Dienstag | 29. Mai 2012 | 01:56 Uhr
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  • FILM REVIEW | Love Life - Liebe trifft Leben
  • Love Life - Liebe trifft Leben

    Drama, Romanze | Niederlande 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Der Amsterdamer Werbestratege Stijn heiratet Carmen. Das junge Paar genießt das Leben in vollen Zügen, bekommt eine Tochter und kann sogar mit Stijns gelegentlichen Seitensprüngen umgehen. Dann erfährt Carmen, dass sie Krebs hat. Es beginnt eine langwierige Behandlung mit Chemotherapie, Bestrahlung und Amputation einer Brust. Stijn ist der Belastung nicht gewachsen und flüchtet in eine Daueraffäre mit der Malerin Roos, während er weiterhin an Carmens Seite bleibt und sich um sie kümmert.

    Dann kommt die Nachricht, dass Carmen geheilt ist. Das Paar reist in die Südsee, doch Carmen, die Stijns emotionale Distanz spürt, stellt ihn zur Rede und will sich wegen der Affäre, die er zugibt, scheiden lassen. Trotzdem verbringen die beiden schöne Tage, versöhnen sich wieder und Stijn will bei Carmen bleiben. Sie stellt die Bedingung, dass Stijn ihr nie wieder untreu wird.
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      • | FILMKRITIK

      • „Love Life - Liebe trifft Leben“ erklärt der deutsche Verleihtitel, was man als Vorwarnung verstehen kann, dass die bittere Realität oder die nackte Wahrheit den hohen Idealen des Herzens oft zuwiderläuft. Der niederländische Produzent und frühere Showmaster Reinout Oerlemans verfilmte in seinem Regiedebüt die Geschichte einer Ehe, in der die Frau an Krebs erkrankt und der Mann Trost und Lebensfreude in einer Affäre sucht. Der Film basiert auf dem autobiografischen Roman „Mitten ins Gesicht“ des Niederländers Kluun.

        Es ist also eine wahre Geschichte, die Carice van Houten als Carmen und Barry Atsma als Stijn spielen. Zunächst sind beide das blühende Leben, erfolgreich im Beruf, glückliche Eltern, am Puls der Zeit. Stijn, der Tausendsassa, kennt seine Wirkung auf Frauen und nutzt Geschäftsreisen ausgiebig in dieser Hinsicht. In Voice-Over erzählt er aber einschränkend, sein Herz habe stets nur Carmen gehört. Und das scheint zunächst auch zu stimmen, denn als die Nachricht vom Brustkrebs Carmens das Paar ereilt, ist Stijn sichtlich mitgenommen. Carmen hat nun meistens Angst und ist niedergedrückt, aber der Schwächere der beiden ist Stijn. Weder kann er Carmen leiden sehen, noch will er sich der Veränderung in ihrer beider Leben wirklich stellen.

        Anstatt nun den quälenden Prozess der Behandlung und des bangen Auf und Abs um Heilung oder Sterben aus der Sicht Carmens zu schildern, rückt die Geschichte Stijn in den Mittelpunkt. So ist zumindest für den Hauptteil des Films sichergestellt, dass er nicht auf die Tränendrüse drückt. Hier erweist sich die Inszenierung des Regisseurs als sehr kreativ und spannend: Oerlemans schneidet impressionistische Szenen aus dem ausschweifenden Amsterdamer Nachtleben, in welches sich Stijn flüchtet, gegen dessen Eindrücke im Krankenhaus und an der Seite Carmens, der die Haare ausfallen und die sich übergeben muss. Musik spielt eine große Rolle in den schnellen Schnittfolgen, in denen es oft keine Worte gibt. Der pulsierende Lebenshunger Stijns und die Angst, die ihn jagt, werden auf diese Weise authentisch dargestellt.

        Lebenslust ist auch Carmens Eigenschaft, und so, wie sie Stijns Humor liebt und schätzt, bemüht sie sich selbst um Tapferkeit. „Try before you die“, kommentiert sie sarkastisch ihren Drogenkonsum auf einer nächtlichen Vergnügung, schick zurechtgemacht mit der blonden Perücke auf dem Kopf. Stijns Affäre mit Roos hingegen, die dieser lange Zeit vor Carmen geheimhält, erscheint im Verlauf des Films immer fragwürdiger. Zu lange geht es um Stijns emotionale Achterbahnfahrt, ohne dass er sich zu einer plausiblen Lösung durchringt.

        Fast könnte man also die ganze Geschichte als höchst individuelle Aufarbeitung und Rechtfertigung eines geplagten Ehemannes abtun. Aber dann kommt noch ein Abschnitt, in welchem die Handlungsfäden schlüssig zusammengeführt werden. Die Beziehung hat sich entwickelt und Oerlemans versteht es, gemeinsam mit den Darstellern, Rührseligkeit und Kitsch zu vermeiden. Auch wenn die ideenreichen Inszenierungen der Liebe dieses Paares am Anfang nur visuell überzeugten, gewinnt der Film im letzten Teil etwas von der Tiefe, die er wohl die ganze Zeit über vor Augen hatte.
      • | FAZIT

      • Ungewöhnliche, visuell ansprechend inszenierte Geschichte einer Ehe, in die eine Krebserkrankung hereinbricht.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 6.7/10 (6 votes)

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