Montag | 28. Mai 2012 | 19:53 Uhr
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  • FILM REVIEW | Trust - Die Spur führt ins Netz
  • Trust - Die Spur führt ins Netz

    Thriller, Drama | USA 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Die vierzehnjährige Annie (Liana Liberato) wächst in einer behüteten Welt auf. Ihr Vater Will (Clive Owen) und ihre Mutter Lynn (Catherine Keener) umsorgen ihre Kinder liebevoll. Während Annie sich im Volleyball Team ihrer Schule Bestätigung und Freundschaft holt, bereitet sich ihr älterer Bruder Peter (Spencer Curnutt) darauf vor, aufs College zu gehen.

    Annie hat einen Freund - Charlie. Sie hat ihn noch nie gesehen, weil er an der Westküste lebt, aber die beiden halten übers Internet und das Telefon ständigen Kontakt zueinander. Charlie spielt auch Volleyball für seine Highschool, er ist 16 Jahre alt und bald kann sich Annie nicht vorstellen, dass es jemals wieder einen Jungen geben wird, der sie so gut kennt und so gut versteht wie Charlie.

    Doch dann macht Charlie ein überraschendes Geständnis. Er ist gar nicht 16 Jahre alt, sondern er geht bereits aufs College. Eigentlich geht er gar nicht aufs College, sondern er ist bereits Mitte zwanzig. Nach und nach sickert die Wahrheit heraus und Annie kommt nicht umhin ihn zu fragen, warum er einfach nicht aufhören kann zu lügen.

    Dennoch verabredet sie sich mit ihm in einem Einkaufszentrum. Als Charlie (Chris Henry Coffey) schließlich auftaucht, ist schnell klar, dass er eigentlich um die vierzig ist. Aber Annie geht nicht, denn er ist trotz allem der Charlie, der sie immer wieder aufgefangen hat, der sie versteht wie kein Zweiter. Charlie hat ihr Unterwäsche mitgebracht, als Geschenk. Annie fährt mit ihm auf ein Hotelzimmer. Dort schläft er mit ihr.

    Annie ist verstört, sie weiß nicht, wie sie mit der Situation umgehen soll. Ihre beste Freundin hat sie zusammen mit Charlie im Einkaufszentrum gesehen und informiert die Schulleitung. Das FBI beginnt die Ermittlungen. Annie wird vor den Augen der Mitschüler von der Polizei abgeführt. Ihre Eltern verstehen ihre eigene Tochter nicht mehr, ihr Vater Will beginnt rastlos zu werden, er will, dass dieser Charlie geschnappt wird, er will Rache. Zu allem Überfluß meldet sich Charlie nicht mehr bei Annie, sie kann ihn nicht erreichen.

    Die Gesellschaft, die sie eigentlich auffangen sollte, wird für Annie zum Feind. Es gibt niemanden, der sie versteht, es gibt niemanden, dem sie sich anvertrauen kann. Ihre Psychologin ist die Einzige, die Annie einfach Annie sein lässt. Die Kluft zum Rest der Welt wird immer größer und Annie, als Teenager, der sie nunmal ist, flüchtet sich in ihre eigene Welt und bringt ihrer Umwelt nur noch kühle Arroganz entgegen.
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      • | FILMKRITIK

      • Es gibt nur wenige Filme über Kindesmissbrauch, die der Klischeefalle entgehen und dabei bis auf die Knochen wahrhaftig bleiben. Trust ist ein solcher Film und Regisseur David Schwimmer, der vielen noch bekannt ist aus seiner Zeit als Ross aus „Friends“, hat sich hier als Filmemacher wortwörtlich freigeschwommen von gängigen Vorurteilen und dem erhobenen Zeigefinger anderer Projekte.

