Nachdem sie zuletzt noch auf der Theaterbühne stand, kehrt Schauspielerin Colleen West (Ellen Barkin) ihrem Metier den Rücken. 35 Filme in 30 Jahren lautet ihr Fazit, doch nun steht ihre Karriere am Ende. In ihrem abgelegenen Berghaus erinnert sich die alternde Diva an ihre Affäre mit dem jungen Kollegen Harvey West (Luke Grimes), ihr letztes Jahr in Hollywood und das letzte Interview. Während einzig ihr Bruder Rick (Bob Einstein) zu Besuch vorbei schaut, fühlt sich Colleen ansonsten in ihrer Einsamkeit vom Baulärm und ihrer aufdringlichen Nachbarin Shelly (Melora Walters) gestört.
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| FILMKRITIK
Mit seinen Filmen macht es Regisseur Cam Archer dem Zuschauer keineswegs leicht, da er auf eine lineare Handlung verzichtet und die rudimentären Plots fragmentarisch aufbaut. Während sein Debüt „Wild Tigers I Have Known“ von 2006 die Coming-of-Age-Story eines homosexuellen Teenagers erzählte, konzentriert er sich jetzt auf den teils freiwilligen, teils erzwungenen Abgesang einer Hollywood-Diva. In einem langen Bewusstseinsstrom erinnert sich die stets noch verführerische Ellen Barkin als resignierte, desillusionierte Darstellerlegende Colleen West an ihr „Shit Year“ – ihre Affäre mit einem jüngern, attraktiven Kollegen und an ihre letzten Auftritte.
Ähnlich Steven Soderberghs Independent-Arbeiten wie „Girlfriend Experience“ zerteilt Archer bestimmte Sequenzen, etwa Colleens letztes Interview, und flechtet Brückstücke daraus in die minimalistische Handlung ein. Ähnlich verhält es sich mit den futuristischen Einlagen, in denen sich der Star in einer weißen, aseptischen, teils bedrohlichen Welt bewegt, wobei nie ganz klar wird, ob man sich hier in Colleens surrealem Gefühlskosmos oder in Auszügen aus einem früheren Film aufhält. Zumindest ein frühes Ellen Barkin-Werk, nämlich „Siesta“, wird in sekundenkurzen Ausschnitten mehrfach zitiert. Für wenige komische Einlagen sorgen die Begegnungen mit einer anhänglichen Nachbarin, die mit der Popularität ihrer neuen Bekannten nichts anfangen kann und sie geradezu zum ungeliebten Basteln von Apfelpuppen nötigt.
Aus diesem Strang stammt auch das melancholische Plakatmotiv mit Barkin als traurigem Clown, denn Colleen erfindet gegenüber der geschwätzigen Shelly eine Zirkuslaufbahn, was als sarkastischer Verweis auf das Filmgeschäft gemünzt ist. Sich selbst legte die einst häufig in erotischen Rollen besetzte Darstellerin während ihrer zweiten Heirat eine fünfjährige Pause auf, ist heute aber zumindest im Independentkino und auf der Bühne erneut stark gefragt. Ihre Mitspielerinnen Theresa Randle und Melora Walters haben hierbei weniger Glück.
Als Kommentar zu Hollywoods Starverschleiß eignet sich Archers Studie nur bedingt. Dazu ist seine Reflektion über Enttäuschung und Einsamkeit zu sperrig und artifiziell konzipiert. Selbst wenn man sich Colleens Gedankenfluss aus hervorragend fotografierten, mitunter symmetrisch aufgebauten Bilder hingibt sowie vom ausgefallenen Sounddesign des Filmemachers und seines Bruder tragen lässt, tritt der abstrakte, elliptische Plot gegen Ende zu stark auf der Stelle. Die kunstvolle Erzählweise um eine schwarze und weiße Ästhetik zerpflückt traditionelle narrative Formen, doch der entrückten Protagonistin kommt man dadurch letztlich nicht viel näher.
| FAZIT
Sprödes Porträt einer desillusionierten Hollywood-Diva in faszinierenden Bildern, dessen minimalistischer Plot sich im experimentellem Erzählfluss verläuft.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung