Montag | 28. Mai 2012 | 14:51 Uhr
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  • FILM REVIEW | Geständnisse - Confessions
  • Geständnisse - Confessions

    Thriller, Drama, Mystery | Japan 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Am letzten Tag des Schuljahres richtet sich Yuko Moriguchi an ihre Schüler der siebten Klasse mit der Nachricht, künftig nicht mehr als Lehrerin arbeiten zu wollen. Während sie mit der Ankündigung kaum Aufmerksamkeit zu erwecken vermag, ändert sich die Situation schlagartig, als die junge Frau enthüllt, die Milch zweier Jugendlicher mit HIV-positivem Blut vergiftet zu haben. Die einst allein erziehende Mutter beschuldigt zwei zunächst noch anonyme Schüler, für den Tod ihrer vierjährigen Tochter Manami verantwortlich zu sein. Bald richtet sich der Verdacht der Klasse auf ihre Kameraden Shuya und Noaki. Während sich der schwächere Naoki aus Angst vor einer AIDS-Infizierung zuhause verkriecht und vor allem seine Mutter nicht mehr an sich heran lässt, reagiert der selbstgerechte Shuya mit Aggression und Gewalt. Längst plant er, mit allen Mitteln gegen Lehrerin und Mitschüler vorzugehen.
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      • | FILMKRITIK

      • Im Bezug auf Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zeigt sich das asiatische Kino schon immer wenig zimperlich. Was sich Hollywood niemals trauen würde, ist im japanischen oder kantonesischen Kino an der Tageordnung, um Emotionen zu schüren. In Johnny Tos Martial Arts-Hit „Heroic Trio“ wird etwa ein Baby aufgespießt, und in „Beyond Hypothermia“ tötet die Protagonistin, eine Profikillerin, bereits in der Eingangssequenz ein Kind – um nur zwei Werke zu nennen, die der (einstige) Asienspezialist REM in Deutschland in die Kinos brachte. In Japans diesjährigen Beitrag zum Auslandsoscar behauptet eine Lehrerin zu Beginn, zwei Schüler mit verseuchter Milch vergiftet zu haben. Dies stellt sich allerdings erst als Auftakt eines tödlichen Tauziehens zwischen der jungen, verbitterten Mutter und ihren jugendlichen Gegenspielern heraus, das eine Kette an Gewaltakten, Hasstiraden und fatalen Aktionen nach sich zieht.

        Im Grunde handelt es sich bei „Confessions“ um die härtere Variante von „Heute trage ich Rock“, in dem Isabelle Adjani ihre Schulklasse als Geisel nimmt, um sich Gehör zu verschaffen. Stete Demütigungen und Respektlosigkeiten tragen dazu bei, dass das pädagogisch geschulte Personal irgend wann nicht mehr weiter weiß und zu extremen Taten greift. Gleich mit Mord gegen Minderjährige zu drohen, gehört allerdings zu den perfideren Methoden. Bei seiner Deutschlandpremiere auf dem Münchner Filmfest warfen Kritiker dem düsteren Drama seine zynische Grundhaltung vor, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist, wobei dies auf zahlreiche asiatische Rachegeschichten zutrifft.

        Ein anderer Kritikpunkt, der fast unablässige Musikteppich, zählt jedoch zu den Mitteln der Spannungssteigerung, womit die Handlung vorangetrieben und relativ schnell eine soghafte Stimmung aufgebaut wird. Besonders der knapp halbstündige Prolog vor dem Vorspann mit Yukis fatalem Geständnis vor ihrer Klasse erweist sich als dichte, stilisierte Introspektive einer von Vergeltungsgelüsten zerfressenen Frau. Auch farblich virtuos spielt Regisseur Tetsuya Nakashima hier mit zugespitzten filmischen Erzählprinzipien wie extreme Kameraperspektiven, Rückblenden, Traumvisionen, Slow Motion und Beschleunigung, verbunden mit einem ausgefallenen Klangteppich.

        In Folge kann er den komplexen Spannungsbogen des Einstiegs zwar nicht ganz durchhalten, ohne aber derart stark abzufallen wie in seinem knallbunten Spektakel „Kamikaze Girls“ von 2004. In einzelne Kapital unterteilt, schildert Nakashimas verstörender Thriller das weitere Kräftemessen der ungleichen Parteien aus wechselnden Perspektiven, wobei die Wahl der Waffen immer drastischer ausfällt und es letztlich keinen Sieger geben kann. Dazu liefert er kompromisslose Aspekte zu Themen wie Generationskonflikte, Familienbindung, Mobbing und schulische Hackordnungen, bleibt in seiner Aussage und dem makaberen Witz aber politisch bewusst völlig unkorrekt.
      • | FAZIT

      • Spannend und virtuos erzählte Chronik eines kompromisslosen Rachefeldzugs einer traumatisierten Mutter mit bitterem Unterton.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 6.8/10 (4 votes)

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