        So hehr auch der Gedanke ist, dieses Tabuthema der heutigen Gesellschaft filmisch anzuprangern - oft scheitert der Versuch an übermoralischen Drehbüchern und Schauspielern, die sich nicht in ihre Rolle einfinden können. Doch hier ist Trust die angenehme Ausnahme. Das Drehbuch von Andy Bellin und Robert Festinger wirft einen unverhohlenen Blick auf die dunklen Seiten der Gesellschaft und Jungschauspielerin Liana Liberato bietet eine unvergessliche Performance. David Schwimmer, der sich seit Jahren mit dem Thema auseinander setzt und in vielen karitativen Einrichtungen tätig ist, konnte hier ganz klar von seiner Nähe zum Thema profitieren und so für eine authentische Umsetzung sorgen.

        Trust ist ein höchst verstörender Film, der psychologisch durchdacht ist und in dem die Charaktere immer ihrer eigenen Logik folgen. Der Dreh- und Wendepunkt ist Liana Liberatos Darstellung von Annie. Die Vierzehnjährige hat im Film unzählige Momente umzudrehen. Sicherlich hat sie bereits von Kindesmissbrauch gehört, sicherlich weiß sie, dass sie sich einem Fremden aus dem Internet nicht einfach anvertrauen sollte. Und sicherlich ist ihr der Ernst der Lage zumindest theoretisch bekannt, wenn sich „ihr Charlie“ als vierzigjähriger Familienvater entpuppt. Und dennoch geht sie mit ihm mit, dennoch lässt sie alles über sich ergehen.

        An diesem Punkt muss sich der Zuschauer entscheiden. Entweder kauft man Liberato ihre Darstellung von naiver Neugier und jugendlichem Leichtsinn ab, oder man hinterfragt die Glaubwürdigkeit dieser Entscheidungen. Sollte zweiteres der Fall sein, kann man den Kinosaal auch hier und jetzt verlassen, denn alles was danach kommt, steht und fällt mit der Authentizität dieser Entscheidungsmomente.

        Dies liegt in keinster Weise an Liana Liberatos Spielweise, sondern an der schieren Unvorstellbarkeit der Situation. Wie kann man so doof sein - wie kann man so naiv sein - man erwartet zumindest eine Szene, in der er sie überwältigt, in der er Gewalt benutzen muss. Aber nein - sie geht einfach mit. Und dennoch - hier saugen sich die Filmemacher keine ambitionierte und möglichst effektheischerische Geschichte aus den Fingern, sondern das ist oftmals die Realität.

        Im Verlauf des Filmes wird jedoch klar, dass der Missbrauch durch Charlie nur der erste Akt von Gewalt gegen die junge Annie ist. Obwohl die Gesellschaft doch für diese Fälle gewappnet sein müsste und Annie auffangen müsste, schlagen ihr ihre Mitmenschen immer wieder erneut ins Gesicht. Ihr Vater Will kann sie nicht verstehen. Statt ihr zuzuhören und rückhaltslose Liebe entgegen zu bringen, sinnt er auf Rache. Die Kluft zwischen ihm und ihr wird immer größer. Clive Owen bietet eine anrührende und kompromisslose Darstellung eines Mannes, dem die Gesellschaft immer suspekter wird und der den einzigen Ausweg in Selbstjustiz sucht. Annies Psychologin jedoch bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt, dass Menschen immer wieder verletzt werden. Es jedoch darum, dass man sich danach gegenseitig wieder auf die Füße hilft.

        Doch außer der Psychologin hilft Annie niemand auf die Füße. Ihre Mitschüler filmen sie, als sie von der Polizei abgeführt wird, ihre beste Freundin hat sie verraten, ihr Vater ist auf einem irren selbstgerechten Trip. So braucht es eine ganze Weile, bis Annie sich von ihrer idealisierten Vorstellung der Realität lösen kann. Zwischenzeitlich bietet sie ihrer Umgebung all den Zorn und die Arroganz, die nur ein sich missverstandener Teenager aufbauen kann.

        Durch diese differenzierte Betrachtungsweise und schonungslose Aufarbeitung des Realisierungsprozesses, gehört Trust zu einem der besten Filme des Jahres und ist es unbedingt wert angesehen zu werden.
      • | FAZIT

      • Schonungsloser und verstörender Film über Kindesmissbrauch, der sich ganz ohne moralischen Fingerzeig seinen Charakteren widmet.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Laura Samide

      • | Userwertung

      Wertung: 7.5/10 (8 votes)

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