Montag | 28. Mai 2012 | 12:15 Uhr
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  • FILM REVIEW | Another Earth
  • Another Earth

    Drama | USA 2011
  • | INHALTSANGABE

  • Die 17-jährige Rhoda Williams hat einen Studienplatz an einer renommierten Universität bekommen und will Astrophysikerin werden. Sie feiert ausgiebig, während am Himmel ein neuer Planet erscheint, der wie die Erde aussieht. In dieser Nacht verursacht Rhoda betrunken einen schrecklichen Autounfall, bei dem eine schwangere Frau und ein Kind sterben. Der Familienvater überlebt. Nach vier Jahren im Gefängnis kehrt Rhoda nach Hause zurück und jobbt als Putzfrau in einer Schule. Noch immer bestimmt der Unfall ihr Leben. Rhoda nimmt an einem Wettbewerb teil, bei dem es eine Fahrt zum neuen Planeten, der Erde 2 genannt wird, zu gewinnen gibt. Und sie knüpft Kontakt mit dem Mann, dessen Familie sie ausgelöscht hat. Ohne dass er weiß, wer sie ist, lässt er sie sein verwahrlostes Haus putzen.
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      • | FILMKRITIK

      • Das Spielfilmdebüt von Regisseur Mike Cahill bewegt sich fern von ausgetretenen Pfaden in seinem stimmungsvollen Mix aus Science Fiction und Psychodrama. Eine junge Frau trägt schwer an der Schuld, die sie auf sich geladen hat und sucht nach Ansätzen der Wiedergutmachung. Parallel dazu beschäftigt die Menschheit eine sensationelle Entdeckung: Auf dem neuen Planeten am Himmel leben anscheinend Doppelgänger der Individuen, die die Erde bevölkern. „Another Earth“ gewann auf dem Sundance Film Festival 2011 den Spezialpreis der Jury als bestes Drama und den Alfred-P.-Sloan-Preis.

        Das Schreckliche passiert gleich am Anfang der Geschichte: Betrunken rast die 17-jährige Rhoda Williams mit ihrem Wagen frontal gegen ein stehendes Auto. Darin scherzten gerade der Komponist John Burroughs und seine Frau mit ihrem kleinen Sohn. Nur der Mann und Rhoda überleben. Dann springt die Handlung vier Jahre vorwärts, zu dem Tag, als Rhoda aus dem Gefängnis kommt. Sie zieht wieder zu ihren Eltern und sucht sich eine Arbeit als Putzfrau. Weil sie schwer an ihrer Täterschaft trägt, dient sie sich auch John Burroughs als Zugehfrau an, zunächst in der Absicht, sich ihm bald zu offenbaren. Aber dann hat sie doch Angst vor diesem Schritt.

        John, der seit dem Unfall vollkommen zurückgezogen dahinvegetiert, wird in Gegenwart der aufmerksamen jungen Frau allmählich wieder munterer. Die beiden entdecken ihre Gefühle füreinander. Die Schauspielerin Brit Marling, die mit Cahill zusammen auch das Drehbuch schrieb, verleiht der jungen Frau eine faszinierende Ausstrahlung zwischen Schuldgefühl und dem Wunsch nach Bewältigung. Rhoda putzt mit einem Ausdruck, als füge sie sich in die lebenslange Abarbeitung ihres Schicksals. Gleichzeitig treibt sie ihre Sehnsucht nach dem Guten in die Nähe des Unfallopfers. Während Marling die sensible, sowohl äußerlich wache, als auch stark nach innen gekehrte Person spielt, überzeugt William Mapother als John Burroughs mit seiner lebendigen Emotionalität.

        Die zarte Romanze dieser beiden zu neuem Leben Erwachenden spielt sich vor düsterem Hintergrund ab. Die Macht von Rhodas Geheimnis spiegelt sich in den häufigen nächtlichen Szenen, wenn auf dem Himmel über der Küste die riesige Kugel von Erde 2 leuchtet. Das Mysterium dieses neuen Planeten, über dessen vermutliche Bewohner das Fernsehen täglich berichtet, lastet wie eine stumme Mahnung auf allen, die ihn betrachten, vor allem natürlich auf Rhoda. Der Regisseur fungiert in diesem Film auch als Kameramann und Cutter. Den gewaltigen inneren Zwiespalt Rhodas drückt der mal traurige, mal unheimlich-kalte Soundtrack mitsamt seinen maschinellen Geräuschen aus, den das Indie-Rock-Trio „Fall on Your Sword“ beisteuert.

        Bis zum Schluss bleibt die knisternde Spannung auf Handlungs- und Gefühlsebene erhalten und selbst die späte Auflösung der Geschichte lässt einiges in der Schwebe, im Unklaren. Es ist eine Zeit der Ungewissheit und des Übergangs für die Menschheit im Allgemeinen und für Rhoda und John in ihrer persönlichen Krise. Dabei gerät die Orientierung ins Wanken, stehen die Richtungen nicht fest, und der Anblick von Erde 2 am Himmel bekräftigt immer wieder, dass es für die Wahrnehmung kein Zurück zur alten Ordnung gibt. Auch wenn die philosophischen Gedankenspiele des Films rätselhaft bleiben, als Kinoerlebnis ist er in seiner Originalität erfrischend.
      • | FAZIT

      • Romantische, originelle Mischung aus Science Fiction und Drama, in der vieles rätselhaft bis zum Schluss bleibt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 9.0/10 (1 vote)

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