Während der erfolgreiche Schriftsteller Guido (Valerio Mastandrea) seine Tochter zum Schwimmunterricht begleitet, fällt ihm deren attraktive Schwimmlehrerin Giulia (Valeria Golino) auf. Nachdem das halbwüchsige Mädchen wenig Begeisterung für den Wassersport erkennen lässt, nimmt der für einen wichtigen Literaturpreis nominierte Autor ihren Platz ein, um der anfangs reservierten Schönen nahe zu sein. Tatsächlich gelingt dem verheirateten Schöpfer romantischer Stoffe bald, ihr Interesse zu wecken. Doch die Beziehung gestaltet sich schwierig, denn Giulia verbirgt ein Geheimnis. Als seine Frau Benedetta (Sonia Bergamasco) erkennt, dass sich Guido zunehmend von ihr entfernt, versucht sie ihren Mann zurück zu gewinnen.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Wie in seinen früheren Filmen, darunter „Licht meiner Augen“, entwirft Giuseppe Piccioni eine komplizierte Liebesgeschichte zwischen zwei unterschiedlichen Charakteren. Guido Montani ist ein innerlich zerrissener Schriftsteller, der unter einer Schreibblockade leidet. So wie sein Umfeld offensichtlich nie seine Werke zu Ende liest, was zu den komödiantischen Ploteinfällen gehört, gelingt es ihm derzeit nicht, seine kreativen Ideen weiter zu führen. Selbst für seine Berufswahl kann Guido keine vernünftigen Gründe anführen, so wie er zu seiner Frau Benedetta, die den Umzug in eine renovierte Villa vorbereitet, allmählich abrupt auf Distanz geht. In surrealen Einlagen werden die ebenso liebeskranken wie einsamen Figuren wie ein von einer Stripperin angezogener Priester oder eine tanzende Regenschirm-Verkäuferin als Jacques Demy-Hommage lebendig. Hier vermischen sich Realität und Fiktion zu einem schwebenden Traumkosmos.
Guidos Welt spiegelt sich in Giulias Leben wieder, die mit weitaus ernsthafteren Problemen zu kämpfen hat. Der selbstzweifelnde Autor verliebt sich bald in die geheimnisvolle, zurück haltende Schönheit. Während er selbst mit seiner Tochter Constanza nicht immer im Reinen liegt, weist Giulias Teenagertochter ihre Mutter aus gutem Grund schroff zurück und meidet jeden Kontakt. In der traurigen Schwimmlehrerin scheint der unentschlossene Schriftsteller eine Geistesverwandte gefunden zu haben. Schließlich steht er bald beruflich und privat am Scheideweg, wodurch er zu konkreten Entscheidungen gezwungen wird. Dabei trifft er, auch als er in Giulias Leben eingreift, nicht immer den richtigen Entschluss.
Das atmosphärisch dichte Drama mit Thriller-Elementen lebt besonders von Piccionis Talent, so verletzliche wie selbstbewusste weibliche Charaktere zu entwerfen. Ebenso wirken die Nebenfiguren wie Constanzas intellektueller, etwas biederer Freund Filippo lebendig gezeichnet und sorgen angesichts der komplizierten Teenagerbeziehung für humorvolle Momente. Mit einer Verbindung aus eleganten Totalen und ausschnitthaften Nahaufnahmen wie die Beine der Schwimmenden aus der Untersicht erzeugt Piccioni eine schlafwandlerische, entrückte Stimmung.
Doch insgesamt wirkt die Kombination aus intensivem Liebesdrama, surrealen Einsprengseln und einem nüchternem Blick auf den Literaturzirkus nicht ganz so meisterhaft wie bei Piccionis vorangegangenen Werken, die hierzulande regulär anliefen. Das mag an den disparaten Elementen wie dem Umstand zurück zu führen sein, dass die Visualisierung der literarischen Träume in der zweiten Hälfte nicht mehr fortgeführt wird. Trotzdem ist es erfreulich, dass Piccionis bislang letzter Film mit zweijähriger Verspätung in untertitelter Originalfassung noch unsere Kinos erreicht.
| FAZIT
Intensives, melancholisches Liebesdrama in stimmig entwickelter Bildsprache.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung