David Rousseau ist Kriminalschriftsteller und ausgebrannt. Um die Schreibblockade zu überwinden und neue Inspiration zu finden, reist er in den französischen Jura, nach Mouthe, in den kältesten Ort Frankreichs. Dort wurde zu Rousseaus Glück gerade die Leiche der Lokalberühmtheit entdeckt: Candice Lecoeur, das junge, schöne Aushängeschild der Region dank Käsewerbung und Wetteransagen im Lokal-TV, wurde tot im Schnee gefunden. Genau im Niemandsland zwischen Frankreich und der Schweiz, da ist keine Polizei zuständig, sie hatte Schlaftabletten in der Hand – kurzum: Selbstmord, beschließt der örtliche Kommissar. Doch Rousseau ermittelt weiter: Da sind Kratzer an Candices Hand, ein Band ihrer Tagebücher fehlt, und überhaupt fasziniert ihn diese Frau – und sie gibt ihm Ideen für einen neuen Krimi-Roman... Rousseau recherchiert ihr Leben, inoffiziell unterstützt von einem örtlichen Polizisten. Und stellt nicht nur Ungereimtheiten bei der Todesursache fest und Schlampereien bei der Polizei, sondern auch überraschende Parallelen des Lebens der jungen Frau mit der Biographie von Marilyn Monroe. Haben etwa auch der Regionalpräsident und dessen Bruder – analog zu JFK und Bruder Robert – ihre Hände im Spiel?
WERBUNG
| FILMKRITIK
Eine Tote im Schnee ist noch keine große Sache. Wenn diese aber wasserstoffperoxidblondiert ist, Schlaftabletten in der Hand hält, zudem eine regionale Berühmtheit im französischen Jura ist, ist das schon was anderes. Wenn sie außerdem noch genau im Niemandsland zwischen Frankreich und der Schweiz liegt, da, wo keine Polizei zuständig ist und daher auch keine Ermittlungen aufgenommen werden, ob es sich vielleicht doch um Mord handeln könnte – dann ist das Inspiration genug für einen Kriminalautoren wie David Rousseau, dem einfach keine neue Idee für einen neuen Roman um Kommissar Voltaire einfallen will.
Rousseau macht Ferien, will seine Schreibblockade überwinden in dem Kaff Mouthe, dem kältesten Ort Frankreichs – und gerät hinein in diesen seltsamen Kriminalfall, der ganz aus einem seiner eigenen Büchern hätte entsprungen sein können. Martine Langevin heißt die Tote, sie nannte sich Candice Lecoeur, war La Belle de Jure, wenn sie Käsewerbung machte, war das Wettergirl im regionalen TV-Sender: Der Stolz der ganzen Gegend. Und ist jetzt tot. Womit klar ist: Hinter der Kleinstadtidylle lauern Abgründe, irgendwo sitzt das Böse, und wer weiß, wer alles seine Hand mit im Spiel hat.
Wobei dieses Niederreißen gutbürgerlicher Fassaden nie die Tiefe oder das Fiese wie bei David Lynch oder etwa in „Fargo“ erhält – Vergleiche drängen sich auf –; weil es in „Poupoupidou“ sehr viel spielerischer, unernster zugeht, auch in Bezug auf die untergebaute Infragestellung der Provinzidylle. Schließlich wird Rousseau, der Ermittler, stets von allerlei Dorfbewohnern auf die Ungenauigkeiten und Unplausibilitäten in seinem Romanwerk hingewiesen – was ironisch auch den Film selbst mitreflektiert –, und zu den selbstreferentiellen Parallelen zwischen Filmhandlung und der Romanfiktion im Film kommt auch noch die Analogie zu Marilyn Monroe hinzu. Candice Lecoeur hat sich mit MM identifiziert – und Rousseau deckt eine Menge Ähnlichkeiten auf, etwa die Liebe zu einem Sportstar, auch die zum Regionalpräsidenten und dessen Bruder, die auf Monroes Biographie verweisen... Was den Film dichter macht, auch eine weitere Ebene von Witz drauflegt und zudem alles noch spannender gestaltet – was aber eigentlich nur wenig mit den Charakteren und ihren Motivationen zu tun hat.
Weil eben alles in satirischem Ton gehalten ist, mit frischem Esprit und vielen komischen Momenten – und zugleich mit der Ambition, spannende Kriminalunterhaltung zu bieten. Beides gelingt, denn die Mischung stimmt: Wenn sich Rousseau zum Affen macht, indem er streng lauschend durch den Schnee stapft, um dem Knirschen nachzusinnen, oder indem er auf vereister Straße erstmals seit Jahren wieder auf einem Motorroller zu fahren versucht – dann ist das nicht nur leichter Slapstick, sondern bezieht sich auch auf die Unsicherheit und Fremdheit des Krimiautors in einer Dorfgemeinschaft, und auf seine Unfähigkeit, im Leben und im Beruf etwas Substantielles hinzukriegen. Im Fall der toten Schönen aus dem Jura kann er sich endlich selbst übertreffen, kann einmal was zustande bringen; und außerdem ist er neugierig, und außerdem geschmeichelt, weil Martine/Candice großer Fan seiner Romane war...
| FAZIT
„Poupoupidou“ ist lockere Unterhaltung, ein schöner, nicht unspannender, aber auch nicht spektakulärer Spaß. Was Drehbuch und Inszenierung angeht, mit einem raffiniert verschachtelten Mordfall und dem ironischem Umgang mit den Klischees so gut gemacht, dass der Film nie billig, nie trivial, sondern ausgesprochen amüsant wirkt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Harald Mühlbeyer
| FILMPLAKAT
Derzeit ist kein Plakat für diesen Film vorhanden.