Montag | 28. Mai 2012 | 11:59 Uhr
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  • FILM REVIEW | Tournee
  • Tournee

    Drama, Komödie | Frankreich 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Schulden und private Probleme zwangen den TV-Produzenten Joachim Zand (Mathieu Amalric) zu einem Neustart in Amerika. Dort gelang es ihm, eine New Burlesque-Show auf die Beine zu stellen, mit der er nun nach Frankreich zurück kehrt. Zusammen mit seiner eigenwilligen Damentruppe tingelt Zand durch die Hafenstädte, wobei er sich zeitweise noch um seine beiden kleinen Söhne kümmern muss. Zum krönenden Finale war ein Engagement in Paris vorgesehen, doch einer der Finanzpartner lässt ihn schließlich auflaufen, weshalb die geplante Show auf der Kippe steht. Mit allen Mittel versucht der gestresste Impressario, frühere und neue Konflikte zu lösen, bis er mit seinen Striptänzerinnen in einem still gelegten Hotelkomplex am Atlantik standet.
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      • | FILMKRITIK

      • Die vierte Regiearbeit des Schauspieler Mathieu Amalric, in Cannes 2010 mit dem Regiepreis ausgezeichnet und ebenso erfolgreich an der französischen Kinokasse, wirkt wie das Gegenstück zum harmlos-weichgespülten Christina Aguilera-Starvehikel „Burlesque“. Schon die teils fülligen, lauten Tänzerinnen entsprechen keineswegs dem Hollywood-Schönheitsideal und entpuppen sich als lebensechte Typen aus dem Off-Showmilieu, die ihre Bühnennamen wie Mimi Le Meaux, Dirty Martini oder Kitten on the Keys übernahmen. Immer wieder werden ihre schrägen Stripnummern in die Handlung eingeflochten, die sich keiner gradlinigen Erzählrichtung unterwirft. Mit zwischen englisch und französisch pendelnden Dialogen legt Amalric Wert auf einen authentischen Einblick in den Tourneealltag zwischen ausgelassenen Feiern in Hotellobbys, enervierenden Proben hinter den Kulissen und gelegentlichem Katzenjammer.

        Den von ihm verkörperten Protagonisten zeichnet Amalric als getriebenen Geschäftsmann in der Krise, der während der Tingeltangelreise seine finanziellen Schwierigkeiten lösen muss, indem er alte Verbindungen kontaktiert, seine Mädchen bei Laune zu halten versucht und gleichzeitig mit seiner Ex-Frau ins Reine kommen will. Immer häufiger mißlingt das selbst zerstörerische Mäandern zwischen den Parteien, weshalb Konflikte nicht ausbleiben. Amalric liefert die starke Performance eines gedemütigten Dandys, der sich ganz dem Showbiz verschrieb und häufig seine Grenzen überschreitet. Seine überragende Leistung hilft über gelegentliche Schwächen bei den Nebenrollen hinweg, die allerdings bei den ausgefallenen Bühnenshows ihr Talent beweisen.

        Ebenso glaubwürdig fängt Amalric das Milieu der Hafenstädte von Nantes, Le Havre und Rochefort sowie die Atmosphäre der mitunter herunter gekommenen Hotels und Absteigen ein, in denen die nicht mehr ganz junge Damenriege unterkommt. Unterlegt wird der atmosphärisch dichte Blick hinter die Kulissen durch einen treibenden Soundtrack, der den Blues der Charaktere unterstreicht. Allerdings sollte man sich im Klaren sein, dass die unkonventionelle Tragikomödie keiner stringenten Handlung folgt und einen rauen, elliptischen Stil pflegt. Nicht jeder konnte sich damit anfreunden, zumal der Plot in manchen Passagen auf der Stelle tritt, wobei die stimmungsvolle Milieustudie aber stets wieder auf Touren kommt. The Show must go on!
      • | FAZIT

      • Eigenwilliges, bewusst spröde angelegtes Road Movie um eine exzentrische US-Stripperinnen-Truppe und ihren angeschlagenen Manager, das einen speziellen Charme und Drive entwickelt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

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