Montag | 28. Mai 2012 | 14:53 Uhr
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  • FILM REVIEW | Habemus Papam - Ein Papst büxt aus!
  • Habemus Papam - Ein Papst büxt aus!

    Drama, Komödie | Frankreich / Italien 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Der Papst ist tot und der Vatikan trauert. Um einen neuen Papst zu bestimmen, tritt ein Konklave zusammen. Die Kardinäle sind sich allerdings uneinig, denn niemand der Anwesenden möchte das schwere Amt des Papstes aufgebürdet bekommen. In Stoßgebeten wünschen sie sich, es möge doch den jeweils anderen treffen. Die wartenden Massen auf dem Petersplatz werden immer wieder mit dem Aufstieg von schwarzem Rauch vertröstet und erst nach einigen Wahlgängen kann verkündet werden: „Habemus Papam“.

    Die klassische Verkündungszeremonie wird allerdings jäh unterbrochen, als der Auserwählte einen nervlichen Zusammenbruch erleidet. Die versammelten Gläubigen auf dem Petersplatz müssen vertröstet werden – zunächst um einige Stunden, dann um Tage. Der Pressesprecher des Vatikans ist ratlos und so probiert man eine ungewöhnliche Lösung: Ein Psychotherapeut (Nanni Moretti) soll dem unentschlossenen Papst (Michel Piccoli) auf die Sprünge helfen.
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      • | FILMKRITIK

      • In einem beispiellosen Selbstfindungsprozess wandelt ein frisch erwählter Papst durch die Straßen von Rom. Noch unverkündet, und deshalb unerkannt, fährt er stundenlang im Bus durch die Stadt und redet mit sich selbst. Wie ein seniler Alter wirkt er – auch der Papst ist nur ein Mensch. Auf der Flucht vor der Kirche möchte er erst einmal dem Inhalt des eigenen Lebens auf den Grund kommen. Wie soll er führen, wenn er selbst nicht den eigenen Weg kennt? So viel Selbstehrlichkeit überrascht.

        Der Vatikan engagiert einen angesehenen Therapeuten, um dem Auserwählten auf den Zahn zu fühlen. Die Welten der streng gläubigen Kardinäle und des atheistischen Therapeuten treffen dabei aufeinander und es wirkt freilich grotesk, wie der Therapeut vor dem versammelten Konklave die Psyche des neuen Papstes erkunden soll. Je leiser er spricht, desto näher treten die Kardinäle heran, um den Beichten des neuen Oberhauptes zu lauschen. Was wie Klamauk klingt, wird in „Habemus Papam“ mit hohem Feingefühl und in großer ästhetischer Bewunderung der kirchlichen Prozessionen inszeniert. Regisseur Nanni Moretti blickt nicht auf das Geschehen herab, sondern befindet sich – nicht zuletzt durch die Verkörperung des Therapeuten – auch mitten drin.

        So wie die Kardinäle anfangs als gleichförmige Menge an Journalisten zur Wahl vorbei schreiten, so werden bald ihre menschlichen Züge hervorgehoben. Keiner der bei der Papstwahl Anwesenden darf an die Außenwelt treten, bis der gewählte Papst verkündet wurde – auch der hinzu gerufene Therapeut. Durch das Warten auf den Papst sitzen alle Beteiligten im selben Boot und müssen sich wohl oder übel miteinander die Zeit vertreiben – das Ganze mündet in einem emotionsstarken Volleyballturnier, dass Moretti’s Figur organisiert.

        Das Warten auf den Papst kommt in „Habemus Papam“ dem Warten auf einen neuen Hoffnungsträger gleich. Er soll die Aufgabe bewältigen, die Kirche mit unserer modernen Welt zu versöhnen – ein Unterfangen das kaum gelingen kann. Doch bereits das Warten selbst wirkt therapeutisch – Papst und Kardinälen gelingt ein kurzer Ausbruch aus dem Alltag. Auch wenn der Film das Scheitern der Kirche impliziert, so hinterlässt er dennoch eine positive Botschaft. Immer wieder lenkt er den Fokus auf kleine und alltägliche Dinge, wie einem Kartenspiel, das der Therapeut neu erlernen muss und mit einem psychologischen Trick gewinnen kann.

        Ebenso wirkt das Geschehen in den prachtvollen Drehorten und mit einer grandiosen und eindrucksvollen Kostümierung durch die lebhaften Figuren bemerkenswert frisch und keineswegs antiquiert. Der Konflikt zwischen weltlichem und geistlichen Leben steht nicht im Vordergrund, vielmehr dient der Vatikan als Hintergrund für den Konflikt eines Mannes, der mit seinem Leben zufrieden schien und seinen neuen Aufgaben nicht gewachsen ist - einer der Antworten geben soll, aber selbst keine finden kann.

        Auch wenn „Habemus Papam“ das undenkbare postuliert, ist er wohl ein Film, der sowohl gläubige als auch ungläubige Kinogänger zum Schmunzeln bringen wird. Humorvoll, politisch korrekt und gleichzeitig bewegend zu sein, das ist eine große Leistung für einen kleinen Film.
      • | FAZIT

      • Liebevoll und pointiert erzählt bietet „Habemus Papam“ eine seltene, feingliedrige Form von Komödie. Solche Filme würden wir gern öfter sehen!
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Julius Pöhnert

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (3 votes)

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