1941 untersucht der vorgebliche Journalist und Geheimagent Paul Soames (John Cusack) in der chinesischen Metropole den Mord an seinem besten Freund Connor (Jeffrey Dean Morgan). Dank der Kontakte der deutschen Diplomatengattin Leni Müller (Franka Potente) macht Soames die Bekanntschaft des Unterweltchefs Anthony Lan-Ting (Chow Yun-Fat) und seiner so attraktiven wie undurchsichtigen Frau Anna (Gong Li). Bald gerät er in den Konflikt zwischen japanischen Besatzern, chinesischen Rebellen, Gangstern und der eigenen Regierung. Dass sich der US-Spion in die schöne Chinesin verliebt, erleichtert seine Mission keineswegs, denn rasch sieht er sich einem Interessenkonflikt ausgesetzt.
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| FILMKRITIK
„Morocco“, “Algiers”, „Casablanca“, „Macao“ – schon der Titel “Shanghai” zeigt unmissverständlich, in welchen Bahnen sich der aufwändige Historienthriller bewegt. Kurz nach ihrem unheimlichen Spukthriller „Zimmer 1408“ setzten John Cusack und Regisseur Mikael Hafström ihre Zusammenarbeit mit „Shanghai“ fort, doch die Hommage an das klassische Noirkino verzögerte sich lange Zeit aufgrund von Problemen bei den Dreharbeiten in China. Nachdem man das Projekt in England und Thailand beendete, verloren die produzierenden Weinstein-Brüder (einmal mehr) das Interesse am fertigen Film. Immerhin weist das Copyright des Nachspanns das Jahr 2008 auf. In Amerika wurde „Shanghai“ bislang nicht gestartet, während Hafströms später entstandener Horrorfilm „The Rite“ längst seinen Kino- und DVD-Einsatz hinter sich hat.
Die Entscheidung verwundert nicht völlig, denn wer interessiert sich heute noch für traditionelle Abenteuerepen? Immerhin funktioniert das international besetzte Spionagedrama, ein Herzensprojekt des renommierten Produzenten Mike Medavoy („Amadeus“), über weite Strecken, obwohl die Story reichlich kompliziert entwickelt wurde, letztlich aber auf eine eher simple Auflösung hinsteuert. Nach einem atemlosen Einstieg vermag die verwickelte Geschichte streckenweise durchaus in den Bann zu schlagen. John Cusack auf Bogies Spuren muss sich durch eine undurchschaubare Intrige kämpfen, wobei er nie genau weiß, wer wirklich zu ihm hält.
Nicht nur im Bezug auf seine Recherchen in fremdem Terrain geht dieser Paul Soames, Agent des Nachrichtendienstes der US-Marine, ein riskantes Spiel ein. Während er zuvor mit der Gattin eines deutschen Konsuls eine Affäre hatte, die bald hinter seine wahren Absichten kommt, zeigt sich der Undercoveragent nun an der Frau des mächtigen Gangsterbosses Lan-Ting interessiert, so dass amouröse Verwicklungen nicht ausbleiben. Mit Chow Yun-Fat, Gong Li, Rinko Kikuchi („Babel“) als süchtige Geliebte des Opfers und Ken Watanabe als verschlagener japanischer Geheimdienstchef besetzte man vor allem in Amerika vertraute Namen. Neben der respektablen Darstellercrew glänzt das historische Melodram in Sachen Ausstattung, Dekor und Design durch seine glamouröse Atmosphäre, womit die Kolonialismusära vor der japanischen Besatzung wieder auflebt.
Leider verspielt „Shanghai“ im Finale einige der positiven Aspekte durch eine zu unglaubwürdige Storyentwicklung und zu aufdringliche Inszenierung. Unterstützt wird das Schlusspathos einmal mehr durch Klaus Badelts schwelgerisch-übertriebenen Score, der zuvor noch die Balance aus romantischer und bedrohlicher Stimmung hielt. Die besseren Beispiele des klassischen Spannungskinos unterlaufen meist die Kitschfalle, während die schwächeren sich ganz dem Schnulzengefühl hingeben. Somit bietet Mikael Hafstöm eine durchaus beachtliche, aber nicht völlig geglückte Neuauflage eines fast vergessenen Genres.
| FAZIT
Visuell aufregender, aber zu stark den Genremustern verhafteter Kriegs- und Spionagethriller.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung