Während ihres dreiwöchigen Urlaubs möchte Modejournalistin Juliette Grant (Patricia Clarkson) ihren Mann Mark (Tom McCamus) in Kairo besuchen. Da sich die Ankunft des UN-Angestellten aufgrund von Schwierigkeiten im Gazastreifen verzögert, erklärt sich einer seiner früheren Mitarbeiter, der Ex-Polizist und Kaffeehausbesitzer Tareq Khalifa (Alexander Siddig), bereit, sie durch die Örtlichkeiten zu begleiten. Bei ihren Erkundungen von Kairos antiken Sehenswürdigkeiten, verwinkelten Gassen und einem Wüstenspaziergang kommen sich die beiden unweigerlich näher.
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| FILMKRITIK
Mehr als der Titel andeutet geschieht im Grunde nicht im vierten Kinofilm der kanadischen Regisseurin Ruba Nadda. Ob man „Cairo Time“ goutieren mag oder nicht, hängt daher ganz von den Zuschauererwartungen ab. Auf den Spuren von „Lost in Translation“ schildert die „Sabah“-Regisseurin den „Culture Clash“ einer rund fünfzigjährigen, verheirateten amerikanischen Ehefrau mit einem souveränen ägyptischen Lebemann. Ähnlich ergeht es dem Zuschauer, der in wunderbaren Aufnahmen beiläufig die ägyptische Hauptstadt und Kultur, aber auch ihre strikten Regeln kennen lernt. In atmosphärischen Totalen erkundet man die touristischen Stätten ebenso wie die verborgenen Schätze der exotischen Großstadt, die Sahara und den Nil, was sinnvoll in den Plot eingewoben wurde. Die spätere politische Entwicklung im mittleren Osten kann man allerdings nur an Nuancen und Details abzulesen.
Eher beiläufig und doch intensiv entwickelt sich die allmähliche Anziehung der beiden Protagonisten, wobei Nadda auf stille Blicke und behutsame Gesten anstatt auf forcierte Romantik setzt. Dass die beiden Protagonisten überhaupt reichlich Zeit gemeinsam verbringen, hat auch mit den patriarchalischen Regeln der ägyptischen Gesellschaft zu tun. Als allein umher ziehende, westliche Frau erregt die blonde Juliette sofort Aufsehen und wird bei Stadtbummel von einer Horde junger Männer verfolgt. Eine Fahrt in Richtung Gazastreifen könnte leicht ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Als Juliette Tareqs Kaffeehaus betritt, um ihn als gelegentlichen Begleiter zu gewinnen, ist sie sich nicht bewusst, dass weibliche Besucher hier unerwünscht sind.
Erst allmählich passt sich die elegante Journalist in Verhalten und Kleidung stärker den örtlichen Gepflogenheiten und deren Kultur an, doch ihre Unabhängigkeit will die angenehm zurückhaltend von Patricia Clarkson verkörperte Mutter und Ehefrau nicht aufgeben. Schon allein durch fortgesetzte Treffen mit dem charmanten, aber durchaus konservativen Taraq offenbart sich ihre Entschlossenheit. Früher musste sie sich mehr den Plänen ihres Mannes unterordnen. Bald steht Juliette aber vor wichtigen Entscheidungen, die sich nicht allein darum drehen, mit dem Gatten oder dem neuen Bekannten die Pyramiden besuchen zu wollen. Schließlich dreht es sich bei ihrer unerwarteten Nähe zu einem arabischen Mann um ihre ganze Existenz. Dennoch setzt Ruba Nadda nicht auf ein aufwühlendes Drama, sondern der Konflikt spielt sich im Innern der Protagonisten ab. Daher bleibt der Tonfall ihrer Inszenierung ähnlich zurückhaltend und beiläufig wie die stille, aber intensive Geschichte.
| FAZIT
Melancholisch-unterkühlte Chronik eines Sommerflirts mit nuancierten Darstellern, die auf melodramatische Einlagen verzichtet.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung