Bogota, Kolumbien, 1992: Mit den Worten „Wir haben zehn Minuten!“ fordert ihr Vater die neunjährige Cataleya (Amandla Stenberg) auf, das Nötigste zu packen. Doch die überstürzte Flucht scheitert: Die Killer des gnadenlosen Drogenbarons Don Luis (Beto Benites) haben die Wohnung der Familie bereits umstellt. Hilflos muss Cataleya mitansehen, wie ihre Eltern ermordet werden. Sie selbst kann mit knapper Not entkommen. Ein Mikrochip, den ihr ihr Vater kurz vor seinem Tod noch zugesteckt hat und der Informationen über Don Luis´ illegale Machenschaften enthält, verschafft ihr Zugang zur amerikanischen Botschaft. In den USA angekommen, findet de tapfere Cataleya ihren Onkel Emilio (Cliff Curtis) – getrieben vom Wunsch nach Vergeltung bittet sie ihn, sie zur Profikillerin auszubilden.
Kalifornien, 15 Jahre später: Cataleya (Zoe Saldana) und Emilio arbeiten als eingespieltes Team zusammen. Er vermittelt die Aufträge und nimmt das Geld entgegen, sie sorgt dafür, dass die Opfer sterben. In Kalifornien ist sie jedoch auf eigenen Faust unterwegs. Wieder einmal hat sie einen ehemaligen Kontakt von Don Luis ausfindig gemacht. Einen nach dem anderen will sie ausschalten, solange, bis der Mörder ihrer Familie dazu gezwungen ist, sich aus seinem Versteck hervorzuwagen. Das Plan geht auf – bis Cataleyas Geliebter Danny (Michael Vartan) und der FBI-Agent James Ross (Lennie James) ihr einen Strich durch die Rechnung machen.
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| FILMKRITIK
Ihr erstes Opfer erledigt Cataleya inmitten eines vollbesetzten Polizeireviers. Sie gibt die betrunkene Schönheit, die in High Heels und Minirock mit ihrem Wagen „aus Versehen“ in ein vor dem Revier geparktes Polizeiauto rast. Prompt steckt man sie in die Ausnüchterungszelle – genau das, was sie erreichen wollte. Denn Cataleya weiß, dass einer von Don Luis´ Killern für eine Nacht in dem Revier inhaftiert ist. Für die Ausführung des gewagten Plans bleiben ihr nur wenige Minuten: Kaum, dass sie sich unbeobachtet weiß, streift sie den hautengen Overall über, der irgendwie unter ihr ohnehin knappes Kleidchen gepasst hat, und macht sich in bester „Mission: Impossible“-Maier auf durch die Lüftungsschächte. Sie überlistet Wärter und Kameras, gelangt in die Zelle ihres Opfers und richtet den völlig verdutzen Mann hin. Als er gefunden wird, ist sie bereits wieder zurück in ihrer Ausnüchterungszelle und wartet auf die Entlassung am nächsten Morgen.
Nicht nur in dieser Sequenz gelingt es Regisseur Olivier Megaton ausgezeichnet, Cataleya als eiskalte, versierte Profikillerin zu inszenieren, und mit Zoe Saldana hat er auch eine dankbare Hauptdarstellerin vor der Kamera. Hinzu kommt, dass das Drehbuch von Luc Besson und Robert Mark Kamen einen knackigen, kurzweiligen Plot hergibt. All das macht „Colombiana“ zu einem gelungenen Action-Film, der nicht zuletzt durch die weibliche Hauptfigur sehr frisch wirkt – es tut einfach gut, mal nicht die Herren Willis oder Diesel in einer derartigen Rolle zu sehen.
Doch „Colombiana“ kann mehr als nur Action. Der Film beginnt mit den gefühlvollen Klängen von Schuberts „Ave Maria“ und versetzt den Zuschauer in eine ganz und gar nicht genretypische Stimmung – der Soundtrack bleibt übrigens hervorragend, bis im Abspann der Nine-Inch-Nails-Song „Hurt“ in der Version von Johnny Cash. zu hören ist. Aber auch optisch hat „Colombiana“ einiges zu bieten: Kameramann Romain Lacourbas fängt die Handlung immer wieder in sehr ästhetischen, schönen Bildern ein, vor allem wenn man sich vor Augen hält, dass man es mit einem knallharten Action-Streifen zu tun hat. Olivier Megaton und Luc Besson, der den Film auch produziert hat, schaffen eine gelungene Balance zwischen harten, schnellen und eher weichen, einfühlsamen Passagen, und Zoe Saldana vereint in ihrer Rolle ein bisschen aus beiden Welten.
Das merkt man von Anfang an: Die hervorragenden Exposition, die noch in Kolumbien spielt, steht diesbezüglich exemplarisch für den gesamten Film. Die äußerst talentierte Amandla Stenberg verkörpert Cataleya in dieser ersten Sequenz ebenso gut wie später Zoe Saldana. Auch sie wird zunächst als toughes Mädchen inszeniert. Obwohl sie gerade miterleben musste, wie Don Luis´ Scherge Marco (Jordi Mollà) ihre Eltern ermordet hat, bietet sie den Killern die Stirn. Ihre waghalsige Flucht über die Dächer und durch die Gassen Bogotas ist Parkour-Action vom Feinsten, und selbst in der amerikanischen Botschaft gibt sie sich noch betont hart und abgebrüht. Erst in den USA, als sie endlich ihren Onkel Emilio in die Arme schließen kann, fällt all das Erlebte von ihr ab und sie beginnt endlich zu weinen.
| FAZIT
Die von Luc Besson produzierte Rachegeschichte bietet schnelle Action gepaart mit ungewöhnlich schönen Bildern und einem frischen Gesicht in der Hauptrolle.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung