Montag | 28. Mai 2012 | 14:49 Uhr
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  • FILM REVIEW | Toast
  • Toast

    Drama, Komödie | Großbritannien 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Der neunjährige Nigel ist am glücklichsten, wenn es etwas Gutes zu essen gibt. Aber in seinem Elternhaus im England der sechziger Jahre macht seine lungenkranke Mutter meistens nur Konservendosen warm oder röstet ein paar Scheiben Toast. Denn sie kann nicht kochen und der heimliche Feinschmecker Nigel blättert nachts sehnsüchtig in Kochbüchern. Dann stirbt die geliebte Mutter und lässt Nigel mit seinem reservierten Vater zurück, der nicht viel von seinem Sohn hält.

    Bald macht sich die Putzfrau Joan Potter in der Wohnung und vor allem im Leben des Vaters unentbehrlich. Nur wegen ihrer optischen Reize und ihres guten Essens, stellt Nigel entsetzt fest, macht der Vater der verheirateten Frau aus einfachen Verhältnissen den Hof. Sie verlässt ihren Mann und der Vater zieht mit ihr und Nigel aufs Land. Der Jugendliche bemüht sich um die Aufmerksamkeit des Vaters, indem er seine Lieblingstorte bäckt. Aber die eifersüchtige Joan verteidigt die Küche als ihr alleiniges Revier.
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      • | FILMKRITIK

      • „Toast“ ist die Verfilmung der Autobiografie von Nigel Slater, einem in Großbritannien renommierten TV-Koch und Restaurantkritiker. In seinen in Deutschland unter dem Titel „Halbe Portion. Wie ich lernte, die englische Küche zu lieben“ erschienenen Kindheitserinnerungen verknüpft Slater sein erwachendes Interesse für die Kochkunst mit eher traurigen Erlebnissen in seinem Elternhaus. Drehbuchautor Lee Hall und die TV-Regisseurin SJ Clarkson fabrizieren daraus ein nostalgisches, zartes Drama einer Kindheit in Moll, welches tief in die sechziger und siebziger Jahre in England zurückführt.

        Das Kind Nigel wächst in Wolverhampton auf und geht mit der Mutter oft zum Einkaufen in den Lebensmittelladen. Nigel ist fasziniert von den vielen herrlichen Sachen zum Essen, die es dort gibt, aber auf den Tisch kommt nur Altbekanntes aus den immergleichen Konserven. Einmal überredet der Neunjährige die Mutter, eine Dose Bolognesesauce zu kaufen und dazu selbst Spagetti zu kochen. Bei Tisch rollt Nigel sofort fachkundig die langen Nudeln mit der Gabel auf einem Löffel auf, doch die Eltern verweigern sich, der Vater entsetzt, die Mutter mit einem Asthmaanfall.

        Dennoch hängt Nigel sehr an seiner Mutter und liebt sogar die mit Butter bestrichenen Toastscheiben, die er ihr verdankt. Weil er denkt, der Gärtner habe sich Nigel unsittlich genähert, entlässt ihn der Vater und Nigel verliert einen wichtigen Vertrauten, der ihm die Schönheiten des Gartens und der Natur erklärte. Dann stirbt die Mutter, und Nigel bleibt mit dem abweisenden Vater zurück.

        Der Junge Nigel wird von Oscar Kennedy als aufgewecktes und sensibles Kind dargestellt, der Jugendliche wird von Freddie Highmore gespielt. Beide Darsteller tragen entscheidend zum Charme des Films bei, indem sie die innere Heimatlosigkeit und die unermüdliche Suche Nigels nach etwas Eigenem, nach Erfüllung ausdrücken. Der schroffe und selbstbezogene Vater wird von Ken Stott gespielt, die berechnende Joan Potter bekommt von ihrer Darstellerin Helena Bonham Carter auch weiche und attraktive Züge. Ihr jahrelanger Kampf gegen Nigel, der den Vater nicht bekochen darf, wirkt dabei umso befremdlicher.

        Der Film taucht die Erinnerungen Nigels in nostalgische Brauntöne. Nigels kurze Augenblicke des Glücks im Kontakt mit dem jungen Gärtner und später dem Sohn eines Restaurantbesitzers, oder wenn er einen Kuchen bäckt und stolz dem Vater präsentieren will, schaffen beinahe schmerzliche Kontrapunkte zu der Freudlosigkeit seines Alltags. Bittersüß wie diese Geschichte kann auch der Geschmack von Schokolade sein oder das Erwachen aus einem schönen Traum. Der Film lässt sich allerdings etwas zu stark von dem inneren Konflikten der Hauptfigur vereinnahmen, so dass man sich manchmal, für einen Außenstehenden mit begrenztem Einfühlungsvermögen, zu sehr in privates Erleben hineingezogen fühlt.
      • | FAZIT

      • Bittersüßer Rückblick des britischen Food-Autors Nigel Slater auf eine schwierige Kindheit.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 5.5/10 (2 votes)

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