Oona (Sarah Horvath) und Ariane, genannt Ari, (Jella Haase) sind zwei grundverschiedene fünfzehnjährige Mädchen, die die gleiche Schule besuchen Während Ari mit knallbunter Kleidung ihre kindliche Seite betont und in ihrem Zimmer noch Puppen aufbewahrt, trägt Oona nur Schwarz und verpackt ihre Emotionen in finstere Illustrationen. Nachdem Vater Boris, ein erfolgloser Künstler, durch Oona vom Seitensprung seiner Frau (Nicolette Krebitz) mit seinem Bruder Lukas (Thomas Wodianka) erfährt, begeht er kurzerhand Selbstmord. An diesem Tod fühlt sich das depressive Mädchen mitschuldig, weshalb sie sich regelmäßig Verletzungen zufügt. Vor ihren überforderten Eltern und dem aggressiven Bruder mit seinen eingebildeten Krankheiten flüchtet sich Ari in eine offensiv ausgelebte Sexualität. Entgegen aller Umstände freunden sich die beiden unterschiedlichen Teenager miteinander an.
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| FILMKRITIK
Auf nicht nur auf positive Resonanz stieß Luci van Orgs und Ziska Riemanns Kinodebüt während seiner Berlinale Premiere. Bei der Annäherung zweier weiblicher Teenager aus entgegengesetzten Verhältnissen mit fatalen Folgen ließen die beiden Regie-Newcomer frühere Erfahrungen einfließen. Das mit extremen Kameraperspektiven, Überblendungen, Trickfilm- und Musikclip-Einsprengseln versetzte Jugenddrama, eine knallige Variante von „Heavenly Creatures„ für die MTV-Generation, lebt besonders von seinem psychologisch glaubwürdigen Einblick in die Gefühlswelt pubertierender Mädchen, wobei man den überzeugenden jungen Darstellerinnen das behauptete Alter nicht mehr ganz abnimmt.
Die vor allem als Sängerin der Band Lucilectric bekannt gewordene Luci van Org, hier mit einem Auftritt als Kunstlehrerin vertreten, und Comiczeichnerin Ziska Riemann, langjährige Partnerin von Gerhard Seyfried, arbeiten mit drastischen Kontrasten und direkten Gegenpaaren. Während die fiktive Gruppe Tier in einem düsteren Horror-Musikvideo das Geschehen einleitet, begegnet man Ariane in ihrem Umfeld, einer Art abgelegenem Märchenhaus in bunter Einrichtung. Aris Familie besteht aus der harmoniesüchtigen Mutter, dem gutmütigen Vater und dem tyrannischen Bruder Jonas.
Dagegen dominiert in Oonas Wohnung die Farbe schwarz, weshalb ihre Zeichnungen entsprechend verstörend ausfallen. In dunkler Kleidung taucht die exzentrische Künstlerfamilie auf einer im Verlauf eskalierenden Vernissage auf, was mit dem Selbstmord des Vater endet. Nachdem Ari anfangs in grellem Outfit auftritt wie hellblaue Strümpfe, giftgelber Mantel, einen bunten Wollschal, rosa Kopfhörer und damit ihre mädchenhafte Seite unterstreicht, entwickelt sich ihr Verhalten später in entgegen gesetzter Richtung. Barbiepuppen sind bald out. Als frühreifes Biest schläft die Schulhof-Lolita mit einem cool agierenden Barkeeper und Oonas Onkel, dem die Rolle des bösen Wolfs zufällt, wenn sie nicht gerade lüsterne Jungs mit offensivem Verhalten in die Flucht schlägt.
Dazu wird Aris Entjungferung als Discoeinlage inszeniert, wie Riemann und van Org überhaupt mit wilden Versatzstücken aus Pop- und Trivialkultur arbeiten und die Songs zwischen Gothic, Rock und Disco die Handlung kommentieren. Ebenso unterstreicht der Wechsel von Real- zur Trickfilmwelt den Gefühlskosmos der Protagonistinnen. Einzig die Annäherung der beiden Mädchen, der masochistisch veranlagten Oona und der puppenhaften blonden Ari, wirkt mit aufblitzende Augäpfel in der Art des Vampirkinos zu forciert. An dieser Stelle machen es sich die Autorinnen zu einfach, wie auch die Dialoge mitunter so künstlich klingen wie das ganze Setting. Wenn sich die exzessive Story in einem gewalttätigen Climax auflöst, verliert sie allerdings nicht ihren sarkastisch-makaberen Unterton.
| FAZIT
Ein schräges, exzentrisches Comic-of-Age-Drama aus Cartoon-, Horror-, Märchen- und Musicvideo-Versatzstücken.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung