Montag | 28. Mai 2012 | 11:37 Uhr
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  • FILM REVIEW | Vier Leben
  • Vier Leben

    Drama | Italien 2010
  • | INHALTSANGABE

  • In einem süditalienischen Bergdorf hält sich ein alter, kranker Ziegenhirt nur durch den Staub des Kirchbodens am Leben, den er täglich mit Wasser einnimmt. Doch als ihm der Umschlag mit dem Staub aus der Tasche fällt, kann er eines Nachts seine Medizin nicht mehr zubereiten. Längst ist die Kirche abgeschlossen, so dass er bald darauf verstirbt und seine Ziegen allein im Haus Wache halten. Ein neu geborenes Zicklein verliert den Anschluss an seine Herde und bleibt verloren im Wald zurück. Dessen Unterschlupf, ein stattlicher alter Baum, steht im Frühjahr im Mittelpunkt des jährlichen Dorffestes und dient den örtlichen Köhlern als Grundlage für Holzkohle.

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      • | FILMKRITIK

      • Tod und Geburt bilden die Fixpunkte in Michelangelo Frammartinos halbdokumentarischen zweiten Spielfilm, in dem er ein stimmiges Porträt der archaischen Kultur und Lebensweise der kalabrischen Bergregion schuf. Fast ohne Dialoge beobachtet er den Alltag der Bevölkerung, der Hirten und Köhler, ihrer Riten, Bräuche und Traditionen, wobei die Tonspur aus Geräuschen und Tönen ihren eigenen Raum einnimmt. Man merkt es dem Werk an, dass Frammartinos Familie aus der Region stammt und er sich mit dem archaischen Leben der Provinz Vibo Valentina bestens auskennt.

        Vieles wirkt beiläufig beobachtet, wobei die Rolle der Menschen zunehmend in den Hintergrund und das elementare Wirken der Natur in den Fokus gerät. Mit den „vier Leben“, was auf eine Lehre des Philosophen Pythagoras über Seelenwanderung zurückgeht, sind die vier Kapitel des Films gemeint: der menschliche, tierische, pflanzliche und mineralische Lebenskreislauf – vom Sterben eines Menschen bis zur Endsequenz, wo eine majestätische Tanne zu Holzkohle verarbeitet wird. Die episodenhafte Handlung steht als Sinnbild für die Transformation von einer Materie in die nächste. Am Ende schließt sich der Kreis, da auch Menschen aus Mineralien bestehen.

        Natürlich muss man sich erst auf den getragenen Rhythmus, die atmosphärischen Bilder und meditative Stimmung einlassen, um die Schönheit der Aufnahmen goutieren zu können. Etwas aus dem Rahmen fällt eine lange Sequenz, die Frammartinos Talent nur zusätzlich unterstreicht. Der witzige Höhepunkt des bedächtig inszenierten Werks stellt eine durch den Schäferhund torpedierte Prozession als eine Art Kettenreaktion dar, gefilmt in einer langen, ungeschnittenen Kameraeinstellung, die sicherlich mehrfach geprobt und choreografiert werden musste. Damit unterstreicht der filmische Lebenszyklus, dass sich Komik und Tragik oftmals die Waage halten, genau wie Tod und Leben.


      • | FAZIT

      • Eine poetisch-sinnliche Meditation über das Dorfleben in den kalabrischen Bergen.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 6.5/10 (4 votes)

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