Montag | 28. Mai 2012 | 14:11 Uhr
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  • FILM REVIEW | Angèle und Tony
  • Angèle und Tony

    Drama | Frankreich 2010
  • | INHALTSANGABE

  • In einem Küstendorf der Normandie meldet sich der bullige Tony Vialet (Grégory Gadebois) auf eine Heiratsanzeige der unsteten Angèle (Clotilde Hesme), wobei er selbst eher eine Pflegekraft für seine Mutter Myriam (Evelyn Didi) sucht. Brüsk weist er zunächst die direkten Annäherungsversuche der jungen Frau zurück, die über ihre Vergangenheit schweigt, da sie zuvor mit dem Gesetz im Konflikt stand. Gegen den Willen seiner Mutter stellt Tony sie als Aushilfe auf dem Fischmarkt ein und gewährt ihr Kost und Logis. Obwohl der zurückhaltenden Fischer sich zu Angèle hingezogen fühlt, scheint es ihm unvorstellbar, dass sie ernste Absichten mit ihrem Heiratsantrag hegt.
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      • | FILMKRITIK

      • Mit zwei trefflich besetzten Hauptdarstellern schildert Alix Delaporte die langsame Annäherung zweier konträrer Charaktere vor dem glaubwürdig gezeichneten Fischeralltag eines Küstenstädtchens in der Normandie. Die Ex-Dokumentarfilmerin setzt auf starke Bilder, realistische Details und Emotionen, um relativ schnell eine unterschwellige Spannung aufzubauen. Man merkt es ihrer kenntnisreichen Inszenierung an, wie sie mit wenigen Strichen das maritime Leben, das Fischausweiden und den Handel mit dem Meeresfang zeichnet, dass sie mit den regionalen Gegebenheiten sowie dem Menschenschlag vertraut ist. Delaporte benötigt keine ausufernden Dialoge, um ihr Personal zu charakterisieren, sondern lässt lieber die atmosphärischen Aufnahmen für sich sprechen.

        Zu Beginn konzentriert sie sich auf die Gegensätze zwischen dem Paar: hier die hagere, hübsche junge Frau, eine impulsive Diebin und Lügnerin, dort der schweigsame, korpulente Fischer, der ihr mit Misstrauen begegnet. Der Konflikt beziehungsweise die schrittweise Verständigung erwächst aus dem Unausgesprochenen, das zunächst zwischen den Protagonisten steht. Erst langsam enthüllt sich die Wahrheit über Angèles Vergangenheit – etwa, dass sie einen Jungen hat, der bei den Schwiegereltern lebt. Um ihn zurück holen zu können, versucht sie Tony zu einer Heirat zu überreden, was für den schweigsamen Einzelgänger außer Frage steht. Über ihre Vorgeschichte schweigt sich die promiskuitive junge Frau geflissentlich aus. Ihren so einfachen wie direkten Figuren passt sich Delaportes unsentimentaler Inszenierungsstil an.

        Mit der charismatischen Clotilde Hesme, hierzulande bekannt aus „Der fliegende Händler“ sowie einigen Filme an Louis Garrels Seite, und dem Theaterschauspieler Grégory Gadebois fand Alix Delaporte zwei überzeugende Akteure für ihr desillusioniertes Personal. Nach eigenen Angabe entdeckte sie Dubois an der Seite von Hesme auf der Bühne. Selbst die Fischer am Drehort hielten den zupackenden Darsteller für so überzeugend, dass ihn sie ihn als einen der ihren akzeptierten. Im Hintergrund schwingt stets deren desolate Situation mit an, ohne dass sich der sozialkritische Anstrich stark in den Mittelpunkt drängt. Daher mag das harmonische Ende etwas zu forciert wirken, doch man gönnt den Figuren durchaus einen Ausweg aus ihrer verfahrenen Lage.
      • | FAZIT

      • Überzeugendes Debüt um die schwierige Annäherung eines ungleichen Paars ohne Kitsch und Pathos.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 0.0/10 (0 votes)

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