Zwar sind zahlreiche dieser Passagen einfallsreich inszeniert und streckenweise klug beobachtet, doch bevor sich die romantische Verwirrung der Protagonisten gegen Ende zuspitzt, fallen zu häufig repetitive Momente an, die wenig zur Geschichte beitragen und nur gelegentlich den ironischen Witz des Vorgängers aufblitzen lassen.
| FAZIT
Zitatenreiches Dreiecksdrama über „eingebildete Liebe“, das in einer zu artifiziellen Machart stecken bleibt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung