Die zwölfjährige Katharina, genannt Kattaka, lebt mit ihren Eltern in Berlin. An Heiligabend ruft ein Mann namens Alexej an, mit dem die Mutter aufgeregt auf Russisch spricht. Nur widerwillig beantwortet sie Kattakas Fragen und sagt ihr, dass Daniel gar nicht ihr richtiger Vater ist, sondern Alexej. Er hatte hier früher als Handwerker in einer russischen Kaserne gearbeitet. Kattaka beschließt, sich von der alten Nachbarin Lene nach Polen fahren zu lassen. Alexej arbeitet jetzt als Matrose auf einem Frachtschiff, das gerade in Stettin ist.
Kattakas jüngerer Freund Knäcke will auch mitfahren, also versteckt er sich im Auto und die beiden entdecken ihn erst in Polen. Alexejs Schiff hat Stettin schon verlassen und das Trio folgt ihm nach Danzig. Dort lernen Kattaka, Knäcke und Lene den Jugendlichen Waldek kennen, der Kattaka auf das streng bewachte Hafengelände schmuggelt. Das Mädchen betritt Alexejs Kabine auf dem Schiff und sieht auf einem Foto, dass ihr Vater eine neue Familie mit zwei Söhnen hat. Als er hereinkommt, läuft sie weg. Aber die Reise geht nicht zurück nach Berlin, sondern noch weiter in den Osten, nach Masuren. Von dort stammt Lene, und Kattaka drängt sie, sich ihren Erinnerungen zu stellen, die sie immer noch am liebsten verdrängen will.
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| FILMKRITIK
„Wintertochter“ ist ein Roadmovie, das zwei Kinder und eine alte Frau aus Berlin ins verschneite Polen führt. Sowohl das Mädchen, als auch die über 70-jährige Lene stellen sich dort den Fragen nach der eigenen Herkunft. Regisseur Johannes Schmid spricht von einem generationenübergreifenden Film, und auch die familiäre Spurensuche der beiden Hauptfiguren umspannt einen geschichtlichen Zeitraum von vielen Generationen. Lene floh mit ihrer Mutter am Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem damaligen Ostpreußen Richtung Westen, Kattakas russischer Vater verließ Deutschland mit dem Abzug der sowjetischen Truppen nach der Wiedervereinigung.
Kattaka, gespielt von Nina Monka, ist ein Dickkopf und in letzter Zeit auch eine Nervensäge. Denn dass ihre Familie ihr so viele Jahre verheimlicht hat, wer ihr richtiger Vater ist, das macht sie richtig zornig. Gut, dass Verlass auf die alte Nachbarin Lene ist, die sich bereiterklärt, Kattaka nach Stettin zu fahren. Unterwegs merkt Kattaka zwar, dass die im heutigen Polen geborene Lene unliebsame Erinnerungen an ihre Kindheit mit sich schleppt, aber die alte Frau will nicht darüber sprechen. Ursula Werner spielt Lene, die von der zunächst fürsorglichen Begleiterin Kattakas allmählich zur zweiten Hauptfigur mit eigener Geschichte mutiert.
Damit die Reise durch das verschneite Land nicht zu problembeladen gerät, durfte sich der lustige kleine Nachbar Kattakas im Auto verstecken. Fortan lockert der von Leon Seidel dargestellte Knäcke die Stimmung mit frechen und gewitzten Sprüchen auf, so dass die Reise auch mit den munteren und positiven Aspekten eines Abenteuers angereichert wird. Auch die Figur des polnischen Jugendlichen Waldek, gespielt von Dominik Nowak, verleiht der Geschichte einen heiteren Gegenwartsbezug. Waldek wird zum guten Freund und Helfer Kattakas, der sogar weiß, was getan werden muss, wenn einem nichts mehr einfällt.
Die Farben in der winterlichen Landschaft sind zurückgenommen, es gibt stimmungsvolle Bilder von der Ostseeküste, einmal läuft ein Wolf über ein Feld. Die Menschen, denen Kattaka, Lene und Knäcke begegnen, sind meistens freundlich und hilfsbereit. Diese Erfahrung, sowie natürlich die familiäre Spurensuche des Mädchens und der alten Frau widerlegen Kattakas Stiefvater Daniel, für den Polen anfangs nur sehr fernes Ausland ist und der Russe Alexej „ein Fremder“. Der Film ist allerdings nicht durchgehend spannend und wirkt nicht ganz so stimmig im Aufbau und in der Ausgestaltung wie Schmids Vorgängerfilm „Blöde Mütze!“. Die Charaktere bleiben verhältnismäßig schwach konturiert und laden dadurch auch nicht so sehr zur Identifikation ein.
| FAZIT
Das Roadmovie führt ein Mädchen und eine alte Frau nach Polen, wo sie sich mit ihrer Herkunft auseinandersetzen und neue Freunde finden.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung