Montag | 28. Mai 2012 | 14:01 Uhr
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  • FILM REVIEW | Somewhere Tonight
  • Somewhere Tonight

    Komödie, Romanze | Niederlande / USA 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Leroy (John Turturro), genannt Wooly, hört sich auf einer Sexhotline Datinganzeigen an. Der Text von Patricia (Katherine Borowitz) bietet ein Kontrastprogramm zu den meist abgründigen Ansagen. „Patti“ gefällt ihm – beide mögen Fischstäbchen. Leroy hinterlässt eine Nachricht für sie auf der Hotline, einige Zeit später ruft Patti zurück.

    Die beiden beginnen sich telefonisch kennen zu lernen und geben ein merkwürdiges Paar ab. Leroy mit seinen Mitte 40 und noch Jungfrau, Patti in ihrem lichtdicht abgeschlossenen Apartment, das sie niemals verlässt. Tagelang reden sie immer wieder miteinander, lernen sich kennen und stellen sich Orte vor, die sie gemeinsam besuchen und Dinge, die sie gemeinsam tun.

    Das Telefon bietet Leroy die Möglichkeit, sich besser daszustellen. So ist er für Patty blond, hochgewachsen und zehn Jahre jünger – sein Hund Amazing Helmut, real ein eher kläglicher Haufen, ein statthaftes Tier. Patty und Leroy erleben am Telefon ein Leben, wie sie es sich wünschen ... doch können sie dieses auch tatsächlich erreichen?
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      • | FILMKRITIK

      • „Somewhere Tonight“ zeigt ein faszinierendes Kammerspiel, dessen Protagonisten sich nicht treffen. John Turturro und – am anderen Ende der Leitung – Katherine Borowitz verkörpern zwei Figuren, die sich nur über das Telefon begegnen. Regisseur Michael Di Jiacomo verbindet die Geschehnisse in den beiden Appartements visuell und dramaturgisch geschickt miteinander, lässt den Fokus dabei jedoch stets auf dem grandiosen Spiel seiner Hauptdarsteller.

        Aus dem Leben von Leroy sehen wir nur einige Fragmente: Sein Bruder kommt kurz zu Besuch, er selbst betritt die Wohnung in Arbeitskleidung oder begegnet der mürrischen Mrs. Pecorino im Hausflur. Patti hat kein Leben, ihre einzige Interaktion mit der Außenwelt beschränkt sich auf das Lauschen nach dem Geigenspiel ihrer Nachbarin und nach einem Vogel, der immer wieder vor ihrem verdunkelten Fenster singt.

        Beide kommen mit ihrer Umwelt nicht klar und schöpfen durch ihre Gespräche neue Hoffnung. Ihre Dialoge sind mit viel trockenem Humor gewürzt. Besonders wenn Leroy von seinem Hund erzählt, die beiden ihre erste gemeinsame telefonische Tanzstunde nehmen oder Patti versucht, Leroy’s Eifersucht zu wecken, regt der Kontrast zwischen den Geschehnissen in den beiden Wohnungen zum Schmunzeln an.

        Optisch sind sich die beiden Apartments allerdings sehr ähnlich, so dass die Grenzen zwischen Patti’s und Leroy’s Wohnraum auch im Splitscreen visuell verschwimmen. Die braun-beigen Wohnwelten im Film sind wahrlich kein Sehgenuss, sollen sie doch die Stagnation seiner Protagonisten illustrieren. Symbole für Erinnerungen und Träume von Leroy und Patti treten aus dieser Umgebung eindringlich hervor. Als Leroy eine bunte Halloweenmaske hervorholt und sich aufsetzt, hört Patti seinen Kindheitserzählungen nur halbherzig zu – ausgerechnet die Veranstaltungsanzeigen in der Zeitung scheinen ihr spannender. Leroy soll für sie zu einem Event gehen, doch der sitzt in seiner Horrormaske auf dem Sofa, schwelgt in Erinnerungen und regt sich darüber auf, dass Patti ihm nicht zuhört.

        Auch die erste Beziehungskrise erleben Patti und Leroy damit am Telefon. Patti scheint entzückt darüber, diese Norm bereits telefonisch erfüllen zu können. Leroy reagiert eher männlich und genervt. „Somewhere Tonight“ spinnt die Geschichte um die ungewöhnliche Telefonfreundschaft immer weiter und beeindruckt mit seiner gleichermaßen komischen und stillen Romanze. Durch den jeweils Anderen lernen Patti und Leroy viel über sich selbst und ihr Zuschauer lernt, über menschliche Bedürfnisse nachzudenken.
      • | FAZIT

      • Vielleicht kein perfekter Film für das erste Date – John Turturro und Katherine Borrowitz spielen bei ihrem Telefontreff zwei eher schwierige Fälle. Mit trockenem Humor und einem Blick fürs Detail gelingt Regisseur Michael Di Jiacomo eine ergreifende Romantikkomödie.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Julius Pöhnert

      • | Userwertung

      Wertung: 2.0/10 (1 vote)

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