Obwohl sich Lightning McQueen in der Wüstenortschaft Radiator Springs niederließ, lockt ihn doch die Herausforderung des World Grand Prix, wo die weltbesten Rennwagen zur Promotion eines neuen Biokraftstoffs gegeneinander antreten. Gemeinsam mit seinem einfältigen Freund, dem rostigen Abschleppwagen Hook, reist er nach Japan, wo besonders sein Erzfeind, der großspurige Italiener Francesco Benoulli, auf ein Kräftemessen dringt. Doch in Tokio geraten die beiden US-Karossen ohne ihr Wissen in einen internationalen Kampf feindlicher Spione. Während der naive Hook auf ein Rendezvous mit der reizenden Holley Shiftwell hofft, ahnt er nicht, dass sie in ihm fälschlicherweise einen Agentenkollegen vermutet, der sie und ihren erfahrenen Kollegen Finn McMissile gegen die Pläne des teuflischen Professors Z unterstützen will.
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| FILMKRITIK
Nach längerer Pause kehrt „Pixar“-Chef John Lasseter bei einem Trickprojekt auf den Regiestuhl zurück. Während er schon bei der „Toy Story“-Fortsetzung erneut die Inszenierung verantwortete, teilt er sich nun mit Kollege Brad Lewis („Ratatouille“) die Regie. Wieder darf der rote Blitz Lighting McQueen Geschwindigkeitsrekorde auf der Rennstrecke aufstellen, doch dieses Mal stehen nicht seine Identitäts- und Daseinskrisen im Fokus, sondern die seines Freundes, des begriffsstutzigen Mater alias Hook. Zwar muss McQueen erst lernen, sich zu dem tollpatschigen Abschleppwagen zu bekennen und selbst in peinlichen Momenten zu ihm zu halten. Dies muss als tiefere Botschaft schon reichen, denn ansonsten baut „Cars 2“ vornehmlich auf pausenlose Action und hohes Tempo.
Im Hinblick auf das internationale Publikum holen Lasseter und Lewis die Protagonisten aus dem südkalifornischen Kleinstadtmilieu des ersten Teils heraus und siedeln die Story in wechselnden globalen Schauplätzen wie Tokio, Rom, Paris oder London an. Auch einige teutonische Klischees wie Autos mit Sepplhut oder der deutsche Gegenspieler Professor Z (gesprochen im Original sowie der Synchronfassung von Thomas Kretschmann) dürfen nicht fehlen. Während der Protagonist des „Cars“-TV-Ablegers „Hooks große Träume“ über weite Strecken im Vordergrund steht, fallen dem restlichen Personal aus Radiator Springs wie McQueens Freundin Sally nur Kurzauftritte zu. Immerhin erinnert man an den verstorbenen Bolidenfan Paul Newman alias Doc Hudson in der Eingangssequenz, dessen Charakter ein Rennpreis gewidmet wird.
Neben der „Formel 1“-Weltmeisterschaft, zu deren Teilnahme McQueen erst mehr oder weniger durch Hook gedrängt wird, soll die Spionageintrige, in deren Verlauf einige Charaktere als Schrott enden, für weitere Konflikte sorgen. Eine feindliche Organisation will einen Kraftstoff in Misskredit bringen und weltweites Chaos verursachen. Ausgerüstet mit allen technischen Finessen, versuchen der blaue britische Abwehrwagen Finn McMissile und seine jüngere Kollegin Holly Shiftwell Professor Z und seine Schurkenarmada zu stoppen. Dabei verwechseln sie den naiven Hook allerdings mit einem clever getarnten Kollegen. Zu den vielen Anspielungen gehört im Original die Besetzung mit Michael Caine als Agentenveteran neben Emily Mortimer – in Erinnerung an dessen Kino-/TV-Reihe um den desillusionierten Geheimagenten Harry Palmer. Die hiesige Fassung verjüngt den Profispion auf vier Rädern mit Dietmar Wunder, Daniel Craigs deutscher Stimme.
Somit begegnet man in beiden Version zahlreiche Stars in vertrauten Parts, doch diese Anspielungen erkennen eigentlich nur ältere Zuschauer: In der Italiensequenz kommen Franco Nero und Vanessa Redgrave zum Einsatz als Onkel und Tante Topolino - gleichzeitig der dortige Name von „Micky Maus“. Prominenten Vertreter der Rennszene wie Lewis Hamilton und US-Kommentator Brent Musburger (als Brent Mustangburger) oder Sebastian Vettel und Kai Ebel in der deutschen Fassung sorgen für Insidergags. Der Soundtrack wird durch den Hit „You Might Think“ der Cars bereichert, allerdings in einer Variante von Weezer. Wenige Gags zielen auf jüngere Zuschauer ab, zumal die Agentenhatz im Mittelteil eher ernste Zügen annimmt und Pointen hier spärlicher gesät sind. Immerhin verzichtete man auf die für einen Trickfilm oft wenig bekömmliche Überlänge des Vorgängers, weshalb das Timing besser gesetzt wirkt.
Schwerer wirkt, dass die Charaktere emotional weniger zugänglich erscheinen als zuletzt bei „Ratatouille“ und „Oben“. Neben all den knalligen Schießerein und rasanten Verfolgungsjagden kommen poetische Momente kaum zum Tragen. Man kommt den Figuren nie wirkliche nahe, was besonders auf die Protagonisten, den dauerquasselnden „Goofy“-Typ Hook und den selbstgefälligen Helden Lighting McQueen zutrifft. Selbst ohne die Klasse der letzten Pixar-Werke erhält man aber immer noch einen unterhaltsamen Computertrickspass mitsamt eines „Toy Story“-Kurzfilms. Dass das Spektakel in Disney-3D präsentiert wird, hat man allerdings schon bei Brillenabgabe wieder vergessen.
| FAZIT
Effektvoll-actionreiche Rückkehr der beliebten „Pixar“-Straßenkreuzer als knallbuntes Agentenabenteuer ohne den Tiefgang des Vorläufers.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung