Der renommierte Arzt Robert Ledgard (Antonio Banderas) stellt auf einer Konferenz bemerkenswerte Forschungsergebnisse vor: stich und feuerfeste Haut hat er entwickelt, die die Welt der plastischen Chirurgie revolutionieren kann. Heimlich testet er seine Forschungsergebnisse nicht an Mäusen, sondern am Menschen. In einem Gewölbe unterhalb seines Anwesens hat sich Dr. Ledgard einen Operationssaal gebaut, in dem er geheime OPs und Experimente durchführt.
Doch wer ist Vera (Elena Anaya), die mysteriöse Frau, die sich bereitwillig seinen Experimenten hinzugeben scheint? Ledgard’s Villa bekommt unerwarteten Besuch von seinem verschollenen Bruder. Im Tigerkostüm erschleicht dieser sich Zugang zur Villa und vergewaltigt Vera, in der er Ledgard’s ehemalige Frau und gleichfalls seine ehemalige Geliebte zu erkennen scheint. Doch die ist tot, bei einem Autounfall verbrannt. Dr. Ledgard hat sich fanatisch in seine Forschungen gestürzt, um ein Wesen zu schaffen, dass bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der Verschiedenen aufweist. Auf einem seiner zahlreichen Überwachungsmonitore muss er das Geschehen beobachten und setzt diesem schließlich ein Ende. In Rückblenden sehen wir, wie es zu den eingangs gezeigten Ereignissen kam: Eine Geschichte voller Wahnsinn, Rachsucht und Leidenschaft.
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| FILMKRITIK
Als moderner Dr. Frankenstein erschafft sich Antonio Banderas als Robert Ledgard seine Vision einer Frau. Regisseur Almodóvar präsentiert mit „Die Haut in der ich wohne“ ein spannendes Puzzlespiel und fügt aus Träumen, Rückblenden und Erinnerungsfragmenten ein groteskes Bild zusammen. Als fanatischer Wissenschaftler kann Antonio Banderas in kühler und charmanter Weise zwar beeindrucken, zeigt jedoch auch ein Problem des Films auf: Der Mangel an sympathischen Identifikationsfiguren. Die Charaktere des Films sind Ihren Schicksalen erlegen. Vera erliegt in der Gefangenschaft dem Charme des Doktors, dessen Mutter bleibt in ihrer Loyalität stets unerschüttert. Bald lernen wir, dass alle Ereignisse auf einem Unfall, einem großen Missverständnis beruhen. Lediglich Ledgard’s wahnsinnige Forschungen bleiben da echt und real. Wie ein Norman Bates in Psycho führt er sein Unterfangen rational und kühl aus, man ist geneigt ihm Erfolg dabei zu wünschen – auch wenn man weiß, dass hier vieles falsch läuft.
Als ein Seitenhieb auf den klassischen Horrorfilm ist das Labor des mysteriösen Doktors in einem unterirdischen Gewölbe angesiedelt. Doch entgegen allen klischeebehafteten Erwartungen kommt hier reine Hightech zum Einsatz. Mit illegalen und geheimen Operationen verdient Ledgard zusammen mit Kollegen viel Geld, nur sein liebstes Forschungsobjekt bleibt sein Geheimnis. Vera muss in einem hermetisch abgeriegelten Raum leben, von Videokameras gefilmt und von Ledgard auf einem riesigen Bildschirm beobachtet.
„Die Haut in der ich wohne“ ist ein Film über Identitäten, über Macht und gesellschaftliche Normen. Almodóvar ästhetisiert den grotesken Schrecken und inszeniert seinen Film in einem zeitlosen Ambiente in Bildern voll klarer Farben, Linien und Formen. Dr. Ledgard scheint aus den 50er Jahren entsprungen, seine Villa aus den 70ern, während die moderne Labortechnik aus der heutigen Zeit stammt. Ähnlich wie für die im Experiment gefangene Vera löst sich für den Zuschauer jeglicher zeitliche Kontext auf.
Letztlich gibt es kein richtig oder falsch, keiner der Beteiligten kann in dem hier gezeigten, perfiden Spiel gewinnen. Almodóvar lässt sein Publikum ratlos darüber zurück, indem er das Gezeigte nicht wertet, keine Stellungnahme zum Geschehen geben will. Männlichkeit und Weiblichkeit, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse sind fluktuierende Status die sich beliebig verändern. Durch seine kunstvoll verwobene Erzählung vermag „Die Haut in der ich wohne“ den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, durch die filmische Ästhetisierung und die Charakterisierung seiner Figuren hält der Film diesen aber gleichzeitig auf Distanz. Wie einem wissenschaftlichen Objekt nähern wir uns deshalb dem Gezeigten, kühl und distanziert, wie Banderas dies als Doktor tut – nur dessen fanatische Leidenschaft kann uns nicht ergreifen.
| FAZIT
Pedro Almodóvar präsentiert einen spannenden Thriller über das menschliche Wesen. Auch wenn uns die im Film gezeigten Schicksale nahe gehen, werden wir durch die kühle Inszenierung auf emotionaler Distanz gehalten und so ist „Die Haut in der ich wohne“ ein geschickt kalkuliertes Gedankenspiel.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung