T.J. (Devin Brochu) lebt bei seinem Vater Paul (Rainn Wilson) und seiner Großmutter Madeleine (Piper Laurie). Seine Mutter ist vor einigen Monaten bei einem Autounfall ums Leben gekommen und seitdem schlägt sie die kleine Familie mehr schlecht als recht durch den Alltag.
Während Paul die meiste Zeit des Tages schlafend auf dem Sofa verbringt, muss sich T.J. Erniedrungen der schlimmsten Art durch den lokalen Schultyrannen erwehren. Als er mal wieder auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrum verprügelt wird, eilt ihm die Verkäuferin Nicole (Natalie Portman) zu Hilfe. Nicole ist mit ihren Mitte-Zwanzig erstaunlich verplant und perspektivlos. Nichtsdestotrotz macht sie mit ihrer spröden Art Eindruck auf T.J.
Als Paul das Unfallauto verkauft, steht für T.J. fest, dass er den Ort, an dem sie zum letzten Mal glücklich mit der Mutter vereint waren, zurück holen muss. Doch das ist nicht so einfach wie erwartet.
Auf der Flucht vor seinem Peiniger und aus Frust über sein verkorkstes Leben, schmeißt T.J. das Fenster eines leerstehenden Hauses ein und ruft damit Hesher (Joseph Gordon-Levitt) auf den Plan. Der versoffene, zynische, langhaarige Tagedieb, dessen selbst gestochene Tattoos zwischen obszöner Kindlichkeit und Beleidigungen variieren, verfolgt T.J. und zieht kurzerhand in die Garage der trauernden Familie. Diese ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt um Heshers Geschichte, er sei ein Freund von T.J., zu hinterfragen.
T.J. fühlt sich durch Hesher gleichermaßen irritiert und verschüchtert. Insbesondere, nachdem dieser sich gewinnbringend in T.J.‘s Leben einbringen möchte, in dem er obszöne Anekdoten erzählt, in den unmöglichsten Situationen auftaucht und T.J. durch seine exaltierte Anarchiegelüste in Schwierigkeiten bringt.
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| FILMKRITIK
Hesher, das Spielfilmdebüt von Spencer Susser, ist hochkarätig besetzt und wurde auf dem Sundance Film Festival für den Hauptpreis der Jury nominiert. Umso erstaunlicher, dass die eigentliche Handlung des Filmes hinter den Erwartungen zurück bleibt.
Hesher selbst ist ein interessanter Charakter, der durch Joseph Gordon-Levitt unbestritten großartige Performance zum Schauwert dieses Filmes beiträgt. Auch die anderen Charaktere, vornehmlich T.J., sind authentisch und liebenswert. Nichtsdestotrotz bleibt uns Susser einige Erklärung bezüglich des Handlungsverlaufes schuldig.
Die Art und Weise, in der Hesher in das Haus der Forneys einzieht, suggeriert, dass es sich bei ihm um eine pure Traumgestalt aus T.J.‘s Fantasie handelt. Merkwürdigerweise sehen und interagieren die anderen Charaktere aber mit ihm, was diese Interpretation hinfällig macht. Die Begründung, dass die Familie so sehr in ihrer Trauer gefangen ist, dass es ihnen schier nicht auffällt, dass Hesher als T.J.‘s vermeintlicher Freund ein paar Jahre zu viel auf dem Buckel, zudem zu wenige Kleidungsstücke, zu viele Tattoos und ungepflegte Manieren hat, reicht hier nicht aus. Dennoch lässt uns Susser mit dieser Auslegung der Dinge alleine.
Hat man diese logische Lücke einmal akzeptiert, entfaltet sich ein spannender, origineller und teilweise urkomischer Film, der sicherlich durch den Cast zusätzliche Stärke bekommt. Die Geschichte bricht immer wieder aus bekannten Bahnen aus und überrascht mit spröder Ehrlichkeit. Es macht Spaß Joseph Gordon-Levitt beim Demolieren bekannter Strukturen zuzuschauen und Natalie Portman ist charmant wie eh und je. Devin Brochu als T.J. liefert eine überzeugende Leistung ab, einzig allein Rainn Wilson enttäuscht ein wenig.
Erreicht man aber einmal das Ende des Filmes und schaut zurück, entpuppt sich Hesher als weniger individuell als zunächst angenommen. Die Figur von Hesher ist ein moderner, abgefuckter Jesus, der die Familie Forney in all seiner Ungepflegheit und mit seiner Liebe zur Anarchie und Pyromanie aus den eingesessenen Strukturen herauslockt. Hinter seiner obszönen Sprache versteckt sich ein gutherziger Mensch, der den Forneys helfen möchte.
Diese einseitige und fast schon spießige Moral kann der Ausgangsituation des Filmes nicht gerecht werden. Die Idee, dass ein Außenseiter einer trauernden Familie helfen muss wieder auf die Beine zu kommen, ist sicherlich nicht neu. Doch Joseph Gordon-Levitts Hesher ist es, und diesem unverblümten Charakter hätte eine innovativere Auslegung der Moral sicherlich gut zu Gesicht gestanden.
So überwiegt aber am Ende des Filmes die Enttäuschung über eine verpasste Chance.
| FAZIT
Originelle Ausgangssituation, die allerdings mit zu viel Getöse über logische Lücken hinwegtäuschen will und sich letztendlich in einer zu konservativen Moral verfängt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Laura Samide
| FILMPLAKAT
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