Dienstag | 29. Mai 2012 | 02:05 Uhr
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  • FILM REVIEW | Baikonur
  • Baikonur

    Komödie, Romanze | Deutschland / Russland 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Der junge Kasache Iskander lebt in einem Dorf nahe dem Weltraumbahnhof Baikonur. In seiner Jurte hört er die Funksprüche aus Baikonur ab und berechnet die Stelle, wo nach einem Raketenstart die abgeworfenen Teile in der Steppe landen. Dann fährt das ganze Dorf schnell hin, um sich die Metallstücke zu sichern und sie für Fleischkonserven an Chinesen zu verkaufen. Iskander träumt von einer Karriere als Kosmonaut und nennt sich Gagarin, nach dem legendären ersten Raumfahrer. Dass ihn die junge Dorfbewohnerin Nazira mit dem zotteligen Haar zaghaft umwirbt, scheint Iskander hingegen nicht zu interessieren.

    Die französische Weltraumtouristin Julie Mahé nimmt an einer Fahrt zur Internationalen Raumstation ISS teil. Iskander verliebt sich vor dem Fernsehbildschirm in die blonde Schönheit, die nach einer Woche im All wieder in der kasachischen Steppe landet. Nicht die Leute aus Baikonur finden die bewusstlose Frau, sondern Iskander, der sie in seine Jurte bringt und sie wachzuküssen versucht. Als sie schließlich aufwacht, hat sie kein Gedächtnis mehr und glaubt bereitwillig Iskander, sie sei seine Verlobte.
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      • | FILMKRITIK

      • Der vierte Spielfilm des Regisseurs Veit Helmer liefert Einblicke in einen Bereich, der sich sonst streng nach außen hin abschottet: Noch nie zuvor wurde auf dem größten Raketenstartplatz der Welt im kasachischen Baikonur ein Spielfilm gedreht. Helmer kontrastiert in seiner Geschichte, die er mit dem russischen Drehbuchautor Sergei Ashkenazy verfasste, die künstliche Technikwelt von Baikonur mit dem Alltag armer Dorfbewohner in der Steppe. Die zarte Liebesgeschichte mit Märchencharakter entfaltet sich vor einem sonst eng an der Realität orientierten Hintergrund.

        In Baikonur, wo die sowjetische Raumfahrt einst ihre erfolgreichen Missionen startete und das nach wie vor unter russischem Kommando steht, gedenkt man des ersten bemannten Weltraumflugs vor 50 Jahren. 1961 wurde der Kosmonaut Juri Gagarin zur Legende, an den nun ein Redner in Baikonur, anlässlich eines bevorstehenden Raketenstarts zur Raumstation ISS, erinnert. Mit an Bord ist die französische Weltraumtouristin Julie Mahé. In seiner Jurte verfolgt der Funker Iskander die Medienberichte und hört den Funkverkehr aus Baikonur ab. Er nennt sich Gagarin und träumt von einer Karriere als Raumfahrer. Die blonde Julie aus den Fernsehnachrichten himmelt er an.

        In Iskanders Dorf, in dem kaum noch junge Menschen leben, haben sich die Menschen auf den Handel mit Weltraumschrott spezialisiert. Helmer greift hier wie an vielen anderen Stellen auf Tatsachen zurück. Er spitzt die Situation humorvoll zu, indem er zwei rivalisierende Dörfer auf die Suche nach abgeworfenen Raketenteilen in die Steppe schickt. Iskanders Funk- und Rechenkenntnisse sind für die Dorfbewohner unentbehrlich. Aber der Ort seiner Träume, das Raketenzentrum, bleibt für ihn unerreichbar in der bewachten und mit Stacheldraht abgeriegelten Sperrzone.

        Für die Rolle Iskanders wählte Helmer den aus Sibirien stammenden Schauspielschüler Alexander Asochakov aus, der hier in seinem ersten Film zu sehen ist. Die in ihn verliebte Dorfbewohnerin Nazira, die mystische Weisheit mit Intuition und Wildheit verbindet, wird von der usbekischen Sängerin Sitora Farmonova gespielt. Als Julie verpflichtete Helmer das Model Marie de Villepin, die Tochter des französischen Ex-Premierministers Dominique de Villepin. Sie musste sich sogar unter Bedingungen der Schwerelosigkeit in einem Parabelflugzeug filmen lassen, was sie aber problemlos meisterte.

        Der Film entwickelt seinen Charme aus den auch optisch starken Gegensätzen der Szenen in Baikonur und im Weltraum auf der einen Seite und dem Leben in der Steppe mit dem vertrockneten gelben Gras, den Kamelen und Schafen auf der anderen Seite. Iskander hat in seiner Jurte nicht nur den modernen Schatz der Funkanlage, sondern auch eine Truhe, in welcher er die schönen Gewänder seiner verstorbenen Mutter aufbewahrt. Seiner Julie zieht er ein mit Perlen verziertes traditionelles Kleid an, während ihn die in unscheinbare Lumpen gehüllte Nazira davor warnt, ins Reich der Sterne abzuheben. Wirklich zusammen finden Baikonur und die archaische Steppe auch in diesem Film natürlich nicht, aber Helmers Fantasie schafft eine eigentümliche, flüchtige Verbindung.
      • | FAZIT

      • Helmers märchenhafte Liebesgeschichte stellt eine flüchtige Verbindung zwischen dem hochtechnisierten Weltraumbahnhof Baikonur und der archaischen Steppe her.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

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