Montag | 28. Mai 2012 | 11:52 Uhr
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  • FILM REVIEW | Perry Rhodan - Unser Mann im All
  • Perry Rhodan - Unser Mann im All

    Dokumentation | Deutschland 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Im September 2011 kann „Perry Rhodan“, der intergalaktische Botschafter der Erde, auf eine 50-jährige Publikationsgeschichte zurück blicken. Bei der Reihe handelt es sich um die älteste, auflagenstärkste und meistgelesenste Romanreihe der Nachkriegsgeschichte. Mit einer Milliarde verkaufter Hefte entwickelte sie sich zur erfolgreichsten Science Fiction-Serie der Erde. Das Porträt stellt die wichtigsten Charaktere und deren Erfinder vor, befragt Autoren, Herausgeber sowie langjährige Fans und verbindet dies mit Computertrick- und Dokumentarszenen.
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      • | FILMKRITIK

      • Über Jahre hinweg kam immer wieder das Gerücht auf, dass die populäre Romanserie „Perry Rhodan“ Stoff für eine neue Kinoadaption liefern würde. Auch Roland Emmerich, dessen Mitarbeiter teilweise Fans der Serie sind, wurde gelegentlich mit dem Vorhaben in Verbindung gebracht. Dennoch stellt neben einem Fanprojekt die 1966 gedrehte internationale Koproduktion „Perry Rhodan – SOS aus dem All“ von Primo Zeglio bislang die einzige Verfilmung der Abenteuer des US-Astronauten dar, der nach einer intergalaktischen Mission seine Staatsbürgerschaft ablegte und sich zum Weltenbürger erklärte. Angesichts der sehr freien Adaption stieß das Werk, während des Trivialserienbooms der Sechziger entstanden, aufgrund seiner geringen Werktreue bei Fans auf Widerstand.

        Obwohl zu Beginn daraus sekundenkurze Ausschnitte in minderer Bildqualität gezeigt werden, bleibt dieser trashige Kinofilm in André Schäfers Dokumentation ebenso unerwähnt wie die kurzlebige, psychedelisch angehauchte Comicumsetzung, die erst seit 2006 eine Fortführung fand. Immerhin tritt mit Josef Tratnik der Sprecher der Hörbuchreihe auf, der in Folge Passagen aus den Romanen vorträgt. Schäfer, der sich in den letzten Jahren mit Arbeiten zu Rock Hudson oder John Le Carré hervortat, steht vor der gewohnten Schwierigkeit, interessante Bilder für ein literarisches Sujet zu finden. „Perry Rhodan“-Autoren beim kreativen Schaffensprozess zu filmen, ist auf Dauer kaum abendfüllend.

        Zur Illustration setzt er die zuvor befragten Autoren in Karussell-Raumschiffe, lässt ein Kind durch das ESA-Zentrum in Darmstadt streifen oder einen Risszeichner der Serie den Flugzeugfriedhof in der Mojave –Wüste besuchen. Als roter Faden dient „Perry Rhodan“-Autor Wim Vandemaan, der etwa im Raumanzug durch Köln marschiert oder in Mönchskutte vor Kloster Andechs über Christus Vorhaut sinniert, die bei seiner Himmelfahrt angeblich als Ring des Saturn endete. Dass es sich bei Vandemaan um den Lehrer, Kritiker und Schriftsteller Hartmut Kasper handelt – gleichzeitig auch Co-Autor der Dokumentation – erfährt man nur in einem Nebensatz beim Kochstudiogespräch mit Literaturkritiker Denis Scheck.

        Daneben kommen mit rund zwei Dutzend Interviewpartnern manche Angehörige der Serienschöpfer zu Wort. Auch heutige Schreiber und Herausgeben berichten über die jahrzehntelange Entwicklung der utopischen Serie, die mit ihrer Anpassung an aktuelle Zeitströmungen eine Chronologie bundesdeutscher Geschichte bietet. Man erfährt, dass sich der Name des Protagonisten aus „Perry Mason“ und dem japanischen Urweltmonster Rodan zusammen setzt oder wird an einen polemischen „Monitor“-Beitrag von 1969 erinnert, der angesichts von K.H. Scheers technisch-militärischer Ausrichtung faschistische Züge herauslesen wollte.

        Natürlich werden auch Science Fiction-Conventions und die Modellbauszene angeschnitten, aber man hätte über die Fanbasis ebenso gern mehr erfahren wie über inhaltliche Veränderungen oder die Anziehungskraft der Serie. Streckenweise bleibt die Dokumentation in ihrer Analyse von einem der wichtigsten Phänomene deutscher Trivialkultur zwar an der Oberfläche, aber für Science Fiction-Interessierte liefert die Produktion dennoch einen erhellenden Einblick in den Kosmos der Publikation.
      • | FAZIT

      • Ein vielschichtiger, aber mitunter etwas oberflächlicher Streifzug durch die Welt der erfolgreichsten deutschen Romanserie.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 5.0/10 (3 votes)

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