Als ihr Geliebter erkrankt und ins Koma fällt, beschließt die zwischen L.A. und Berlin pendelnde Architektin Valerie (Franka Potente), ganz in sein Dachappartement zu ziehen. Bevor die Kosmopolitin noch ein letztes Mal nach Amerika reist, um ihre Wohnung aufzulösen und an einem wichtigen Meeting in Santa Monica teilzunehmen, nimmt sie für ihren Lebensgefährten Raphael ein Videotagebuch auf. Vor der Kamera räsoniert Valerie über ihre verschiedenen Beziehungen und das Wesen der Liebe, um darüber hinaus zu einer Reflektion ihres Leben zu gelangen.
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| FILMKRITIK
Mit dem 2009 entstandenen „Valerie“ schließt Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt seine Monologtrilogie ab, die er 2002 mit „Mein letzter Film“ begann und 2005 mit „Der letzte Jude“ fortsetzte. In die Fußstapfen von Hannelore Elsner und Ben Becker tritt nun Franka Potente, die in einem ausladenden und -ufernden Bewusstseinsstrom über Liebe und Liebschaften räsoniert. Während bei den ersten beiden Arbeiten Kammerspielexperte Oliver Hischbiegel Regie führte, tritt jetzt mit Josef Rusnak ein neben Potente weiterer Reisender zwischen Deutschland und Amerika die Nachfolge an. (Nachdem der Ex-Münchner in den Achtzigern mit dem Jugenddrama „Kaltes Fieber“ und zwei Simenon-Adaptionen noch als aufstrebendes Talent galt, verlegte sich der „13th Floor“-Regisseur zuletzt auf platte C-Actionware mit Wesley Snipes.) Mit einem Gastauftritt von Ex-Uwe Boll-Stammschauspielerin Birgit Stein als Burlesquetänzerin ist eine weitere Pendlerin zwischen den Nationen vertreten.
Die Macher waren sich durchaus bewusst, dass ein langes Solostück bei einer Laufzeit von knapp 90 Minuten mehr als kluge Worte benötigt, um die Zuschauer zu fesseln. In seinen Produktionsnotizen lobt Meyer-Burckhardt Regisseur Hirschbiegel für das Talent, Spannung auf engstem Raum zu erzeugen. Genau dies gibt Rusnaks Arbeit nicht her, zumal auch Roger Willemsens literarische Vorlage „Kleine Lichter“ über die „Verführung zum Leben“ keine zwingende Dramaturgie aufbauen kann. Die literarischen Dialoge im Stil von „Kann Liebe Leben retten?“ wirken gestelzt und papieren, so dass sich kein authentisches Lebensgefühl und keine fatale Notsituation einstellen will.
Sicherlich waren sich Rusnak und sein Kameramann Benedikt Neuenfels des Problems bewusst, einen Monolog filmisch aufzubereiten, was man dem Ergebnis anmerkt. Gerade ein Kammerspiel sollte die Adaption von Willemsens Essay über das Phänomen Liebe, über Abschied und Verlust nicht werden. Neuenfels springt nicht nur zwischen den Schauplätzen Berlin und L.A., sondern wechselt zwischen atmosphärischen Totalen in Scope, 16mm- und Mini-HD-Format. Während Protagonistin Valerie sich bei selbst bei alltäglichen Verrichtungen filmt, wird sie noch von einer weitere Kamera in teilweise extremen Perspektiven beobachtet, etwa aus dem Kühlschrank heraus. Dies bricht die aufgestellte Prämisse eines Videotagebuchs allerdings wieder.
Neben dem bewusst sperrigen, mitunter in Jump Cuts erzählten Gedankenstrom delektiert sich die Kamera an den Kunstgegenständen des Lofts, an Filmplakaten aus der Expressionismus-Ära wie „Die Büchse der Pandora“, Gemälden und Skulpturen. Dazu pendelt der Score zwischen Jazz, Rock, Tango und symphonischen Klängen, wobei Burt Bacharachs „The Look of Love“ als Leitmotiv dient. Zwar gelingt es Franka Potente über Strecken, Valeries Suche nach Identität und Nähe sowie ihre Schmerzbewältigung erfahrbar zu machen. Doch der visuelle Einfallsreichtum und ihre facettenreiche Leistung kann auf Dauer nicht über den theatralischen Pathos der Lebensbeichte hinweg helfen. Am stärksten wirkt die inszenatorische Sogwirkung bei Valeries einsamen Discobesuch im Berliner Nachtleben. Dann schweigt der Monolog nämlich für wenige Minuten, und die Bilderkraft steht ausnahmsweise einmal für sich.
| FAZIT
Visuell einfallsreicher, mitunter bemühter Monologfilm über Liebe und Trauer, deren Kunstsprache auf Dauer anstrengt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung